DER KREIS
... und seine Zeitschrift
1943-1967
Die Organisation "Lesezirkel DER KREIS" und ihre zweisprachige, ab 1951 dreisprachige Zeitschrift Der Kreis - Le Cercle - The Circle ist bis heute die einzige internationale Verbindung schwuler Männer mit Sitz in der Schweiz geblieben. Ihre Ausstrahlung war enorm. Dies besonders nach dem Krieg, als es in Europa um den Wiederaufbau zerstörter Gruppierungen von Homosexuellen ging.
Das literarische und wissenschaftliche Niveau der Zeitschrift war ebenso hoch wie die fotografische und künstlerische Bebilderung. Das Programm galt dem Fördern und Bekanntmachen homosexuellen Schaffens und der Weiterbildung aller Abonnenten. Sie sollten aus Isolation und Gefühlen der Minderwertigkeit herausgeführt werden und sich als Mitglied einer in allen Belangen ebenbürtigen Gruppe innerhalb der allgemeinen Gesellschaft erkennen.
Diesem Zweck dienten auch sämtliche geselligen Anlässe: die regelmässigen Mittwochtreffs, die grossen Sommer-, Herbst- und Neujahrsfestlichkeiten wie auch die berühmten Maskenbälle. Dabei war jeder aufgefordert, selber kreativ zu werden und mitzumachen.
Der KREIS trat (fast) nie in die Öffentlichkeit. Dazu hätte man sich outen müssen, was zu jenen Zeiten dem Verlust von Existenz und gesellschaftlicher Stellung gleichgekommen wäre. Die Redaktoren wählten den Weg über anerkannte Forscher und Fachgelehrte, um sie bei Statements, Vorträgen und Publikationen zu beraten oder ihre Umfragen an Abonnenten weiterzuleiten. Bei der Bekämpfung der Syphilis anfangs der 60er Jahre spielte der KREIS eine aktive Rolle, indem er mit Ärzten und Fachpersonal zusammenarbeitete und anonyme Testaktionen ermöglichte.
Wichtigstes Bindeglied der Gemeinschaft von Abonnenten aber war und blieb die Zeitschrift. Mit ihr stand und fiel der Begriff DER KREIS.
Ernst Ostertag, Oktober 2010
