Pfad: Inhalt » 2. Erkenntnis - Selbstbestimmung » «Freundschafts-Banner» » Frohes Zusammensein

Frohes Zusammensein

Das Schweizerische Freundschafts-Banner und seine Organisationen

 

Bei den zahlreichen Schwierigkeiten und der allgemeinen Unsicherheit war der spürbare Zusammenhalt an Tagen unbeschwert festlichen Beisammenseins und der dabei aufblühende Frohmut eminent wichtig.

Herbstfest 1933

Das Freundschafts-Banner vom 18. Oktober 1933 liess Arno K. aus Genf über das Herbstfest vom 30. September im Restaurant Gsteig in Höngg berichten: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[1]

«Hallo Zürich! – Hier ist Genf! – Ist vielleicht Öffnet internen Link im aktuellen FensterFrl. Vock zu sprechen? – Ja, bin selbst am Apparat. … Ich kann Ihnen mitteilen, dass ich am Fest mitmache und es wird mich freuen, Sie kennen zu lernen. – Ja, wenn Sie dann nur nicht enttäuscht sind, wenn Sie mich sehen. – Ich war wirklich enttäuscht, aber angenehm, als unsere tüchtige Präsidentin mich begrüsste. Ich erkannte in ihr ein liebes, besorgtes Mütterlein, das sich alle Mühe gibt, seiner Schar Kinder etwas Angenehmes vorzubereiten. […] Ich muss noch erwähnen, dass ich zum ersten Mal hieher kam und mir somit alles fremd war. […] Nach der Präsidentin wurde mir das Finanzdepartement in Gestalt der rührigen Frau Eichenberger vorgestellt und ich lernte auch die dichterische Sekretärin Öffnet internen Link im aktuellen FensterFrl. Thoma kennen. Somit verdanken wir die Organisation des Festes in der Hauptsache Frauenhänden – wirkt das nicht etwas beschämend für uns Männer? – Die Musik rückte an und von Minute zu Minute besetzte sich der Saal. Man hätte glauben können, es sei Völkerbundsversammlung, denn es kamen aus allen Teilen der Schweiz – nicht der Welt – Mitglieder und Gönner zugeströmt. […] Es war seelische Erleichterung, ein fröhliches Fest, unbefangenes Beisammensein, schöner als das schönste Familienfest. […] Der Gipfel des Abends war unbestreitbar die feierliche Gratulation zu Frau Eichenbergers 50. Geburtstag […] und ein weiterer interessanter Moment bildete auch die amerikanische Versteigerung, welcher die Einführung eines Postcheckkontos für den Verband gutzuschreiben ist. […] Die Reichhaltigkeit der Darbietungen liessen Schlafgedanken nicht aufkommen, bis dann die Morgendämmerung zum Aufbruch mahnte. Es war ein wirkliches Fest.»

Zum selben Anlass gibt es auch einen Eintrag im Öffnet internen Link im aktuellen FensterProtokollbuch

Besuch der Zürcher bei den Basler Kollegen

«Basler Reisebericht» hiess die Beschreibung eines Treffens der Zürcher mit ihrer Basler Schwestersektion, verfasst von Ernst. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[2] Die Einladung zum Besuch des neuen Klublokals im Restaurant Löwenzorn anlässlich der Mustermesse sei «einstimmig angenommen» worden:

«Samstag, den 14. April 1934, abends 6 Uhr, versammelten wir uns am Hauptbahnhof und in fröhlicher Fahrt ging es durch die bereits blühende Landschaft Basel zu. Dort wurden wir durch den Präsidenten, Herrn W. Schöne, den Aktuar, Herrn Jeck, sowie einigen Mitgliedern der Sektion Basel empfangen und unter ihrer Führung begaben wir uns auf den Weg ins Klublokal. […] Im Löwenzorn begrüsste uns Herr Schöne mit einer herzlichen Ansprache und ebenso der Herbergsvater Herr Thurneysen. Letzterer betonte speziell, wie er in unseren Artgenossen anständige und achtenswerte Menschen gefunden habe und sich freue, denselben in seinem Hause Heimatrecht gewähren zu können. Wo haben wir in Zürich jemals einen solchen Wirt gefunden? […] Ständig heisst es für uns ‹zügeln›. Haben wir einmal ein schönes Lokal, dann ist der Wirt ein Hasenfuss, der bei der ersten blöden Bemerkung eines Gastes gleich für sein Renomé fürchtet und ‹wir können wieder gehen›. […] Nun wurde im Nebenraum wacker das Tanzbein geschwungen und die kurzen Pausen durch gesangliche Darbietungen unserer Freunde verschönert. Unter Lachen und Scherzen verflogen die Stunden nur allzu rasch und erst, als schon der Morgen zu grauen begann, trennten wir uns und suchten unsere Zimmer auf. Am Sonntagmittag nahmen wir im Beisein einiger Mitglieder der Sektion Basel im Klublokal Löwenzorn das Mittagessen, welches der Küche des Herrn Thurneysen Ehre einlegte und an Reichhaltigkeit und Güte nichts zu wünschen übrig liess. Anschliessend besuchten wir unter der kundigen Führung von Herrn Schöne die Rheinhafen-Anlage.»

