Luzern

Die erste Gruppe in der Schweiz

1922

"Was an diesem Wochenende (vom 1./2. Juli 1922) dann geschah, kann mit Fug und Recht als historisches Ereignis bezeichnet werden, welches jedoch bisher in den wenigen Darstellungen zur schwulen Schweizergeschichte nur am Rande erwähnt oder gar völlig verschwiegen wurde. Es handelte sich nämlich um die allererste Gründung einer homosexuellen Organisation in der Schweiz - die Geburtsstunde der eidgenössischen Schwulenbewegung also! Glücklicherweise hat in der Freundschaft ein damals Anwesender namens Hermann Wiederhold sehr detailliert über diesen Anlass berichtet."1

Zum ersten Präsidenten der neuen Organisation mit dem Namen "Schweizer Freundschafts-Verein" wurde Hector Marco Schnyder, Luzern, gewählt.

Doch bereits an der zweiten Versammlung vom 7. Oktober 1922, ebenfalls in Luzern, kam es zu einem Namenswechsel in "Schweizer Freundschaftsbund / Société amicale suisse". Denn es gab auch Mitglieder aus der Romandie. Und Die Freundschaft, Heft 46/1922, erwähnte, dass die neue Organisation mit Sitz in Luzern einen Aufnahmeantrag gestellt habe. Dieser wurde angenommen, sodass die Schweizer nun "als Landessektion Schweiz dem Deutschen Freundschafts-Verband" angegliedert worden seien.

"Wir heissen auch an dieser Stelle unsere Schweizer Kampfgenossen in unseren Reihen willkommen und geben der Hoffnung Ausdruck, dass andere Länder dem Beispiel der Schweiz folgen werden."

1923 geschah unter dem Vorsitzenden Friedrich Radszuweit die Umbenennung des Deutschen Freundschafts-Verbandes in "Bund für Menschenrecht", der nun neu die Blätter für Menschenrecht herausgab. 1924 erschienen in diesen Blättern2 Anzeigen zur Mitgliederwerbung für den Schweizer Freundschaftsbund mit dem Titel "Kameraden schliesst euch noch mehr zusammen!" Ähnliches war ebenfalls in der Zeitschrift Die Freundin3 zu lesen:

"Schweiz. Freundschaftsbund nimmt einwandfreie Damen und Herren auf."

Die Gay-Community feierte 2005 in Luzern das positive Resultat der eidgenössischen Volksabstimmung über das Partnerschaftsgesetz mit einer gesamtschweizerischen Pride. Damit kehrte sie, was den meisten nicht bewusst war, an ihren Ursprung zurück.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Dezember 2007

Quellenverweise
1

Friedrich Radszuweit, Hrsg.: Die Freundschaft, Heft 30/1922, von Frischknecht vollständig zitiert auf Seite 4.

2

Friedrich Radszuweit, Hrsg.: Blätter für Menschrecht, 1924, Nummern 1 bis 9.

3

Friedrich Radszuweit, Hrsg.: Die Freundin, Berlin, Nummer 6 vom 6. Februar 1925, Seite 8.