Kampf ums Recht
… gut getarnt
Die Zeitschrift konnte nur kontinuierlich herausgegeben werden, weil gewisse Freundschaftsbande diskreten Schutz vor mehrmals versuchter Indizierung gewährten. Zudem waren alle überaus vorsichtig und tarnten sich. Aussagen von Mitgliedern zum Versand der Zeitschrift in der Wohnung von Hermann und Stiefel:
"Unbedingt sollte der Eindruck vermieden werden, es handle sich um eine umfangreiche Sendung. Die Adressen wurden deshalb nicht aufgeklebt wie beim Kreis, sondern einzeln von Hand geschrieben."
Es beteiligten sich viele daran,
"um unterschiedliche Handschriften zu haben. Jeder von uns nahm einen Stapel Hefte in neutralem Umschlag und warf sie stückweise an verschiedenen Orten in die Postkästen ein.
Die Wohnung war so bieder wie möglich eingerichtet, einschlägige Gemälde oder Fotos fehlten. Die Besucher wurden dazu angehalten, nie gleichzeitig zu erscheinen und ihre Autos oder Fahrräder in anderen Strassen abzustellen. Auf Weisung von Harry durften nicht einmal die Vorhänge zugezogen werden: man hatte ja nichts zu verbergen."1
Im Kampf um die Liberalisierung des §175 spielte "die runde" eine wichtige Rolle. Die Streichung unmenschlicher Gesetze war von Anfang an ihr politisches Hauptziel. Als im September 1969 unter Justizminister Gustav Heinemann trotz grosser Einwände, vor allem seitens der katholischen Kirche, die liberalisierte Form des §175 verabschiedet wurde und in Kraft trat, gab Harry Hermann an Weihnachten 1969 die Auflösung der "runde" bekannt.
Ernst Ostertag, März 2005
Quellenverweise
- 1
Karl-Heinz Steinle: Die Geschichte der "Kameradschaft die runde" 1950 bis 1969. Hefte des Schwulen Museums, Berlin, 1998, Seite 27

