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Ein Bundesrat stoppt

... und lässt einstampfen

1991/1992

Nach dem Erscheinen der 2. Auflage von "Safer Sex für Ledermänner"regte sich Opposition aus Kreisen des "Vereins zur Förderung psychologischer Menschenkenntnis" (VPM). Dieser Verein mit Sitz in Zürich wurde 1986 gegründet und soll noch heute im Hinter- oder Untergrund bestehen. Er hat(te) seine Wurzeln in der von Friedrich Liebling begründeten "psychologischen Lehr- und Beratungsanstalt". Der VPM propagiert(e) eine restriktive Drogen- und Aidspolitik und diffamiert(e) Homosexuelle. Er galt/gilt als Schnittstelle zwischen christlichen Fundamentalisten und Rechtskonservativen. Laut eines Urteils des Bundesgerichts darf er als "sektenähnlicher Verein, der seine Anhänger psychisch manipuliert" bezeichnet werden.

Bundesrat Flavio Cotti
Die zweite Ausgabe von "Safer Sex für Ledermänner" finanziert von der Aids-Hilfe Schweiz, musste auf Geheiss von Bundesrat Flavio Cotti eingestampft werden

Leute des VPM liessen nun im September 1991 die für ausschliesslich internen Gebrauch in der Lederszene bestimmte Broschüre an Nationalräte und Nationalrätinnen verteilen, was zu einer Interpellation an den Bundesrat führte. Den zwar öffentlich dargelegten und blossgestellten Lügen des VPM wurde trotzdem teilweise geglaubt. Auch Bundesrat Flavio Cotti (TI, CVP) liess sich darauf ein und drohte im Januar 1992 mit der Sperrung aller Gelder an die Aids-Hilfe Schweiz, wenn diese Safer Sex Broschüre für Ledermänner nicht sofort eingestampft werde!

Man musste also handeln, um weit Schlimmeres zu verhindern. Einem in solcher Weise beeinflussbaren einzelnen Magistraten war nicht zu trauen. Mehr noch, ein Bundesrat, der drohte, er würde unter Umständen die gesamte Aids-Präventionsarbeit torpedieren, war eine Gefahr. In dieser Situation durfte man nichts riskieren. Also wurden die Restbestände vernichtet.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, April 2008