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Therese Giehse

1898-1975

Uraufführung Mutter Courage
Uraufführung 'Mutter Courage und ihre Kinder' von Bertolt Brecht

Im Buch "Ich hab nichts zum Sagen" schilderte die deutsche Journalistin Monika Sperr 1973 das Ende der Öffnet internen Link im aktuellen Fenster"Pfeffermühle" im Gespräch mit Therese Giehse:

"Die Fahrt nach Amerika war 'eine ganz verrückte Sache', trotzdem fuhr sie mit und lernte Englisch fürs gelobte Land. So kolossal wie das Unverständnis der Amerikaner für das, was sie wollten, war die eigene Unwissenheit über das, was sie dort sollten.

'Die Texte waren miserabel übersetzt, nichts war vorbereitet, nichts überlegt. Das ganze amerikanische Gastspiel eine völlig überflüssige Fahrt ins Blaue.'

Am 5.1.1937 war Premiere in New York. Kaum vier Wochen später schiffte sich die Giehse 'sehr traurig und verärgert' zurück nach Europa ein. Am 13.2. war sie wieder in Zürich. Allein, denn die Pfeffermühlezeit war vorüber. Bei der Ankunft im Hafen von Cherbourg lag ein Telegramm des Zürcher Schauspielhauses vor. Man brauchte sie dort. 'Das nennt man Anschluss' - eine Arbeit war getan, eine andere war jetzt zu tun. Lange Verschnaufpausen hat die Giehse (…) nie gemacht. (…) Ihr machte ihre Arbeit Spass, und sie kann sehr viel Spass vertragen. Schon als die 'Pfeffermühle' in Zürich agierte, spielte sie zwischendurch am Schauspielhaus. Jetzt hatte sie (fast) jede Woche eine Premiere und lernte (wie alle anderen auch) in der Pause einer Aufführung bereits den Text fürs nächste Stück."

Der Regisseur Peter Löffler:

"Wir bekamen also im gleichen Theater und mit demselben Ensemble in sieben Jahren (1938-1945) an die 150 Stücke zu sehen. Therese Giehse, diese Jahrhunderterscheinung des Theaters, hat bis zu ihrem Weggang von Zürich 140 Rollen gespielt."

Emigranten, denen die Nazis das deutsche Bürgerrecht abgesprochen und entzogen hatten, waren staatenlos. Für viele war darum die Heirat mit Nichtdeutschen überlebenswichtig. So hatte man einen Pass und konnte notfalls weiterreisen. Die Giehse war ab 1936 mit dem homosexuellen britischen Schriftsteller J. F. Norman Hampson-Simpson verheiratet und blieb es bis zu dessen Tod 1955.

Nachdem die Scheidung von Erika Mann und Öffnet externen Link in neuem FensterGustav Gründgens 1929 vollzogen war, heiratete sie 1935 den ebenfalls homosexuellen englischen Dichter Wystan H. Auden, der seinerseits mit dem homosexuellen Schriftsteller und Landsmann Christopher Isherwood zusammen 1939 in die USA auswanderte. Auch England war für Homosexuelle keine Heimat.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Oktober 2004