Der Kreis – Le Cercle – The Circle
Der Kreis – ein Forum für homoerotische Kunst
1943-1967
Schon Der Eigene, herausgegeben von 1896 bis 1932, war eine Zeitschrift nicht nur literarischer Texte, sondern auch von homoerotischer Kunst und Fotografie. Mit sehr viel bescheideneren Mitteln wollte Rolf von Anfang an, also bereits im Menschenrecht, auch in diesem wichtigen Bereich das Werk Adolf Brands und seiner Mitarbeiter weiterführen. So sind Illustrationen, vor allem Fotos, die im Original unwiederbringlich verloren waren, im Menschenrecht und im Kreis nachgedruckt worden. Beispiele in 4/1944, 7/1945, eine Aufnahme, die Adolf Brand gemacht hatte, und eine Zeichnung in 12/1945.
Rolf hatte enge Beziehungen zum Pionier der homosexuellen Publizistik, dem Herausgeber von
Der Eigene
Adolf Brand
Damit ging es einerseits um eine Art Rückblick auf die deutschen Wurzeln. Andererseits aber rief die Zeit nach bewusstem Sich-Absetzen, auch von einem Stil, der nun antiquiert wirkte. Das schweizerische Umfeld war anders, pragmatisch, nüchtern – und Diktatur und Krieg hatten Distanz geschaffen. Das Signet mit der Flamme und die auch für Fremdsprachen geeignete Schrift wirkten klar, sachlich. Das Heft konnte jedem in die Hand gedrückt werden.
Im Folgenden sollen einige wenige Beispiele herausgehoben werden.
Werke homosexueller (oder als solche vermuteter) Meister
Caravaggio (1573–1610), ist vertreten mit zwei Gemälden, «die den sinnlich-jungendlichen Johannes den Täufer zeigen».
[1] Diese beiden erschienen in 3/1955 und 3/1956, wobei das von 1956 bereits in schon einmal 3/1947, dazu der kranke Bacchus in 10/1966.
Anton Kolig (1886–1950), Österreich, in 3/1959, 12/1957, hier zusammen mit einer Würdigung des Künstlers und seines Werkes von Kurt Stäheli unter dem Titel «Anton Kolig, ein Maler des jugendlichen männlichen Aktes».
[2] Anton Kolig, der etwa dreitausend gezeichnete Männerakte hinterliess, zählt heute neben Oskar Kokoschka und Egon Schiele, der ungefähr ebenso viele Frauenakte zeichnete, zu den wichtigsten österreichischen Expressionisten. Das offensichtlich Homoerotische in seinem Werk wurde bis 2001 nie thematisiert, sondern immer peinlich umgangen, wie Tobias G. Natter im Katalog zur nicht stattgefundenen Wiener Ausstellung von 2001 «Der andere Blick» schreibt. Im Titel des Kataloges hiess es zusätzlich «Lesbischwules Leben in Österreich, eine Kulturgeschichte». Natters Beitrag, «Wunschfenster einer unfrohen Seele, zu den Männerakten von Anton Kolig», erwähnt er:
[3]
«Nicht zufällig reproduzierte die legendäre Schweizer Schwulenzeitschrift Der Kreis, zeitweise weltweit die einzige Zeitschrift ihrer Art, in den fünfziger Jahren zwei Mal Kolig-Bilder. Mit dem in Zürich erschienenen Kreis ist auch das rigide gesellschaftliche Klima angesprochen, das Homosexualität in den meisten Ländern Europas noch bis Anfang der siebziger Jahre massiv kriminalisierte. Dementsprechend ignorierte auch die Kunstgeschichte den Umstand, dass Kolig nur Männer zeichnete. Die Frage der Homosexualität, bei Kolig immer wieder heruntergespielt oder schlicht geleugnet, galt als billige Neugier. Wieso […] ist Schieles tabuloser Blick auf Körper und Sexualität offen thematisierbar, während es bei Kolig nur um ‹Baugesetze› gehen soll?»
Jean Cocteau (1889–1963) in 12/1948, 7/1951, 1/1953, 1/1957, 2/1960.
Karl Geiser (1898–1957), Zürich, in 9/1955, 12/1957, hier mit dem Hinweis auf eine grosse Geiser-Ausstellung in Basel:
[4]
«Es ist beglückend, dass wieder einmal das Gesamtwerk eines unserer ganz grossen (…) Plastiker ausgestellt wurde, dessen Werk so klar und offen und gleichzeitig so rein und ohne Süsslichkeit zeigt, welchem Eros es sein Entstehen verdankt.»
