Die Zeitschrift Menschenrecht
Ein zukunftsweisender Neuanfang
1937-1942
"Blätter zur Aufklärung und gegen Ächtung und Vorurteil, vormals Schweizerisches Freundschafts-Banner". Mit diesem Untertitel, gleichsam als Programm und Aufgabe, wurde die neue Zeitschrift Menschenrecht als Fortsetzung der bisherigen Jahre und des bisherigen Zwecks der Homosexuellen-Bewegung präsentiert. Die Zählung seit Beginn folgte derselben Tradition; man stand somit im fünften Jahrgang. Anna Vock blieb die verantwortliche Herausgeberin, ihr Name wurde aber nicht mehr genannt. Nur die Redaktions- und Verlagsadresse mit Postfach und die (private) Telefonnummer der Herausgeberin erschienen weiter als Impressum.
Die Namensänderung mit Zusatz "gegen Ächtung und Vorurteil" geschah bewusst. Im Vorfeld der Volksabstimmung über das neue Strafgesetz (StGB) wollte man radikaler werden. Denn es ging um das elementare Leben und Überleben als von Strafe befreite homosexuelle Mitbürgerinnen und Mitbürger unseres Landes. Man musste diese Abstimmung gewinnen! Sie bedeutete Umsetzung von Menschenrecht.
Jede und jeder wusste aus erster Hand von Unrecht, Verfolgung, Gefängnis, Folter, Arbeitslager und Hinrichtung der Brüder und Schwestern in den benachbarten Diktaturen, vor allem im Nazi-Staat Deutschland, der den Strafparagraphen 175 willkürlich verschärft hatte und gnadenlos anwandte. Mit unserer Abstimmung war eine ähnliche Entwicklung zu verhindern oder sie konnte wenigstens erschwert werden. Nazi-Sympathisanten und Nachahmer gab es bei uns genug. Man musste sie mit dieser Geste bremsen.
Ernst Ostertag, September 2010
