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PinkRail-Leiterteam in Engelberg
PinkRail-Leiterteam an einer Retraite in Engelberg im Jahr 2000

«Sie fühlen sich anders und trotzdem normal», stand dick und gross in der SBB-Zeitung Nr. 7/1999, an jener Stelle der Mitarbeiter-Zeitung der Schweizerischen Bundesbahnen SBB, welche für Berichte im Bereich «Feierabend» vorgesehen ist. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[1] Unter dem Titel hiess es:

«Homosexuelle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner outen und organisieren sich. Sie werden akzeptiert, wenigstens vordergründig. Aber sie stellen auch Forderungen.»

Dann begann Karin Britsch ihren Artikel:

«Gut 100 Mitglieder zählt PinkRail heute – unter ihnen exakt zwei Frauen. Der Gedanke, sich im Betreib mit Gleichgesinnten zu organisieren, schwebte schon lange herum. ‹Bereits in den 80er-Jahren habe ich daran gedacht›, erklärt etwa Max Krieg vom Rechtsdienst in Bern. Aber erst im November 1997 lud Krieg gemeinsam mit Thomas Gyger, Andreas Kuoni, Thomas Eichenberger und Daniel Hurter Gleichgesinnte per Flugblatt zu einem ersten Treffen nach Olten ein. ‹Wir hatten keine Ahnung, wer kommen würde›, erinnert sich Krieg. Die Überraschung war gross, als über 50 Leute von verschiedenen schweizerischen Transportunternehmen erschienen.»

Alle Dokumente usw. zur Geschichte von PinkRail erhielt ich von Max Krieg. Jetzt ist dieses Archiv ins sas überführt worden. Max Krieg hat schon 1972 als junger Mann in Lugano die erste Schwulengruppe im Tessin mitbegründet, den Öffnet internen Link im aktuellen FensterClub In, welcher mit der SOH assoziiert war. In den 70er Jahren half er seiner Mutter beim Aufbau der Öffnet internen Link im aktuellen Fenster«Elternkontaktstelle», einer ersten Gruppierung von betroffenen Eltern.

Zur Gründungsgeschichte

Die Zeitschrift Facts vom Februar 1998 berichtete unter «Coming-out im Büro»: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[2]

«In den USA hat jede grössere Firma ihre Homosexuellen-Organisation. Am CSD […] sind u.a. auch homosexuelle Polizisten im Dienstwagen unterwegs. ‹So was muss auch bei den SBB möglich sein›, sagte sich Betriebsdisponent Thomas Gyger, als er den Umzug 1994 in San Francisco miterlebte. Drei Jahre später wurde PinkRail, die erste Gruppe von Schwulen und Lesben in einem Schweizer Unternehmen, ins Leben gerufen. […]»

Im Vorfeld der Gründung hatte Max Krieg die Aufgabe übernommen, ein Schreiben an die Gewerkschaften im Sektor Schweizerische Transportunternehmen – auch in der Romandie und im Tessin – zu richten. Die Briefe hatten ähnlichen Wortlaut und baten um Mitteilung in den gewerkschaftseigenen Presse-Organen. So lautete jener an den VPOD (Vereinigung des Personals der öffentlichen Dienste):

«Bern, den 10. Oktober 1997

Gründung von PinkRail

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen

Als aktiver Gewerkschafter […] habe ich für die innerhalb von Pink Cross, dem nationalen Schwulenverband, zu gründende Projektgruppe die Aufgabe übernommen, die Gewerkschaftspresse besonders anzusprechen.

[…] Wir, einige schwule Eisenbahner, beabsichtigen, voraussichtlich innerhalb von Pink Cross, eine Projektgruppe der MitarbeiterInnen der öffentlichen Verkehrsunternehmen zu gründen. Alle weiteren Erklärungen ergeben sich aus der beiliegenden Pressemitteilung (deutscher, französischer und italienischer Text).

Es versteht sich, dass diese Gruppe keiner bestimmten Gewerkschaft verpflichtet ist. Als Lobbying-Gruppe wird sie jedoch, so ist es beabsichtigt, auch gesellschaftspolitische Arbeit leisten.

