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Umgang mit Syphilis

Basel: Zusammenarbeit
Zürich: Repression

1960-1964

Im Kapitel Rudolf Schuppli und die Syphilis wird unter dem Titel "ein bahnbrechendes Modell" dargestellt, wie der KREIS Basel (Isola) Verbindung zu Prof. Dr. Rudolf Schuppli von der Dermatologischen Universitätsklinik Basel aufnahm und die "Aktion S" durchführte. Dort wird auch geschildert, wie der KREIS als gesamtschweizerische Organisation diese Verbindung nutzte, um wenigstens seinen Abonnenten sichere Möglichkeiten für freiwillige Bluttests anzubieten. Den beunruhigenden Ergebnissen der Zürcher Razzien konnte man somit - und so gut es unter den repressiven, total verunsichernden Umständen noch einigermassen möglich war - mit einer klaren Massnahme begegnen. Zu dieser Massnahme gehörte die Orientierung an jener Monatsversammlung vom 29. April 1961 und darauf vor allem die Beilage im Maiheft 5/1961 mit leicht fassbaren Informationen über die Krankheit und deren Verlauf. Autor dieses Merkblattes war Prof. Schuppli. Eine wichtige zweite Beilage war zudem die Karte mit Adressen von Vertrauensärzten, damit sich jeder Abonnent in der Nähe seines Wohnortes melden und den Bluttest machen konnte, in bindend zugesicherter absoluter Diskretion.

In Basel, so wird im selben Kapitel ebenfalls geschildert, konnte die erste "Aktion S" wiederholt werden, wobei auch Leute ausserhalb der Kreis-Abonnenten mit einbezogen wurden. Das war möglich, weil die Basler Isola weiter bestand und damit auch Gäste Zutritt hatten. In Zürich gab es kein Lokal mehr. Abonnenten und Mitleser konnten nur noch über die Zeitschrift erreicht werden. Eine "Aktion S" wie in Basel war unmöglich. Die Repression behinderte massiv jede Form von freiwilligen Bluttests, selbst beim Hausarzt. (Wie stand es mit der Diskretion etwa bei einem positiven Testergebnis? Wer getraute sich überhaupt, solche Fragen zu stellen?)

Dieses Klima erhöhte natürlich die Ansteckungsgefahr, was sich bei unfreiwilligen Untersuchungen von Zürcher Razzia-Opfern in den kommenden Jahren voll bestätigte.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, November 2005

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