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Mit diesem Jahrgang enthielt jedes Heft neu zwei ganzseitige Illustrationen auf Kunstdruckpapier. Meist waren es Fotos, bisweilen auch Gemälde oder Skulpturen, welche in der Rubrik «Das künstlerische Werk» besprochen wurden. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[1]

Mitteilungen: Mittwoch-Abende, mehr Illustrationen, zur Bibliothek

Im Januarheft, verfasst von Öffnet internen Link im aktuellen FensterRolf, Hinweise auf für alle geltende «Richtlinien» während der geselligen Zusammenkünfte an Mittwochabenden: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[2]

«Die verantwortliche Leitung geht vom Januar 1945 an eine Kommission über, […]. Es bliebe sinnlos für mich, weiter über ‹vereinstechnische› Dinge allein zu entscheiden, da ich in der wichtigsten Zeit an diesen Abenden immer beruflich verhindert bin. […] Dagegen bleibe ich nach wie vor verantwortlicher Leiter unserer Zeitschrift und der damit verbundenen grossen Veranstaltungen. […]»

In der Augustnummer Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[3] wurde eine neue, strengere Regelung des Einführens von Gästen bekannt gegeben und ab 21 Uhr eine Serie von Lesungen, Diskussionen und anderen Darbietungen angekündigt, damit «die geistig und künstlerisch Interessierten auch zu ihrem Recht kommen». Rolf machte für die ersten vier Abende den Anfang.

Die Januarnummer stellte auch die Anregung eines «Cliché-Fonds» vor: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[4]

KREIS-Bilderdienst
KREIS-Bilderdienst

«Immer wieder werden Wünsche laut nach mehr Illustrationen, vor allem auch nach Zeichnungen, Gemälden, Plastiken. Clichés sind aber eine ziemliche Belastung […] und ohne spezielle Beiträge […] kaum möglich. Die heute erscheinende Zeichnung von Hans von Marées ist bereits eine entsprechende Stiftung. Sicher wäre eine Weiterführung […] eine Bereicherung neben den Fotos. Wer hilft mit? – Einzahlungen auf unser Postscheck bitte […] vermerken als ‹Cliché-Fonds›. Mehr Illustrationen werden also erscheinen, solange die Spenden ausreichen! – Akt-Fotos vermitteln wir aus naheliegenden Gründen nur durch den separaten Bilderdienst.»

Im August ein Hinweis auf die Bibliothek: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[5]

«Auch für die auswärtigen Abonnenten ist unsere reichhaltige Bibliothek zugänglich, die Werke der schönen Literatur und wissenschaftliche Abhandlungen umfasst. Notwendig bleibt eine Einzahlung von Fr. 10.– auf unser Konto mit dem Vermerk ‹Bibliothek-Abonnement›. Von diesen zehn Franken gelten 5.– als Depot – ein bescheidener Betrag für die vielen seltenen Bücher, die zum überwiegenden Teil noch Privateigentum von Rolf sind – und 5.– gelten als Depot für Leihgebühren […], Lesegebühr und Porti. Wenn sie aufgebraucht sind, wird der Abonnent wieder um weitere 5.– gemahnt.»

Literarisches

«Öffnet externen Link in neuem FensterRaub des Ganymed», eine «Grenzgeschichte» und «In memoriam Öffnet internen Link im aktuellen FensterMagnus Hirschfeld»

Die Nummern 1 und 2/1945 brachten unter den literarischen Beiträgen den Raub des Ganymed in zwei Szenen nach Lukian in der deutschen Übertragung von Christoph Martin Wieland, für die Bühne ergänzt durch Rudolf Rheiner: erstes Bild «Zeus raubt Ganymed», zweites Bild «Heras Gardinenpredigt».

