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Die drei Redaktoren des Kreis haben vielerlei Verbindungen zu Schweizer Wissenschaftern und in der ganzen Welt aufgenommen. Primäres Ziel war ein grösseres Bewusstsein der homosexuellen Thematik bei den Kreis-Abonnenten. Ziel war aber auch die Erfahrungen mit der liberalen Schweizer Gesetzgebung in die Welt hinaus zu tragen. Durch diese Kontakte wurden viele neue Erkenntnisse ausgetauscht und man befruchtete sich auf intellektuelle Weise gegenseitig. So konnte man eine Veränderung der Lebenssituation im kleinen Kreis der Schweizer Abonnenten bewirken und gab auch Anstoss für Veränderungen im Ausland. Die theoretischen Voraussetzungen für das Coming-out der Schwulenbewegungen nach 1968 entstanden.

Internationale Kongresse für sexuelle Gleichberechtigung (ICSE)

Vom 1951 bis 1958 fanden fünf Kongresse zu diesem Thema statt. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDie Berichterstattung im Kreis

Armes, beklagenswertes Österreich

Eine Art negativer Dauerbrenner war das erzkatholische Österreich. Zum grossen Prozess gegen Homosexuelle in Feldkirch und der allgemeinen Situation für Schwule in Öffnet internen Link im aktuellen FensterÖsterreich

Der Kinsey Report 1948

Kinsey stellte die Sexualkunde erstmals auf eine naturwissenschaftlich exakte Grundlage und war die Basis der sexuellen Revolution der 60er und 70er Jahre. Der Kreis brachte den ersten Essay über den Kinsey-Report in deutscher Sprache und gab einen Sonderdruck heraus – bis 1955 das einzig Greifbare in deutscher Sprache zum Öffnet internen Link im aktuellen FensterKinsey-Report

Der Griffin- und Wolfenden-Report

1954 kam es in England zu einem Aufsehen erregenden Prozess gegen Homosexuelle. Er wurde zur Staatsaffäre ersten Ranges gemacht. Der Griffin und Wolfenden Report, beides vom Kinsey-Report angeregte Untersuchungen bewirkten, dass eine Regierungskommission eingesetzt wurde. Sie bildeten 1958 die wichtigste Grundlage für das englische Unterhaus zur Öffnet internen Link im aktuellen FensterDebatte über die Homosexualität

Dr. med. Theodor Bovet und die Kirche

Der Gründer und Leiter der Evangelischen Eheberatungsstelle in Zürich veröffentlichte 1962 einen grösseren Essay «Gedanken zur Homophilie». Das löste bei klerikalen Moralisten einen Sturm der Entrüstung aus. «Probleme der Homophilie in medizinischer, theologischer und juristischer Sicht» war eine wissenschaftliche Entgegnung, auf Anregung mit Hilfe des Kreis entstand diese Öffnet internen Link im aktuellen FensterAufklärungsschrift

Das Basler Modell und die Syphilis

Um 1960 tauchten Berichte auf, wonach die Syphilis wieder mehr und mehr zum Problem werde, vor allem unter homosexuellen Männern. In Zusammenarbeit des dem KREIS angeschlossenen Basler Club Isola und dem Basler Stadtarzt Prof. med. Rudolf Schuppli entstand ein Angebot für Schwule für einen anonymen Öffnet internen Link im aktuellen FensterSyphilis-Test

«Homosexualität – Aufklärung erwünscht»

Ohne Einbezug von Schwulen diskutierten am Schweizer Fernsehen vom 30. Januar und 20. Februar 1967 «Experten» zu diesem Thema. Das Resultat war zwiespältig und die Diskussion entwickelte sich einseitig hin zu den Strichern und der Verführung von Kindern. Der Kreis veröffentlichte dazu Wertungen und Öffnet internen Link im aktuellen FensterKommentare

Weitere Wissenschafter

Es müssten noch viele Wissenschafter erwähnt werden, mit denen der KREIS Verbindung aufgenommen hatte und deren Schriften oder Stimme in der Zeitschrift ein Echo fanden, nicht zu vergessen jene, die Vorträge hielten und Fragen beantworteten. Zwei davon hier noch angefügt.

