Sie sind hier: Inhalt » 3. Die Schweiz wird zur Insel » Flüchtlinge und Verfolgte » Leopold Obermayer

Leopold Obermayer

Ein "krasser Fall", Tragödie in vier Akten

1892-1943

Schon während des Krieges wusste man um viele an der Grenze Abgewiesene. Nur dass es so viele waren wusste man erst viel später. Langsam und zögerlich wurde die unmenschliche Politik gewisser Behörden und ihrer Exponenten enthüllt.

Ganz besonders gefährdet waren nebst Juden alle Homosexuellen. Sie wurden als nicht vollwertige, unschweizerische Bürger angesehen, deren "Anwesenheit in der Schweiz höchst unerwünscht" sei, so Giuseppe Motta, Bundesrat (TI, kath. kons.) und von 1920-1940 Vorsteher des Politischen Departements (Aussenministerium).

Doch das Dossier Flüchtlingspolitik lag beim Justizdepartement. Dessen Vorsteher ab 1940 war Bundesrat Eduard von Steiger (BE, BDP, heute SVP). Am 13. August 1942 erliess er eine totale Grenzsperre für jüdische Flüchtlinge. Er tat dies, obwohl der Gesamtbundesrat ab Mai 1942 von den deutschen Massenvernichtungslagern wusste. Er befürchtete, das "kleine Rettungsboot mit beschränktem Fassungsvermögen" könnte einem neuen Ansturm von Flüchtlingen nicht gewachsen sein.

Der homosexuelle Jude Leopold Obermayer war kein Flüchtling. Er war Anwalt in Deutschland und hatte den Schweizer Pass. Trotzdem wurde er von der Geheimen Staatspolizei (GESTAPO) verhaftet und von der Schweiz im Wissen um seine Veranlagung fallen gelassen. Es folgten Prozess, Verurteilung, Einweisung ins Zuchthaus, später ins Konzentrationslager, wo er starb.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, September 2006 und Januar 2013

Mehr Information finden Sie hier: