Zum Begriff Homosexualität
Vorkämpfer und Opfer
1869 verwendete der ungarische Schriftsteller
Karl Maria Kertbeny erstmals ein ähnliches Wort in einem Werk, worin er die Straffreiheit sexueller Handlungen zwischen Männern forderte. Er bezeichnete sie dort als «homosexual». In späteren Werken entwickelte Kertbeny eine eigene Sexualtheorie und führte die Begriffe «Homosexualität» «Heterosexualität» ein. Alle seine diesbezüglichen Werke veröffentlichte er unter dem
«Anagramm» Benkert.
Das von Kertbeny/Benkert geschaffene griechisch/lateinische Mischwort «Homo-Sexualität» bedeutet Gleich-Geschlechtlichkeit; während «Hetero-Sexualität» dementsprechend Gegen-Geschlechtlichkeit bezeichnet.
Wenn später gleichgeschlechtlich veranlagte Menschen generell «Homosexuelle» genannt worden sind, haben das die Betroffenen zu Recht als Reduzierung des Menschen auf seine blosse Geschlechtsempfindung abgelehnt. Sie versuchten daher Worte einzuführen wie «homophil» = rein griechisch: «dem Selben befreundet», «homoerotisch» = «den Selben liebend» oder «homotrop» = rein lateinisch: dem Gleichen zugewendet. Das setzte sich aber nicht durch. Als Revanche verwendeten daraufhin die Schwulen-Aktivisten der 70er Jahre gezielt den Begriff «Heterosexuelle» für alle Nicht-Schwulen. Mit Erfolg.
Ernst Ostertag, März 2004