Ich bitte Euch, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, die Pressemitteilung in der entsprechenden Sprache an die Redaktionen der Verbandspresse des VPOD weiterzuleiten und sie möglichst in einer Ausgabe von Ende Oktober oder Anfang November 1997 zu veröffentlichen, damit viele InteressentInnen an der Gründungstagung teilnehmen können.

[…]»

Beispiel für eine solche Mitteilung in der SBB-Zeitung: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[3]

« ‹PinkRail› im Kommen

Die Homosexuellen treten aus dem Versteck hervor – auch bei den SBB. Am 22. November soll in Olten eine Gruppe der nationalen Organisation ‹Pink Cross› gegründet werden. Die Gruppe steht einer Pressemitteilung zufolge allen schwulen, bisexuellen und lesbischen Eisenbahnern und Eisenbahnerinnen offen. Ziel des Zusammenschlusses ist es, Erfahrungen auszutauschen, berufsbezogene Beziehungsnetze aufzubauen und gemeinsame Interessen zu wahren. Unter anderem machen sich die Initianten für Fahrvergünstigungen für unverheiratete Paare stark. Laut der Pressemitteilung gibt es bei den Niederländischen Staatsbahnen und der englischen ‹Great Western› solche auch für homosexuelle Paare.

Die Organisation Pink Cross fungiert als neutrale Anlaufstelle, damit sich keine Person am Arbeitsplatz ‹outen› muss. […]»

Die Gründungsversammlung vom 22. November 1997 in Olten

Im Einladungs-Flyer hiess es:

«Die lesBIschwule Gruppe der Angestellten bei den öffentlichen Verkehrsunternehmen wird gegründet. Bis Du dabei?»

Gemäss Protokoll traf sich das sechsköpfige Organisationskomitee mit rund 50 Gästen zunächst für einen Apéro, um sich ungezwungen kennen zu lernen. Später teilten sich alle in fünf Gruppen. Aufgabe war, sich gemeinsam zu folgenden Fragen Gedanken und Notizen zu machen:

  • Mit welchen Erwartungen bist Du hierher gekommen?
  • Welche positiven oder negativen Erfahrungen hast Du im Berufsalltag gemacht?
  • Wozu braucht es PinkRail?
  • Dein persönliches Anliegen?

Indem eine aus jeder Gruppe bestimmte Person die zusammengefassten Antworten im Plenum vortrug, liessen sich Grundlagen für das Projekt erarbeiten. Protokoll:

«Anhand einer offenen Diskussion werden die zukünftigen Prioritäten, die Struktur und Organisationsform bestimmt.

Das Organisationskomitee schlägt vor, PinkRail als Projektgruppe von Pink Cross zu führen und zeigt die damit verbundenen Vor- und Nachteile im Vergleich zu einer Vereinsgründung auf.

Die Mehrheit der Anwesenden ist der Meinung, als Projektgruppe von Pink Cross schneller anstehende Anliegen umsetzten zu können. Eine Vereinsgründung kann zu einem späteren Zeitpunkt ins Auge gefasst werden.

Folgender Antrag wurde gutgeheissen:

PinkRail besteht ab heute für ein Jahr als Projektgruppe von Pink Cross und arbeitet ein Konzept aus, wie PinkRail nach Ablauf dieses Jahres weitergeführt werden soll.»

Der Gründung folgte auch sofort die erste Aktion: Alle

«anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsbetriebe verabschieden folgende Resolution:

  1. Die Projektgruppe PinkRail setzt sich für die Gleichstellung der schwullesBIschen MitarbeiterInnen in der Gesellschaft und bei ihren Arbeitgebern ein.
  2. Als ersten Schritt fordert PinkRail im Rahmen eines Gesuches an die SBB und an die Gemeinschaft FIP,* die Personal-Fahrvergünstigungen FVP** auch dem/der im gleichen Haushalt lebende/n PartnerIn zu gewähren.»