Das Stück wurde im KREIS zwei Mal aufgeführt, am Sommerfest 1943 und am Herbstfest 1954. In seiner Rubrik «Das künstlerische Werk» besprach Rolf in Lukians Büchlein, wies auf den Bühnentext hin und machte einige Bemerkungen zur Aufführung vom Sommer 1943. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[6]

Im März und April veröffentlichte Rolf seine zeitgemässe Erzählung über ein Flüchtlingsschicksal: «Das einzige Mass, eine Grenzgeschichte von Rudolf Rheiner».  Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[7] 

Und zehn Jahre nach dem Tod von Magnus Hirschfeld erschien die Juni-Ausgabe mit einem Nachruf von Kurt Hiller aus dem Jahr 1935 «Der Sinn des Lebens».  Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[8]

Victory Day, 8. Mai 1945

Erinnerung: Ich war 15 und an diesem 8. Mai geschah etwas nie Geahntes, gänzlich Neues. Dumpfe, dunkle Schwere, Ohnmacht, Trauer, Angst und Ungewissheit fielen Stück um Stück ab, rollten weg und lösten sich auf. Es wurde klar, wie all das den Alltag bestimmte. Nie hatte ich anderes gekannt. Es war Gewohnheit geworden wie ein lahmes Bein und die Krücke. –  Staunend sah ich in den sonnigen Frühling. Wie hell, wie licht und leicht doch alles war. Langsam wuchs ein unendliches Gefühl von Freiheit, von gefallenen Grenzen.

Neben ein bewegendes französisches Gedicht setzte Rolf in seine Gedanken und Gefühle zur Stunde, «Friede auf dem alten Kontinent»: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[9]

«Victory Day...

Die Sonne flammt noch ein letztes Mal über die Dächer der Stadt. […] Menschenwogen fluten durch die Strassen […] alle im gleichen Gefühl der Erlösung von einem unsäglichen Druck. Ist es Wirklichkeit? […] Alle wollen es heute glauben. Dass die Dämonen des Abgrunds für immer entschwunden sind!

Glücklich die Knaben, die singend […] mit dem Tuch unserer Fahne kleine Opfer der Menschenliebe forttragen dürfen. Mag das Grauen der letzten Jahre, das euer junges Hirn noch nicht ganz zu fassen vermag, euer Leben nie so überschatten, dass ihr den Glauben an den Menschen verliert. –

Jetzt beginnen die Glocken im ganzen Land von allen Türmen zu klingen und wir wollen danken und dürfen danken. Aber […] sie können nicht jene Schreie ganz übertönen, die umsonst nach einem Menschen gerufen haben […] und sie bauen auch die steinernen Träume von Jahrtausenden nicht wieder auf […] und sind auch Grabesklänge für Unwiederbringliches. Man spricht bereits von vierzig Millionen Toten, von vierzig Millionen! Das Denken kann nicht erfassen, welche Summe menschlichen Geistes, künstlerischer Sehnsucht und beglückenden Menschendaseins ausgelöscht wurde. Und nur die quälende Gewissheit, dass der Ungeist nur so gebändigt werden konnte, macht uns vom Würgen im Halse frei. –

Die Sterne sind gekommen […]. Ewiges glänzt […] über allem irdischen Tun und die letzte Antwort auf die letzten Fragen bekommen wir nie. […]

Jünglinge tanzen auf den Strassen […] und ihre Augen leuchten. Wandert nicht der alte, junge Gott mit ihnen, Eros, der vielgeschmähte? […] Geböte er ihnen doch, […] sich zu umarmen, […] als nur ein einziges Mal die Waffe zu erheben gegen den Andern, der auch atmet und liebt. […] Ihr Lachen und Singen hallt in meine Klause herauf und entlässt mich mit einer zagen Hoffnung in den Schlaf.»

