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Programm und Tagung

Ablauf und Kritik

1974

Marga Bührig
Marga Bührig, 1915-2002, mit Teilnehmern an einer Boldern-Tagung zum Thema Homosexualität

Hauptpunkte des Boldern-Wochenendprogramms unter dem Titel "Probleme der Homosexualität":

  • Gruppenarbeit (Erfahrungsaustausch, Was verstehen wir unter Homosexualität?)
  • Tonbildschau "Homosexuelle - Menschen wie du und ich?" (gemacht von Pfr. Paul Kohler und Pfr. Thomas Preiswerk)
  • Referat "Synode 72 und Homosexualität" (Dr. Joseph Duss-von Werdt, Ehe- und Familienwissenschaftliches Institut, Zürich)
  • Referat "Homotropie und Christentum" (Dr. Herman van de Spijker, Holland)
  • Podiumsgespräch: "Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Gehörten und Besprochenen?"

Im Rückblick sah die HAZ ihre beiden Vorbereitungstreffen anders:1

"Das Programm dieser Vorbereitung war auf der - wie sich an der Tagung zeigte - falschen Annahme aufgebaut, dass relativ wenige Homosexuelle einer Überzahl von interessierten Heterosexuellen gegenüberstehen würden. (…) Das Hauptziel (…) bestand deshalb darin, als HAZ-Mitglied im Gruppengespräch immer aus einer Position der Ruhe und Sachlichkeit heraus reagieren zu können. (…)

Unsere Ziele (…) zusammengefasst:

  • Vorurteile aufdecken
  • Vorurteile abbauen durch umfassende Information
  • Denkschemata anzweifeln
  • Im persönlichen Gespräch sich gegenseitig akzeptieren (auch den Homosexuellen als Menschen, nicht aber als Patienten).

(…) Die Tonbildschau (…) der beiden Basler Pfarrer wurde von den Teilnehmern der Vorbereitungstagung ausführlich diskutiert und kritisiert. Man kam dabei zu folgendem Ergebnis: Die Tonbildschau ist so angelegt, dass sie beim Betrachter Mitleid für eine kranke Minderheit erweckt und mit dem Schluss endet: Homosexuelle sind trotzdem Menschen (wie du und ich). (…) Der Homosexuelle ist zwar nicht mehr ein sündiger und lasterhafter Mensch (wie bis anhin in der kirchlichen Tradition), sondern er wird zum Kranken, den man als solchen tolerieren muss. (…) Die von den Verfassern der Tonbildschau geforderte Toleranz für solche als krank und psychisch deformiert dargestellte Menschen lehnen wir als geschmacklose Zumutung ab."

Zur Tagung selbst berichtete das HAZinfo u.a.:2

"Entgegen unseren Erwartungen waren etwa 80% der Teilnehmer Homosexuelle (zum Teil gaben sie sich erst im Verlauf der Tagung als solche zu erkennen). Damit war das Zielpublikum ein anderes (…).

(…) Den Gruppengesprächen wurden andere Themen zu Grunde gelegt als erwartet. (…)

Positive Erfahrungen: Der Informationsvorsprung durch die Vorbereitung gab den HAZ-Teilnehmern ein Gefühl der Sicherheit in der Diskussion und die Möglichkeit, sich in der Gruppe zu bewähren. Das Erlebnis der gemeinsamen Vorbereitung gab den Teilnehmern aus HAZ und andern HA-Gruppen ein ausgeprägtes 'Wir'-Gefühl, dessen positive Wirkung sich zum Teil auch auf andere Tagungsteilnehmer übertragen konnte."

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, November 2006

Quellenverweise
1

HAZinfo, Nr. 9/1974, Seiten 9 und 10

2

HAZinfo, Nr. 9/1974, Seite 11