Als Auftrag an PinkRail – natürlich im Verbund mit allen übrigen schwulen und lesbischen Organisationen – gilt Punkt 1 dieser Resolution bis heute als nur teilweise erfüllt, während die Forderungen von Punkt 2 erst nach zehn Jahren mit dem Inkrafttreten des Eidgenössischen Partnerschaftsgesetzes durch die offizielle Eintragung voll berücksichtigt wurden. Dazu die Mitteilungsschrift PinkRail News vom Januar 2007 worin Max Krieg die Möglichkeit für offiziell eingetragene Paare bekannt gibt und damit bestätigt, dass alle Bemühungen für «im selben Haushalt Lebende» nichts gebracht hatten: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[4]

«E-mail Wechsel zwischen dem FVP-Dienst und der Direktion Personal haben nicht zum gewünschten Ergebnis geführt. Ihre Antwort ist definitiv: FIP wird nur eingetragenen schwulen oder lesbischen Paaren (und nur ihnen) ab 1. Januar 2007 abgegeben.»

* FIP = Facilitation international personnel, womit die internationale Gemeinschaft von Bahnen bezeichnet wird, die sich gegenseitig Fahrvergünstigungen für ihr Personal gewähren.

** FVP = Fahrvergünstigung Personal innerhalb der Schweiz, umfassend die SBB und die Privatbahnen inkl. etliche städtische Verkehrsbetriebe, welche im VöV, Verband öffentlicher Verkehr, zusammengeschlossen sind.

Am 24. November 1997 richtete PinkRail eine «Mitteilung an ausgewählte Schweizer Medien»:

«Schwule und lesbische MitarbeiterInnen der SBB schliessen sich zusammen.

Am vergangenen Samstag […] haben in Olten rund 60 lesbische und schwule Mitarbeiter der Schweizerischen Bundesbahnen und weiteren […] Schweizerischen Transportunternehmungen die Gruppe PinkRail gegründet.

Die Ziele dieser Gruppe sind:

  • die Vernetzung,
  • der Erfahrungs- und Informationsaustausch der Mitarbeiter der öffentlichen Transportunternehmungen in der Schweiz sowie
  • die Wahrnehmung ihrer Interessen gegenüber den Arbeitgebern.

Hiermit schliessen sich in der Schweiz zum ersten Mal homosexuelle Mitarbeiter der gleichen Arbeitgeber für ein kollektives Coming-out zusammen. Damit wird auch in der Schweiz eine neue Emanzipationsrunde für Lesben und Schwule in der Arbeitswelt eingeläutet, in einem wichtigen Bereich also, der, was die homosexuelle Emanzipation angeht, noch sehr stark tabuisiert ist.

[…] Von fortschrittlichen Regelungen sind die Schweizer Bahnen und ihre Partner im Öffentlichen Verkehr leider noch weit entfernt. Noch 1995 reagierten die SBB unwirsch auf die Forderung von Pink Cross, die diskriminierende Zirkularanweisung 7/94, in der heterosexuelle Konkubinatspartner mit Kindern den Ehepartnern gleichgestellt werden, auch auf homosexuelle Konkubinatspartner mit Kindern zu erweitern. Dabei tönt die Einleitung der betreffenden Ziffer 6 doch so fortschrittlich: ‹Um gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen…›.

Um den Zusammenhalt im PinkRail-Netzwerk zu fördern, werden […] ab Dezember 1997 auch vergnügliche Gesellschaftsanlässe angeboten […].»

Einige Leitsätze aus dem wohl frühesten Info-Flugblatt, welches später, erweitert, zur PinkRail-Broschüre wurde: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[5]

«WARUM PinkRail?

Die Situation der Lesben und Schwulen in der Schweiz hat sich in den letzten 25 Jahren stark verbessert. Mit der Gesellschaft ist auch die schwul-lesbische Szene lebendiger, bunter und offener geworden. […] Da erstaunt es eigentlich […], dass ausgerechnet dort, wo ein wesentlicher Teil des Lebens verbracht wird – im Beruf – sich sehr wenig zu Gunsten der Lesben und Schwulen verändert hat.

[…] In anderen europäischen Ländern bewegt sich etwas. Was British Rail ihren lesbischen und schwulen Angestellten kaum je zugestanden hätte, erhielten sie zum Teil mit der Privatisierung: ‹Lovers travel free on the Gay Western Railway› titelte der Daily Telegraph am 12. November 1996 einen Artikel, wo den Lesern mitgeteilt wurde, dass die Great Western Trains als erste der privatisierten Eisenbahngesellschaften die Partner ihrer homosexuellen Angestellten in den Genuss von Fahrvergünstigungen kommen lasse.

