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Wille zum Widerstand

Überleben als freie Nation

Rolf versuchte im Menschenrecht vom Juni1,  geschrieben als die Schlacht um Frankreich erst begonnen hatte, die Gefühle seiner Abonnenten in Worte zu fassen und in den grösseren Zusammenhang zu stellen, den zu erkennen die Aufgabe der Stunde war. Seinen Worten voran setzte er quasi als Leitmotiv den Begriff "Bereitschaft":

"Über Europa rasen die apokalyptischen Reiter. Millionen stehen gegeneinander auf. (…) Ist das alles der Anfang des tausendjährigen Reiches der Bibel, währenddem Gott sich in seine Himmel zurückwendet und dem Fürsten aus dem Abgrund die Herrschaft der Erde überlässt? (…) Hunderttausende unseres Landes haben ihre Arbeit verlassen, (…) damit wir jeden Tag noch den ungeschändeten Himmel über uns sehen. Sie stehen auf den Bündner Felsentürmen und den uralten Burgen des Gotthard, sie liegen auf den Hängen des Jura, in den Wäldern am Rhein und sie wachen auf dem Bodensee-Rücken. Sie fragen nicht nach dem Enderfolg, sie tun es einfach, weil ihnen ein Leben ausserhalb unserer Volksgemeinschaft nicht denkbar wäre. Der Freisinnige steht neben dem Sozialisten, der Katholik neben dem Protestanten und, folgern wir ruhig weiter, der Weib-Liebende neben dem Mann-Liebenden. Diese Tatsache ist eines der wenigen frohen Erlebnisse dieser unheilvollen Zeit.

Das Märchen von der Minderwertigkeit des Homoeroten widerlegt das Leben der Wirklichkeit wieder einmal besser als alle wissenschaftlichen Untersuchungen. Geht man durch die Strassen, so entdeckt man unter der Militärmütze oft ein Gesicht, von dem man weiss, dass es einem Menschen unseres Kreises gehört. Ja, man ist erstaunt, wie viele von uns es plötzlich sind, die das Wehrkleid tragen. Und nicht nur das des einfachen Soldaten. (…) Das Grössere ist heute die Weiterexistenz unserer Heimat; mit ihrer Fortdauer erhalten wir auch eine Fortdauer unseres Menschenrechts, unseres Lebensgefühls."

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, August 2004

Quellenverweise
1

Menschenrecht, Nr. 6/1940