Pfad: Inhalt » 4. Der KREIS » Lesezirkel Der Kreis » Themen-Nummern

Der Kreis – Le Cercle – The Circle

Der Kreis Themen-Nummern

Zu den jahreszeitlichen Bräuchen

«Maskenball», Federzeichnung von Mario de Graaf
«Maskenball», Federzeichnung von Mario de Graaf

Dem Lauf der jahreszeitlichen Bräuche folgend wurde das fastnächtliche Februar-Heft (Nr.2) in Text und Illustration regelmässig humorvoll-witzig gestaltet und liess vor allem Spielraum für Närrisches aller Art. Damit diente es bewusst, wie die ganze Fastnachtszeit überhaupt, dem psychologisch wichtigen Ausgleich zum tagtäglich geführten Zwang des Doppellebens, indem man sich endlich offen verkleiden und hinter Masken geschützt so geben und frei ausleben konnte, wie sonst nie. Zudem brachte dieses Heft in der Regel die Einladung zum Öffnet internen Link im aktuellen FensterMaskenball mit dem alljährlich neuen Motto und den übrigen Details im Kleinen Blatt. Und regelmässig waren einige Seiten gefüllt mit Witzen über uns und oft köstlichen Zeichnungen dazu – aus Zeitschriften das Jahr hindurch gesammelt. Die Vorbereitungen zur Maskerade waren damit eröffnet.

Die April-Ausgabe (Nr. 4) war frühlingshaft und österlich, im Sommer (Nr. 7 oder 8) kamen oft die mittelmeerischen Küsten des Lichts zu Bild und Wort, der November (Nr. 11) galt dem Gedenken bedeutender Homoeroten früherer Jahrhunderte oder der jüngsten Vergangenheit und das Dezember-Heft (Nr.12) war regelmässig dicker im Umfang, besonders schön illustriert und festlich weihnächtlich auch in den Texten. Seinen Umschlag prägte eine Zeichnung und die Innenseite enthielt die Einladung zur Öffnet internen Link im aktuellen FensterWeihnachtsfeier und den Hinweis auf den Öffnet internen Link im aktuellen FensterSilvesterball, während das beigelegte Kleine Blatt die genauen Zeiten und weiteren Details exklusiv den Abonnenten bekannt gab. In dieser Weihnachtsnummer wurde auch auf die Erneuerung des Abonnements für das kommende Jahr hingewiesen (auch das natürlich ein Grund, sie so aufwendig und schön zu gestalten).

Kreis-Hefte zu bestimmten Themen

Besonders häufig war dabei die «Homoerotik bei fremden Völkern». Diese Hefte enthielten klassische wie moderne Gedichte, Prosastücke, philosophische und religiöse Texte, Erlebnisse von Reisenden, aber auch Zeichnungen farbiger Künstler und Fotos von nichteuropäischen Menschen.

9/1950 stand unter dem Motto: «Die Freundesliebe bei den farbigen Völkern» und brachte auf der ersten Seite ein Gedicht des persischen Klassikers Dschelaleddin Rumi (1207–1273).

9/1953 war der «Homoerotik ausserhalb Europas» gewidmet: Maghreb, Afrika, Türkei, Japan, China kamen auf deutsch, französisch und englisch direkt zu Wort oder es wurden Erlebnisse mit Menschen aus diesen Gebieten geschildert.

Suterday Night von George Quaintance
Saturday Night von George Quaintance, geb. 1915 – gest. 1957

1/1955 galt der «Homoerotik in den amerikanischen Ländern», Nord- und Südamerika, und enthielt eine Buchbesprechung über «Leb wohl, Berlin» von Öffnet externen Link in neuem FensterChristopher Isherwood. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[1] Im englischen Teil ein Artikel «Homosexuals and the American Tradition» Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[2] und über das 1952 gegründete ONE: «America's First and Only Homosexual Magazine». Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[3] Auch ein Aufsatz von Öffnet externen Link in neuem FensterJames Barr «In Defense of Swish» fehlte nicht. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[4] Zu den Illustrationen gehörte die s/w Wiedergabe von George Quaintance «Saturday Night» Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[5] und eine Fotographie von Öffnet externen Link in neuem FensterGeorge Platt Lynes. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[6]

7/1955 hatte zum Thema «Das Homoerotische bei fremden Rassen». Teile dieser Nummer bildeten ein Text der Inkas und einer der Tuareg, Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[7] des Persers Watwat (gestorben 1183) wie auch das Erlebnis mit einem Massai Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[8] und eines mit einem Sri Lanki unter dem Titel «Youth Adoring». Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[9]

9/1958 führte den Titel «Die Homoerotik bei fremden Völkern» und stand unter dem chinesischen Leitspruch: «Das Anderssein Anderer zu begreifen ist der erste Schritt zur Weisheit». Diese Ausgabe enthielt fast ausschliesslich Illustrationen und Texte aus und über Afrika und den Nahen wie Fernen Osten.

