Sie sind hier: Inhalt » 5. Jahre der Repression » Ende des KREIS

Ende des KREIS

1967

Wir müssen einen Ort schaffen, an dem wir sicher unter uns sein können. Wir müssen ein Organ schaffen, in dem wir unsere Art zu leben beschreiben und mitteilen können. Wir müssen einen Bund schaffen, um uns gegenseitig zu stützen und um nach aussen zu wirken. Wir müssen auf die Gesellschaft Einfluss nehmen, damit sie ihre homosexuellen Mitglieder zu akzeptieren beginnt.

Das waren die Nah- und Fernziele vor 1932, als es Modelle ihrer Verwirklichung nur in Deutschland gab. Dieselben Ziele und Grundsätze verfolgten auch alle schweizerischen Publikationen und Formen des Zusammenseins ab 1932 bis zum Ende des KREIS. Auch die Nachfolgeorganisationen agierten im gleichen Sinne.

Primär ging es darum, Kameraden aus der Isolation zu helfen und jenen Raum zu schaffen, in dem unsere Seinsart unverborgen gelebt werden und Ausdruck finden konnte. Dies gelang dem KREIS hervorragend und blieb jenen unauslöschlich in Erinnerung, die daran teilhatten. Andererseits, und dies lag an den leitenden Persönlichkeiten und ihren Lebensumständen, gab es kaum direktes emanzipatorisches Wirken. Man war und blieb ein Zirkel - mit vielen Ausstrahlungen in die weltweit verzweigte "Familie", aber selten über sie hinaus.

Die Repressionsjahre stellten all das radikal in Frage und löschten die Flamme, unser Signet. Was blieb, war ein zaghaftes, aber zähes Weiterglimmen und -brennen, das dann in den 70er Jahren wieder aufloderte und zu vielen neuen Feuern wurde. Etwas vom KREIS leuchtet und lebt darin weiter. Wir versuchten es in den Teilen 4 und 5 greifbarer zu machen, denn es schmerzt, so oft nur vage von einem "legendären KREIS" zu hören.

Greifbar soll nun auch vom Ende des KREIS mit seiner Zeitschrift berichtet werden. Wir waren Zeitzeugen und verwenden teilweise persönliche Dokumente und Erinnerungen.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Dezember 2005 und März 2011