Geiser und sein künstlerisches Schaffen eingehend beleuchtende grössere Werke erschienen erst lange nach dem Kreis: «Der Mann mit der Hand im Auge» von Jan Morgenthaler, 1988, und «Karl Geiser, Fotografien» von David Streiff, 2007.
[5]
Jean Boullet (1921–1970), Paris, in 12/1951, 12/1954 Umschlag und im Heft, 6/1953, 10/1954, 5/1956, 4/1957, 12/1960, 6/1962. Das sind nur wenige Beispiele.
[6] Seine beiden Kunstbände mit Zeichnungen, «Beaux Gars» und «Antinous», konnten laut Mitteilung über den KREIS erworben werden.
[7] Eine Beilage zu 1/1954 machte zudem die kunstvolle Ausgabe von «Corps interdits», ein Roman von Maurice Périsset, illustriert von Jean Boullet als Subskriptionsangebot bekannt. Das erste Kapitel dieses Romans ist den Lesern in vorgestellt worden.
[8] Aber auch einzelne Zeichnungen und Gemälde Jean Boullets wurden von Abonnenten gekauft. Charles Welti war ein Sammler seiner Werke, die es auch als Kunstfotos zu erwerben gab, angeboten etwa im Kleinen Blatt von 10/1954.
Renée Sintenis (1888–1965), Deutschland, in 1/1950, 3/1951, 12/1954, 5/1965, mit einem Nachruf
[9] von Rolf und dem Selbstportrait der Künstlerin als Skulptur, 7/1965 Zeichnung von zwei sich küssenden Jünglingen und 4/1966, mit einem Nachruf
[10] von Heinz Birken und der Skulptur eines jugendlichen Schnellläufers.
Paul Cadmus (1904–1999), USA, meist Ausschnitte aus seinen Werken, die ganze Personengruppen zeigten in 12/1946, 10/1950 (zwei), 12/1951, 6/1953, 12/1956, 11/1957, 7/1963, 12/1965.
George Quaintance (1915–1957), USA, mit Gemälden in 5/1953 «Morning», 8/1953 «Kanaka Fisherman» und «Havasu Creek», 7/1955 «Am Kaminfeuer» sowie mit einem Artikel «George Quaintance und seine Gemälde» von S.G. samt der Bemerkung der Redaktion, dass sie mit der Reproduktion dieses Bildes «der nicht abreissenden Diskussion» über die Werke dieses Künstlers «frische Nahrung» geben wolle, denn für viele war diese Malerei «Edelkitsch».
[11] Weitere Beispiele folgten in 7/1956 mit zwei Gemälden zum Titel «Coral Reef» und 10/1957 «Bacchant».
Eberhardt Brucks (geb. 1917), Deutschland, in 11/1949 mit einer Einführung von Rolf: «Ein wenig Kunstbetrachtung» und einem Gedicht, «Nänie», des Künstlers.
[12] Rolf schilderte, wie der Künstler dieses Blatt dem KREIS zur Veröffentlichung übergeben habe. Andere Zeichnungen folgten in 11/1951, 6/1953, 9/1957, 11/1961. 2004 vermachte Eberhardt Brucks viele seiner Werke dem Schwulen Museum Berlin.
Werke heterosexueller Meister
Natürlich kamen auch solche Werke zur Reproduktion. Davon einige Schweizer Künstler:
Konstanzer Kunstkreis 1310–1320 in 4/1952, Christus-Johannes-Gruppe aus Sigmaringen. Eine fast identische Gruppe, wurde von Meister Heinrich von Konstanz um 1280/90 für das Dominikanerinnenkloster St. Katharinenthal bei Diessenhofen, Thurgau, geschaffen, heute in Antwerpen, Museum Mayer van den Bergh. Auch hier mit einer ausgesprochen zärtlich-erotischen «Mystischen Einheit» von Jünger und Meister.
[13]
Urs Graf (1485 bis ca. 1528) in 9/1955, Sondernummer Schweiz mit «Reisläufer, Fähnrich», 1514.
Karl Stauffer-Bern (1857–1891) in 4/1946 ein «Gekreuzigter», 11/1965 «liegender Akt».