 

Rudolf Klimmer

Seit 1949 stand Rolf in regelmässigem Kontakt mit dem Dresdener Arzt Rudolf Klimmer (1905–1977), der sich sehr für eine Liberalisierung des Strafrechts der DDR einsetzte. Der Kreis veröffentlichte auch mehrere Artikel von ihm, erstmals in Nummer 11/1948, besprach und vertrieb sein 1958 beim Verlag für kriminalistische Fachliteratur, Hamburg, erschienenes Buch «Die Homosexualität als biologisch-soziologische Zeitfrage» und belieferte ihn gratis mit der Zeitschrift der Kreis bis 1956, als dies durch die Zollbehörde der DDR unterbunden wurde. Danach hat «die runde» in bewährter Weise die Lieferungen via private Kanäle übernommen.

Die deutschen Vereinigung Öffnet internen Link im aktuellen Fensterdie Runde

 

Heinrich Hanselmann

Zum Abschluss der grosse Menschenfreund und schweizerische Pionier der Heilpädagogik, Prof. Heinrich Hanselmann (1885–1960).

Der spätere Rechtsvertreter des KREIS, Dr. Erich Krafft, war Anwalt im Prozess gegen einen Homosexuellen in der Innerschweiz, in dessen Verlauf das Gericht den Kreis als eine zu verbietende unsittliche Zeitschrift bezeichnete. Darauf schrieb ihm Prof. Hanselmann einen Brief, in welchem er klar gegen diese Verleumdung Stellung bezog und den Anwalt dazu ermächtigte, das Schreiben dem Gericht vorzulegen: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[1] Dies, weil Hanselmann in der Zeitung Sie und Er eine mutige «Ehrenrettung» für einen jungen homosexuellen Akademiker erscheinen liess, welcher in den Bergen «freiwillig abstürzte».

«Seit mehreren Jahren wird mir Der Kreis im Freiabonnement zugestellt […]. Ich selbst bin nicht homosexuell […], habe aber als Ehe- und Erziehungsberater in […] vierzigjähriger Tätigkeit […] mit der geradezu tragischen Problematik homosexueller Menschen beider Geschlechter, Jugendlicher und Erwachsener aus allen Gesellschaftsschichten, häufig zu tun gehabt, vor allem auch als Leiter von Erziehungsanstalten und als psychologischer Gutachter im Militärdienst.»

Worauf eine detaillierte Begutachtung von Inhalt, Illustrationen und Intensionen des Kreis folgte. Am Schluss stellte Hanselmann fest,

«dass ich für meine Beratungstätigkeit bei jugendlichen und erwachsenen Homosexuellen aus der Zeitschrift Der Kreis in all den Jahren sehr viel wertvolle psychologische Aufklärung und pädagogische Anregung erfahren habe und der sachkundigen und mutigen Redaktion dafür sehr dankbar bin; ich bewundere deren […] moralischen Hochstand in einem Kampfe, den ich nicht anders als tragisch bezeichnen kann.»

In der Jubiläums- und Weihnachtsnummer erschien dieser Brief. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[2] Und die Jubiläumsausgabe 1957 Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[3] brachte ein Gratulationsschreiben von Heinrich Hanselmann, welches zusammen mit einem Bild und dem Nachruf von Rolf in Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[4] erneut publiziert wurde, dies «Zum Hinschied von Prof. Heinrich Hanselmann am 29. Februar 1960», der mit seiner «Forderung zum Mut der eigenen Verantwortung und Befreiung vom ‹Ungeheuer Ich› Richtlinien setzte, die gerade auch der Homoerot nie vergessen sollte.»

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, März 2005