Sommerfest mit Gedenkstunde für die Kriegsopfer, eine Weihnachtsfeier mit erstmaligem Hirtenspiel

Im Heft Mai-Heft angekündigt, lag der nächsten Ausgabe eine separate Einladung zum Sommerfest vom Samstag, 30. Juni bei. Im Kleien Blatt stand das Lokal beschrieben: Das Kasino Unterstrass. Dieses im Stil der Neo-Renaissance repräsentativ gestaltete «Kasino und Gesellschaftshaus» von ca. 1895 wurde bereits zwei Jahre später abgebrochen. Es hätte offensichtlich einer grösseren Renovation bedurft, wozu das Geld fehlen mochte. Denn Kameraden, die noch lange von diesem ersten grossen Nachkriegsfest schwärmten, vergassen nie den schwankenden, ächzenden Fussboden zu erwähnen, als sie tanzten, dass sich die Bretter buchstäblich bogen und man leiser tun musste, um keinen Einsturz zu provozieren. Das Kasino stand an der Beckenhofstrasse, wo diese in die Schaffhauserstrasse mündet und hatte das dortige spätmittelalterliche Siechenhaus Spanweid ersetzt. Damit sollte die düstere Vergangenheit vergessen und der modernen helleren Zeit ein zweckdienliches Denkmal errichtet werden, wie es in «David Bürkli's Zürcher Kalender auf das Jahr 1897» auf den Seiten 21 bis 23 nachzulesen ist.

Dem Gedächtnis der Gefallenen des zweiten Weltkrieges
Original-Bildlegende: «Dem Gedächtnis der Gefallenen des zweiten Weltkrieges!» Das Bild stellt den von seinem Bruder Kain erschlagenen Abel dar. Veröffentlicht im «Kreis», Nr. 11, 1941

Ab 20 Uhr standen die Türen offen und um 21 Uhr war eine besinnliche Stunde angesagt: «Wir gedenken der Gefallenen.» Nach dem Siciliano aus der IV Sonate für Violine und Klavier von Joh. Seb. Bach las Rolf die Elegie «Staub toter Soldaten» von Walt Whitman. Dann folgte in Französisch die Elegie «Oceano Nox» von Öffnet externen Link in neuem FensterVictor Hugo, gesprochen von Ric aus Genf, Mitarbeiter von Öffnet internen Link im aktuellen FensterCharles Welti. Die Feier klang aus mit einer Elegie von Jules Massenet, gesungen von André Paris. Es gab keinen Beifall und die Türen blieben geschlossen.

Ab 22 Uhr begann der fröhliche Teil mit Rolfs Text «Die Ballade von der bekannten Situation»: «Sie kennen die Situation genau, bestes Alter, Beruf und Wohnung, doch keine Frau …», die er selber vortrug. Einige der weiteren Produktionen wurden von Öffnet internen Link im aktuellen Fenster«Lysis» auf dem Klavier begleitet – Rolfs Chanson «Die Unsterbliche» war Nicos eigene Vertonung.

Am Sonntag, 14 Uhr stand die Halbjahr-Versammlung auf dem Programm, anschliessend fröhlicher Ausklang mit Musik und Tanz. Besonders erwähnt: «Eingang Münstergasse», was auf ein Klublokal im heutigen Restaurant «Schlauch» hinweist. Kameraden aus jener Zeit versicherten uns, dass von 1942 bis 1948 die Räume im «Schlauch», damals ein Tanz-, heute ein Billard-Lokal, dem KREIS zur Verfügung standen. Erst später, im 1948 zog der KREIS in die «Eintracht» am Neumarkt.

Zur Öffnet internen Link im aktuellen FensterWeihnachtsfeier lud die Dezembernummer auf der zweiten und in französisch auf der dritten Umschlagseite:

«Samstag, den 22. Dezember, von 21 Uhr an im Klublokal. […] Die eigentliche Feier beginnt punkt 23 Uhr; nachher werden die Türen geschlossen. Zürcher Kameraden werden musizieren, rezitieren und ein altes bäuerisches Hirtenspiel aufführen.»

Damit war klar, dass es nun eine Theatergruppe gab, welche erstmals unter Leitung von Rolf als bekanntem Fachmann für Laientheater auftrat. So begann die Tradition von Weihnachtsfeiern mit Bühnenspiel. Sie sollte sogar über den KREIS hinaus andauern bis zum Dezember 1970.

Mehr zu Rolf als Leiter von Öffnet internen Link im aktuellen FensterLaientheatern

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, November 2004