Nummer 6/1947 trug den Titel «Das Ausland spricht» und war «Stimmen der Unseren» gewidmet, die vom Entsetzen der Kriegsjahre geprägt waren und sich davon zu befreien versuchten, denn «die Stimme der Menschlichkeit ist an keine Landesgrenzen gebunden», wie Öffnet internen Link im aktuellen FensterRolf in seinem Eröffnungsartikel schrieb. Es folgten ergreifende Schilderungen aus Dänemark, England, Nordamerika, Griechenland. Unter dem Titel «Im III. Reich» drei Tagebuchblätter vom November 1941, November 1942, beide in Deutschland verfasst, gefolgt von einem im November 1943 in der Schweiz als Flüchtling geschriebenen. Rolf fügte ein passendes Gedicht hinzu. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[10]

Nummer 7/1951 war ein Sonderheft, gewidmet dem «1. Internationalen Kongress für sexuelle Gleichberechtigung» in Amsterdam vom 12. bis 14. Mai 1957.

Nummer 3/1954 erschien als Sondernummer das «Problem der männlichen Prostitution».

«Den mann-männlichen Eros in unkonventionellen Formen zu zeigen, bleibt im deutschen Teil auch diesmal Wille und Versuch. (…) Die innere Zerrissenheit der Gegenwart und des Menschenbildes mag wenigstens einmal im Jahr im nicht sofort Sinnfälligen hier seinen Platz finden und im Für und Wider der Meinungen stehen.»

In diesem Sinne galten die beiden Hefte 5 und 6/1961 dem Thema «Der junge Mann in der modernen Kunst» als besondere Ausgaben.

Christus-Johannes-Gruppe
Christus-Johannes-Gruppe aus Sigmaringen, Konstanzer Kunstkreis 1310–1320

Nummer 4/1954 stand unter dem Hauptthema «Im Bogen der Jahrtausende» und enthielt u.a. einen Abschnitt «Die Getreuen und Geweihten» aus Öffnet externen Link in neuem FensterJulius Caesars «De bello Gallico», Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[11] eine (antike) Beschreibung der «Freundesliebe in Kreta», Gedichte und deren Erläuterung zum Thema «Der Ephebe im christlichen Mittelalter», Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[12] ein Gedicht «An Jesus Christus», das den Lieblingsjünger Johannes schildert, Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[13] einen französischen Essay über «David et Jonathan» Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[14] und die «Lamentation de Gilgamesh« aus dem Babylonischen Epos, Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[15] aber auch als Kurzgeschichte «Enkidu kommt wieder» eine moderne Version dazu. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[16]

Nummer 9/1954 galt in Wort und Bild gänzlich dem europäischen Norden: «Die Homoerotik in Skandinavien». Nordische Lyrik und Abschnitte aus Prosawerken verteilten sich auch über den französischen wie den englischen Teil. Die Lage der Homosexuellen und die Gesetzgebung in Skandinavien wurden von schwedischen, dänischen und norwegischen Autoren sowohl in deutscher wie in englischer Sprache erörtert.

Nummer 9/1955 kam als Sondernummer «Die Schweiz / La Suisse / Switzerland» heraus. Rolf gab darin eine Analyse der Lage nach Einführung des neuen Öffnet internen Link im aktuellen FensterStGB von 1942 mit seinen Mängeln – ungleiches Schutzalter, «Verführung», Erpressung – und schilderte das Tabu in der Öffentlichkeit und dessen Auswirkungen und Hemmnisse als Schattenseiten der Schweiz. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[17] Er stellte diese Analyse unter ein Wort von Öffnet externen Link in neuem FensterGottfried Keller:

«Der Mensch soll nicht tugendhaft, nur natürlich sein, so wird die Tugend von selbst kommen.»

