Schlitzohr
… die "Sitte" (Sittenpolizei) wird ausgetrickst
Rudolf konnte ein kleines Schlitzohr sein, was Erich Lifka bezeugt1:
"Sorge bereitete Rolf die manchmal sehr deutliche Sprache (…). 'Sie sagen mir alle, dass das deftige Geschichten sind', vertraute er mir an, 'und ich kann es nicht nachprüfen, denn mein Englisch reicht dafür nicht aus. Ich muss Rudolf ganz einfach vertrauen.' Rudolf wusste, dass 'auf der Sitte' niemand Englisch konnte, was damals ganz normal war. Und er wusste ebenso genau, was bei Abonnenten gut ankam. Drum liess er einzelne Erzählungen zu, wie u.a. jene von Ward Stames oder John McAndrews, welche, wie Rolf sagte, 'deftig' waren, also bestimmte Details ihrer Helden und Szenen des Geschehens plastisch und bunter schilderten, als was dem Kreis-Durchschnitt entsprach. Gelegentlich fragte er mich, 'lies das mal durch und sag, ob wir streichen sollen', was wir auch taten, allerdings selten beim englischen Original, recht oft aber bei der deutschen Übersetzung."
Der "Sitte", der Zürcher Sittenpolizei, musste jedes Heft zugeschickt werden; sie hatte das Recht der Zensur bei "unsittlichen" Illustrationen oder Texten. Eine Beanstandung gab es aber nie.
Ernst Ostertag, Januar 2005
Quellenverweise
- 1
Joachim S. Hohmann, Hrsg.: Der Kreis, Erzählungen und Fotos, Erich Lifka: "Rudolf Jung / Burkhardt, sein Leben und Werk", Foerster Verlag, 1980, Seite 261 ff