Fasnachtsball in der alten Trotte Höngg

In Nummer 5/1935 brachte das FB eine grosse Anzeige und Einladung zum «Fastnachtsball» für Samstag, den 2. März im Restaurant zur «Alten Trotte» in Zürich-Höngg. Auf Punkt 1 Uhr wurde eine Masken-Prämierung angesagt und für den Anlass eine strenge Türkontrolle zugesichert. «Nur anständig und seriös gekleidete Masken haben Zutritt» hiess es zusätzlich. 6/1935 vom 15. März berichtete dann über «Fastnachtsleben» und «Fastnachtstreiben» als zweierlei Art des Sich-Vergnügens: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[3]

« ‹Fastnachtsleben› ist das ungeschminkte ‹Sichgehenlassen›, unter der Maske einmal ‹das zu sein›, was man das ganze Jahr nicht sein darf. Für viele unserer Artgenossen bedeutet es oft der einzige Moment, wo man sich richtig geben kann, wie man fühlt. […] Wir sollen das Jahr durch verdammt sein, ein Doppelleben zu führen, tagtäglich eine Maske aufzusetzen, um angeblich vor unserer Mitwelt als ‹normal› zu erscheinen. So spielen wir Komödie und haben immerfort Karneval. Nur einmal kommt jedes Jahr die langersehnte offizielle ‹Fastnacht›, wo wir hinter dem Mummenschanz unsere innersten Gefühle preisgeben dürfen, wo wir wirklich ‹wir selbst sind›. […] Es war vor allem die treue Lesergemeinde, die sich von Genf, Lausanne, Locarno, Biel, Bern, Luzern, St. Gallen und vom Bodenseestrand zum Fest vereinte. […] Mit dem ersten Tram um 5.30 Uhr löste sich das Fest auf und die Teilnehmer gingen noch zur Mehlsuppe ins ‹Rialto› und ins ‹Albis›.»

Über das ‹Fastnachtstreiben› im ‹Rialto› und ‹Albis› […]:

«Im ersteren ging es zu wie in einem Bienenhaus, von Tanzfläche keine Spur mehr, man liess sich schieben und drücken, wie Würmer in der Konservenbüchse eines Fischers. […] Alles was Namen hatte, war traditionell mit und ohne Aufmachung vertreten. Unsere sogenannte ‹Banane› glänzte in ‹Mae West› Stil mit blonder Perücke, breitkrempigem Federhut, in engem schwarzen, mit Filigransteinchen besätem Gesellschaftsanzug und Pelzjackett. ‹Ninon› war mit blondondulierten Haaren, kleinem Hütchen mit Halbschleier, schwarzem Ballkleid mit Goldplättchen und Pelzmantel wie jedes Jahr gediegene ‹Frau von Format›. […] ‹Tschingge-Marie› trug knallrote Beinkleider mit Silberstreifen und Strandhut. ‹Mausi› in feinster Seidenrobe, […]. Kaum ein Uneingeweihter hätte darauf geraten, dass sie eben doch alle dem männlichen Geschlecht angehören. Die ‹Diva› zeigte sich in zigeunerhaft spanischer Aufmachung und die ‹Vera› hätte besser eine Maske aufgesetzt, […] andere Jahre hat sie sich ‹feiner› gegeben. […] Viele pendelten zwischen ‹Albis› und ‹Rialto› hin und her, um dann schlussendlich im Bahnhofbuffet zu landen, wo man alles wieder treffen konnte, verteilt in den verschiedenen Räumlichkeiten. Nun sind die Tanzweisen verklungen und ‹Aschermittwoch› gähnt aus übernächtigen Augen und leeren Portemonnaies. […] Wir warten schon auf Fastnacht 1936.»

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Juni 2004