Karl Liner (1871–1946), Appenzell, in 10/1966 «Sennenbub»
Hermann Hubacher (1885–1976), Zürich, in 9/1952 «Ganymed», Statue am See, Bürkliplatz, Zürich.
Zur Enthüllung dieses Kunstwerks am 20. Juni 1952 schrieb Rolf: [14]
«Nicht der Adler, nicht Zeus ist es, der von der Erde das Schöne raubt – Ganymed selbst fordert den Unsterblichen auf, ihn in das Reich des Göttlichen zu entführen. Wie herrlich, wie unsagbar schön ist diese Gebärde gelungen, die in die Höhe weist! […] Wer in den späteren Nachmittagstunden das Glück hat, die milde Herbstsonne auf der hellen Patina der Bronze sich spiegeln zu sehen, wird nicht müde, diesen Linien nachzugehen, den Standort immer wieder zu wechseln und immer wieder aufs Neue beglückt zu sein, dass aus unserer Gedanken- und Gefühlswelt, wenn auch nur als Ausgangspunkt, ein so überragendes Kunstwerk geschaffen wurde. Wir reihen dieses Bildwerk ein in die unvergänglichen Besitztümer, die etwas von unserer Sehnsucht auszusagen vermögen.»
Die Festschrift «Ganymed» des Kunsthistorikers Gotthard Jedlicka (1899–1965), Professor für Kunstgeschichte an der Universität Zürich ab 1939, erwähnt, dass die Statue ein Geschenk des Kunsthistorikers Heinrich Wölfflin (1864–1945) an die Stadt Zürich sei. Wölfflin war von 1924–1934 ebenfalls Professor für Kunstgeschichte an der Universität Zürich und erteilte den Auftrag für eine Plastik des Ganymed an Heinrich Hubacher. Er machte ihm keinerlei Vorgabe. Das wird in einem ersten Brief Wölfflins an Hermann Hubacher noch deutlicher. Er schrieb am 30. Januar 1942:
«Ich komme auf einen alten Gedanken zurück: der Stadt Zürich eine Figur zu stiften, […]. Es müsste eine männliche Figur sein (an weiblichen hat Zürich schon eine Menge) und zwar von strenger Form so, dass das Gesetzmässige des Baus durchschlägt, zuchtvolle Schönheit! Auch die architektonische Fassung müsste sehr bestimmt sein […].» [15]
Später kam wohl, sozusagen als Motto, Goethes Gedicht «Ganymed» dazu. Die ersten und die letzten Zeilen des Gedichtes stehen zusammen mit dem Namen «Heinrich Wölfflin» auf der linken Stirnseite des Granitsockels eingemeisselt:
Wie im Morgenglanze
Du rings mich anglühst,
Frühling, Geliebter!
In euerm Schosse
Aufwärts!
Umfangend umfangen!
Aufwärts an deinen Busen
Allliebender Vater!
Hans Erni (geb. 1909), Luzern, in 12/1953 auf dem Umschlag, 12/1954, 12/1955, 9/1960, 7/1963.
Jacques Schedler (1927–1989), Thurgau, in 12/1960 Titelblatt.
Hanny Fries (geb. 1918), Zürich, in 12/1966 auf dem Umschlag.
Künstler, die nur oder zumeist für den Kreis arbeiteten und durch ihn bekannt wurden
Es gab auch einige homosexuelle Künstler, die ausschliesslich oder zu allermeist für die Zeitschrift arbeiteten und dadurch bekannt wurden oder deren homoerotische Seite ihres Wirkens nur im Kreis eine Plattform fand:
Rico / Enrique Puelma (1918–1988), der ab 7/1954 mit zwei Bilder zum eigentlichen Hofkünstler wurde. Von ihm sind zahllose Werke in vielen Heften erschienen,
[16] auch die berühmten Vignetten etwa auf dem Umschlag der Jubiläumsnummer vom September 1957 oder das Titelblatt von 9/1956. Viele Originale und teilweise kolorierte Einzelblätter lagen gelegentlich auf dem Kunsttisch der Mittwochtreffs, wo Abonnenten und Gäste sie erwerben konnten. In 11/1959 zeigte die Redaktion eine Verkaufs-Ausstellung von Gemälden Ricos an, welche in der Galerie Kirchgasse vom 24.11. bis 9. 2.1959 zu besichtigen seien. [17]
Rico schrieb ein autobiografisches Buch unter dem Pseudonym Enrico de Ocir: «Daniel, Daniel, Daniel, ein Bericht aus unserer Zeit», nach welchem er in Chile geboren wurde, dann, als Folge der Trennung seiner Eltern, mit Mutter und Bruder nach München kam, dort Volksschule, Gymnasium und Kunstakademie besuchte und 1939 mit der Familie in die Schweiz flüchtete. Seither lebte er in Zürich und arbeitete als Plakatgestalter und Werbegrafiker. Die Modelle für seine homoerotische Kunst suchte er hauptsächlich in Bayern unter gutgewachsenen Burschen, hatte – immer gemäss Autobiografie – etliche kurze und eine längere, unglückliche Liebesbeziehung und fand im Kreis bis zu dessen Ende das Forum für sein diesbezügliches künstlerisches Schaffen.
