Karl Meier als Autor
Karl Meier war nicht nur Schauspieler, er war auch Autor von Kurzgeschichten, Theaterszenen, Gedichten und besass ein breites literarisches Wissen. Während seiner Jahre in Deutschland traf er mit vielen Künstlern aller Art zusammen, was den "Bub vom Land", wie er immer wieder in Gesprächen durchscheinen liess, zum "literarischen Laien" gemacht habe. Er war aber bedeutend mehr als das. Auch Der Eigene hatte ihn beeinflusst und prägte sein Idealbild einer Zeitschrift für Homoeroten.
Diesem suchte er in der Schweiz nachzuleben. Es gelang ihm auch weitgehend dort, wo das Künstlerische und Wissenschaftliche und der Kampf um Gleichberechtigung klar zum Ausdruck kamen und nicht von seinem reformiert-christlichen Wesen und einer entsprechenden ethischen Grundhaltung zugedeckt wurde.
Meier konnte penetrant moralisierend schreiben und hat das auch oft und ausführlich getan. Im offenen Gespräch hingegen, etwa mit einem problembelasteten Menschen, war nie "Dogmatisches" spürbar. Er erfasste unmittelbar die Lage als Ganzes und suchte intensiv nach Lösungen. Er war immer auf den anderen bezogen und nie autoritär. Darin entsprach er ganz seiner tiefen Religiosität.
Ab Ausgabe 10/1934 erschienen regelmässig Artikel, Erzählungen und Gedichte von ihm unter dem einen oder anderen Decknamen.
Die Weihnachtsnummer 1934 wurde auf der Titelseite mit einem seiner Gedichte sozusagen eingeläutet. Daraus1:
Aus dieser Nacht stammt jenes Licht,
Das allen falschen Schein durchbricht.
Und wer je krank war an der Welt,
Dem hast Du Dich als Trost gesellt.
Die Könige spenden Spezerei'n
Die Engel süsse Melodei'n.
Wir bringen Dir das wunde Herz
Und vieler Jahre stummen Schmerz.Wir glauben nicht, dass wir verfemt,
Weil unser Sinn sich anders sehnt.
Was je aus reiner Lieb' geschah,
Blieb immer Deiner Gnade nah.Wir beten in der Hirten Stall:
Vergiss uns nicht! Wir warten all',
Dass unsre Nacht auch einmal Tag
In Deinem Lichte werden mag!
Ernst Ostertag, Juni 2004
Quellenverweise
- 1
Karl Meier, gez. Rudolf Rheiner: Freundschafts-Banner vom 15. Dezember 1934.

