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Thomas Wetzel

... und Tom Men’s Shop

1930-~1985

Sozusagen als Wirtschafts-Flüchtling kam Thomas Wetzel kurz nach dem Krieg mit seiner Mutter in die Schweiz. Zuvor lebten sie in Berlin. Beide hatten eisernen Willen, ein geschliffenes Mundwerk und grosses kaufmännisches Geschick. Aber kein Geld. Die Mutter fand einen Metzger, der sie heiratete und zur Schweizerin machte. Dann legte sie los und baute mit dem Sohn ein kleines Imperium auf. Mode, Herrenmode natürlich, denn der Sohn sah gut aus und war schwul. Neue Sterne am Freizeit- und Mini-Dessous-Himmel, die sollten nun steigen.

Die Firma hiess Tom Men's Shop und entwickelte sich rasch. Sie begann 1957. Abonnenten des Kreis waren die ersten Kunden. Sieben Jahre später startete der Versandhandel mit sexy Faltprospekten. Modell-Burschen zeigten modisch Neuestes vom leichten Dress bis fast nichts, aufgenommen von Tom selbst an Stränden, in Dünen, bei freizeitlichem Spiel und Spass. Das war neu. Jeder Prospekt wurde zum Renner, die Kundschaft international.

1966, fünf Jahre bevor er allgegenwärtig war, lancierte Tom den Matrosenschnitt nicht nur als weisse, zu den Füssen sich weitende Hose, sondern in Farben, die für Männer ungewohnt waren: rosa, zitronengelb, lichtblau. Als eigentlicher Trendsetter nahm er auch die Sexwelle der 70er Jahre voraus mit Mini-Unterwäsche, Netzgewebe, Leder-cashsacs und gänzlich neuen Formen von Freizeitdress, aus Samt etwa und zu öffnen per Reissverschluss vom Hals bis zum Schritt. Nun gab es Filialen nicht nur in Zürich, sondern auch an anderen Orten der Schweiz, eine sogar in New York.

Tom führte ein äusserst aktives Nachtleben. An allen Enden brennen aber ging nicht auf lange Zeit. Er verlor die Kontrolle und seine Kreativität. Leider starb er, völlig ausgebrannt, viel zu früh.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Januar 2013