Beispiele für Ricos Talent finden sich in 9/1955, 9/1956 mit zwei Illustrationen,12/1956, 1/1957, 12/1960 auf dem Umschlag, dazu im Textteil zwei halbnackte Hirten auf grünem Hintergrund und in 12/1965 eine Tuschzeichnung eines nackten Jünglings, koloriert mit Sepia. Allein im letzten Jahrgang erschienen in den Nummern 5/1967, 7/1967, 10/1967, 11/1967 seine Zeichnungen, in 12/1967, dem letzten Heft des Kreis, auf dem Umschlag. Rico schuf nicht nur Einzelblätter, sondern schmückte auch viele der Kurzgeschichten mit eingestreuten Illustrationen. Ein schönes Beispiel in 8/1959 dokumentiert besonders den Grafiker Rico.
[18]
Eberhardt Brucks (1917–2008), Deutschland. Zeichnungen in 11/1951, 6/1953, 9/1957, 11/1961. In 11/1949 mit einer Einführung von Rolf: «Ein wenig Kunstbetrachtung» und einem Gedicht des Künstlers.
[19] Zum 90. Geburtstag veranstaltete das Schwule Museum Berlin eine Ausstellung mit einem begleitenden Buch «Eberhardt Brucks, ein Grafiker in Berlin», 2008. Darin enthalten ist auch ein Kapitel über die Schweiz und die Beziehungen Brucks' mit Rolf und dem KREIS.
Mario de Graaf, Amsterdam und Oslo, vermutlich ein Pseudonym, stellte ab 9/1948 fast ebenso viele seiner Jünglingsakte dem Kreis zur Verfügung wie Rico
[20] und machte zudem manche Vignetten, die sich besonders gut als Abschluss einer Erzählung eigneten. Seine gelegentlich ausgeführte Technik der Zeichnung mit Tausenden von Punkten, winzigen Kreisen und Strichlein, erinnert an grobkörnige Fotografien. Beispiele in 2/1949, 11/1950, 1/1952, 6/1953, 12/1953, 2/1956 «Karneval», 9/1958, 6/1960, 4/1962 11/1962, 3/1963, 1 /1964, 4 /1964, 7/1964, 3/1965, 6/1965, wobei einzelne Zeichnungen und Vignetten wiederholt verwendet wurden. Auch Fotos steuerte Mario de Graaf bei: in 3/1958 mit «ausschliesslicher Bewilligung nur für den Kreis» und in 1/1963. Im Kreis-Bildband «Der Mann in der Zeichnung» nahmen seine Werke zahlenmässig den ersten Rang ein.
Bernardino del Boca (1919–2001) in 12/1954, 7/1955, 11/1957 «Lord Byron», 8/1961, 1/1964, 4/1967 war ein langjähriger Freund von Charles Welti. Im Nachlass kam eine grosse Sammlung seiner Werke, Briefe und Bücher zum Vorschein.
G. Scot / Raoul Gérard Doscot, wohl identisch mit Roger Gérard-Doscot, (1923–1968), war ebenfalls ein Freund von Charles Welti, der nebst Briefen und Texten vor allem die niemals im Kreis publizierten pornografischen Zeichnungen dieses Künstlers sammelte. Erschienen sind hingegen etliche der «normal erotischen» Werke in 5/1957, 7/1957, 6/1958, 9/1958 (drei), eine von Doscots Erzählungen «Les yeux de l'amour» und die von ihm verfasste «Chronique des Livres» bildeten zusammen mit einer Zeichnung fast den ganzen französischen Teil der Nummer 1/1962.