Johannes von Müller, geb. 1752, gest. 1809
Johannes von Müller, geb. 1752, gest. 1809

Anschliessend kam ein 18-jähriger und ein verheirateter Mann zu Wort. Ein Thema war auch die Affäre Öffnet externen Link in neuem FensterJohannes von Müller mit Öffnet internen Link im aktuellen FensterFritz von Hartenberg, zitiert wurde aus dem Essay Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[18] «Das Rätsel der Freundschaft» von Willy Stokar unter dem Titel «Absturz». Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[19]

Die homosexuellen Neigungen des Schweizer Gelehrten Öffnet internen Link im aktuellen FensterJohannes von Müller

Zwei weitere Artikel galten dem StGB: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[20] «Fussangeln im Schweizerischen Strafrecht» und «Widersprüchliche», letzterer von Dr. Erich Krafft, dem Rechtsanwalt des KREIS. Im französischen Teil Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[21] wurden Abschnitte aus dem Werk Öffnet internen Link im aktuellen FensterHeinrich Hösslis veröffentlicht und der englische Teil Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[22] brachte den Vergleich homosexuellen Lebens bei uns mit den entsprechenden Gegebenheiten in Grossbritannien: «An Englishman Visits Switzerland».

Die Juni-Ausgaben der späteren 50er und der 60er Jahre waren in unterschiedlicher Konsequenz dem «Antlitz der Zeit» gewidmet. Zum Thema äusserte sich Rolf beispielsweise folgendermassen:Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[23]

Nummer 3/1964 war Öffnet externen Link in neuem FensterMichelangelo Buonarroti zu seinem 400. Todestag am 18. Februar gewidmet und enthielt u.a. die Novelle «Tommaso Cavalieri» von Öffnet externen Link in neuem FensterErnst Penzoldt, Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[24] einen Kommentar von Rolf «Über einen Titanen», Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[25] einen französischen Essay «Michel-Ange» von Gérard Doscot Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[26] und zwei Michelangelo-Sonette in französisch. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[27] Natürlich war das Heft mit Abbildungen von Werken des Meisters und illustriert.

Anderen berühmten Homosexuellen wurde regelmässig zu ihren Geburts- oder Todesjahren gedacht und sie und ihr Werk den Abonnenten vorgestellt, natürlich mit Betonung der homoerotischen Komponenten besonders dann, wenn es sich um weniger bekannte Männer handelte oder um solche, deren eventuelle homoerotische Veranlagung umstritten war. So war etwa Öffnet externen Link in neuem FensterLudwig van Beethoven (1770–1827) gewidmet mit einem Essay von «Milon» unter dem Titel «Beethoven, Versuch einer Deutung seines Lebens». Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[28]

Und ein typisches Beispiel war 10/1954, die Sondernummer «Zum hundertsten Geburtstag von Öffnet externen Link in neuem FensterOscar Wilde, am 16. Oktober 1954»: Auf der Titelseite mit der bekannten Fotografie von Wilde und dem jungen Öffnet externen Link in neuem FensterLord Douglas, 1894. Der deutsche Teil brachte vier verschiedene Berichte, Begegnungen, Aufsätze und Stellungnahmen aus zum Teil längst vergriffenen Büchern über Oscar Wilde, darunter auch Worte von ihm selbst wie:

«Die Obrigkeit allein schon zerstückelt die Persönlichkeit, da sie den einzelnen zwingt, sich anzupassen – eine neue Art der raffiniertesten Barbarei.»

und ein Gedicht von Lord Alfred Douglas: «An Oscar Wilde». Der französische Teil wurde von einem Aufsatz des österreichischen Schriftstellers Öffnet externen Link in neuem FensterFranz Blei eröffnet, «In memoriam Oscar Wilde», übersetzt von «Tibert». Es folgten einige Kapitel aus «De Profundis». Im englischen Teil erschienen Wilde's «Poems in Prose» und den Abschluss machte – wieder auf deutsch – eine Buchbesprechung «Das ungewöhnliche Leben von Oscar Wilde». Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[29] Sie endete mit dem Satz: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[30]

«In seltenem Ausmass bewahrheitet sich an Oscar Wildes Persönlichkeit der Satz Öffnet externen Link in neuem FensterShakespeares: Ein Mann, an dem mehr gesündigt, als er sündigte.»

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Februar 2005