Randständige
... ausserhalb der einschlägigen Nachfolge-Zeitschriften
Trotz seiner Anwesenheit im KREIS blieb Jim immer ein mehr oder weniger Fremder, denn seine eigentlichen Interessen lagen ausserhalb der homophilen Ghetto-Gemeinde, ursprünglich bei Sportlern und Arbeitern, dann bei den antibürgerlichen "Halbstarken".
Schon während, vor allem aber nach der KREIS-Zeit fand er mit der Kamera Zugang und Anschluss in Zirkeln oder Gruppen von "bewegten" Autonomen, Rockern, Motorradfans, allgemein Ausgeflippten und Randständigen. Er konnte wie kaum ein Anderer das besondere Flair um diese Menschen einfangen und ihren vielfach verletzten Charme, ihre Parties, ihre Art Fröhlichkeit, ihr gebrochenes Wesen - auch das Gehetztsein, die Leere und Angst der Drogenabhängigen - sichtbar und hautnah lebendig machen.
Er blieb der wichtigste Bilderlieferant auch der einschlägigen Zeitschriften der 70er und 80er Jahre, wie beispielsweise hey.
- Erst 2000 gelangte er - jetzt unter vollem Namen - mit der Ausstellung "Die Halbstarken" im Zürcher Museum für Gestaltung an die Öffentlichkeit. Allerdings wurde nun die schwule Seite seines Werkes kaum erwähnt und verschämt an den Rand gedrängt.
- Das änderte sich 2002 in der Galerie Schedler, wo die erste Retrospektive über das gesamte Werk Karlheinz Weinbergers unter dem Titel "Gelebtes Leben" den eigentlichen Durchbruch schaffte. Es war zudem eine Verkaufsausstellung, die in kleinerer Form unter anderem auch in New York, Los Angeles und Toronto mit Erfolg gezeigt wurde.
Als Fotograf entdeckt wurde Jim jedoch im KREIS und in der Zeitschrift Der Kreis. Dort wurde er zudem finanziell gefördert, denn seine Aufnahmen fanden von Anfang an viel Resonanz und guten Absatz. Jims wohl bedeutendster Mäzen war Eugen Laubacher / Charles Welti, Redaktor des französischen Teils des Kreis, der ihn bis 1997 unterstützte und in freundschaftlicher Verbundenheit sein spezieller Kunde blieb, was aus dem Nachlass Charles Welti hervorgeht.
Ernst Ostertag, Juni 2006