[21]
Raymond Carrance / Czanara (geb. 1921), Paris, war ebenfalls ein Mitarbeiter von Charles Welti und mit ihm befreundet. Von ihm erschienen viele hervorragende Zeichnungen teils surrealistischer Art, beispielsweise in 2/1957, 7/1957, 5/1958, 2/1960, 1/1961, 3/1961 (zwei), 6/1961,12/1962. Charles sammelte Werke dieses Künstlers und natürlich auch seine Briefe.
Der Kreis und die
homoerotische Literatur
Der Redaktor des französischen Teils,
Charles Welti /
Eugen Laubacher
Antonio Santos, Coimbra, war beides, Zeichner und Fotograf. Von seinen Zeichnungen schmückten etliche ein Heft in besonderer Weise, so in 3/1959 nackter Jüngling von hinten, 4/1953, 1/1965 Kreis nackter Jünglinge als Titelblatt, Fotos erschienen in 5 /1953, 6 /1953, 7 /1953 (zwei), 8/1953.
Kurt Stäheli war Abonnent, Buchhändler und Amateur-Künstler, lebte zeitweise in Porto Ronco (TI) und betätigte sich dort auch als Plastiker. Von diesen Werken sind zwei als Abbildungen in die Hefte 9/1955 und 4/1957 aufgenommen worden.
Kurt Stäheli als Buchhändler für englische Literatur und Arbeitgeber des Redaktors des englischen Teils des Kreis
Rudolf Jung
Sämtliche Angaben von Reproduktionen in einzelnen Heften sind als Beispiele gedacht und nicht als vollständige Aufzählung aller im Kreis erschienenen Werke. Oft wurde eine Abbildung u.a. auch aus finanziellen Gründen mehrfach wiederholt, gelegentlich auch, weil die Nummer mit der erstmaligen Publikation inzwischen vergriffen war.
Kunstband «Der Mann in der Zeichnung»
1960 brachte der KREIS den einzigen Kunstband heraus. Er umfasste 100 Werke, die bis dahin in der Zeitschrift erschienen waren und die einführenden Worte richteten sich, wie jene der vier Fotobände, an die dreisprachige Leserschaft mit einer zusätzlichen Übertragung ins Italienische. Aus dem Vorwort:
«Auf diesen Blättern spiegelt sich die männliche Erscheinung, wie sie Künstler und Amateure mit dem Zeichenstift, z.T. auch auf einem Holzschnitt, in hundertfacher Weise festgehalten haben. […] Die Zeichnung will in den wenigsten Fällen eine Nachbildung der Natur sein, wenn auch meistens dennoch Natur erreicht wird, aber erlebt durch ein künstlerisches Auge. […] Die Linienführung blieb zur Zeit unserer Grossväter oft nur liebenswürdig verspielt, wurde manchmal aber auch leidenschaftlich überhöht; sie ist heute dagegen hart und nüchtern, sogar verzerrt, versucht jedoch gerade in der Absage an das gefällig Schöne die Hintergründe der Persönlichkeit zu erhellen. Andere Blätter sind nichts weiter, als das Festhalten eines holden Augenblickes, geboren aus einer beschwingten Stunde. […] Wir glauben, dass aus der Vielfalt des gezeichneten Bildes ein Zusammenklang entsteht, der gerade durch seine grossen Variationen vielen von uns Freude machen wird. […]»
Dieser Sonderdruck verkaufte sich allerdings deutlich weniger gut wie die höchst populären KREIS-Fotobücher, weshalb der Plan eines zweiten Bandes aufgegeben wurde. Heute hingegen zählt er zu den besonders gesuchten Raritäten und gilt als Pionierleistung, denn erst 1977 erschien das grossformatige Werk «L'Amour Bleu, die homosexuelle Liebe in Kunst und Literatur des Abendlandes»
[22]
Quaintance Bilder erschienen im Kreis bis zum Tode des Künstlers. Allerdings waren sie umstritten. Gewisse Abonnenten hielten diese Kunst für Edelkitsch.
Ein Niederschlag dieser Diskussion kam im «Kreis», Nr. 7, 1955, Seite 18 zur Veröffentlichung. Ihr wurde zudem eine Kurzbiographie des Künstlers vorangestellt.
Er kam über Gymnastik und Tanz (Ballet) zur Malerei.
Ernst Ostertag, Mai 2005



















