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Walter Boesch

... bekannte Persönlichkeit

1905-1988

Silvesterparty
Walter Boesch (rechts) mit Ruedi Walter (Mitte) an der Silvesterparty 1954 bei Komponist Paul Burkhard

In Luzern geboren und aufgewachsen, studierte Walter Boesch Germanistik in Zürich. Anfang der 30er Jahre geriet er unschuldig in einen Skandal. Anlässlich einer privaten Zusammenkunft von Homosexuellen verletzte sich ein junger Mann so sehr, dass er ins Kantonsspital Luzern gebracht werden musste, worauf die Polizei eine Untersuchung einleitete. Davon berichtete der Sittenwächter Alfred Schlumpf in seinem Boulevardblättchen Guggu im September 1937:

"Auch die Luzerner wollen ihren Sittlichkeitsskandal haben" und veröffentlichte die Namen der Vorgeladenen und Einvernommenen. Darunter auch: "Dr. Bösch, Redaktor des Luzerner Tagblattes".

Um weiteren Rufschädigungen aus dem Weg zu gehen, schickten die Eltern ihren Sohn Walter nach Paris, wo er ein zusätzliches Studium absolvieren konnte. Gelegentlich erzählte er von diesen für ihn bedeutungsvollen und glücklichen Jahren, in denen er nebst perfektem Französisch seine Liebe zu Musik und Theater entwickelte, viele Künstler kennenlernte und für ihn wichtige Freundschaften schloss.

In den frühen 40er Jahren kam er nach Zürich und fand eine Anstellung bei der NZZ, wechselte aber bald zum Tages-Anzeiger, wo er bis zur Pensionierung 1966 blieb und als Leiter des Feuilletons und Kulturteils wirkte. Dazu schrieb er von Anfang bis zum Ende seiner Tätigkeit jene unter dem Kürzel oe vielbeachteten Theaterkritiken über die Premieren am Schauspielhaus.

Walter Boesch hatte einen sehr grossen Bekanntenkreis und seine Wohnung am Bleicherweg stand vielen offen. Dort oder bei seinem Studienfreund Edwin Sauter in Zürich-Wiedikon traf man sich meist an Sonntagnachmittagen und -abenden. So habe ich 1955 unter anderem den damaligen Studenten und späteren Schriftsteller Hugo Loetscher (1930-2009) kennengelernt. Walter förderte junge Talente, das war bekannt, und verhalf ihnen zu gelegentlichen Veröffentlichungen.

Als Abonnent des Kreis lieferte er auch einige Artikel für die Zeitschrift. Meist lockten ihn dabei Themen, die er - auf diese Weise formuliert - nirgendwo sonst hätte publizieren können. Immer zeichnete er mit dem Pseudonym "Casper Kelt". An den Mittwochtreffs sah man ihn kaum einmal, doch die Festanlässe besuchte er regelmässig zusammen mit einer Gruppe von Freunden.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Juni 2006