Nun ist es auch in der Schweiz höchste Eisenbahn für Fortschritte. Deshalb gründeten im November 1997 ca. 60 Homosexuelle die erste lesBIschwule Gruppe der Angestellten bei den öffentlichen Verkehrsunternehmungen der Schweiz.

[…] WAS sind unsere Ziele? […]

  • Aufbau von berufsbezogenen Beziehungsnetzen mit den Geschäftsstellen der Schweizerischen Transportunternehmen, Gewerkschaften und im öffentlichen Verkehr tätigen Vereine oder Institutionen.
  • Vertretung unserer Interessen gegenüber obigen Partnern.

WIE erreichen wir diese Ziele? Durch

  • das Einholen und Weitergeben von Informationen an die Mitglieder über verschiedene Kanäle wie PinkRail News, Internet, Firmen- und Gewerkschaftszeitungen,
  • regelmässige Treffen in verschiedenen Schweizer Städten, gemeinsame Ausflüge und Teilnahme an lesBIschwulen Anlässen,
  • PinkRail als Anlaufstelle für berufsbezogene Fragen mit lesBIschwulem Inhalt gegenüber den Sozialpartnern,
  • PinkRail, das sich aktiv für die Gleichstellung einsetzt (Fahrvergünstigungen, Liberalisierung des Pensionskassen-Reglements usw.)."

PinkRail an einer internationalen Konferenz: Diskriminierungsschutz am Arbeitsplatz und Gewerkschaften

Vom 29. bis 31. Juli 1998 fand in Amsterdam eine von der ILGA (International Lesbian and Gay Association) initiierte Internationale Konferenz statt: «Trade Unions, Homosexuality and Work». Daran nahmen vier Mitglieder von PinkRail teil, worunter Thomas Gyger offizieller PinkRail-Vertreter war. Die «Schlussresolution» erwähnte u.a.:

«Die internationale Konferenz ‹Gewerkschaften, Homosexualität und Arbeit 1998› erkennt den Kampf für die lesbischen, schwulen, bisexuellen und transsexuellen ArbeitnehmerInnen als Teil eines allgemeinen Kampfes für die Rechte von ArbeitnehmerInnen.

Deshalb kommt die Konferenz nach substantieller Diskussion und mit internationaler Übereinstimmung zu folgendem Schluss:

  • A. […] Fehlende Antidiskriminierungspolitik ist schädlich für die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. Länder, die Homosexualität und/oder Transsexualität noch immer kriminalisieren, handeln den grundsätzlichen Menschenrechten zuwider. […] Kein einziges Land bietet lesbischen, schwulen, bisexuellen oder transsexuellen ArbeitnehmerInnen eine Umgebung, die der ihrer KollegInnen entspricht.
  • B. ArbeitgeberInnen und Gewerkschaften sollten bei der Schaffung eines Klimas, in dem Homophobie und Transphobie unakzeptabel sind, eine Führungsrolle spielen.
  • C. […]
  • D. […]
  • E. Gewerkschaften sollten die wichtigsten Verbündeten von lesbischen, schwulen, bisexuellen und transsexuellen ArbeitnehmerInnen sein, weil sie ein mächtiger Partner im Feld der Arbeitspolitik sind. Bis jetzt allerdings haben die Gewerkschaften die homosexuellen und transsexuellen Fragen am Arbeitsplatz im allgemeinen nicht genügend berücksichtigt. […]
  • F. […] Diskriminierung am Arbeitsplatz ist sowohl schädlich für das individuelle Wohlbefinden der ArbeitnehmerInnen, wie auch für das Arbeitsklima als ganzes und die Produktivität des Betriebes.
  • […]

Aufgrund dieser Schlussfolgerungen empfiehlt die […] Konferenz […] den Gewerkschaften, den Institutionen, mit denen diese zusammenarbeiten, und den schwulen, lesbischen, bi- und transsexuellen Organisationen:

  1. Die Fragen rund um Diskriminierung aufgrund von sexueller Ausrichtung und Geschlechtsidentität und Arbeit anzugehen, eine Gleichberechtigungspolitik zu entwickeln und finanzielle und infrastrukturelle Mittel zur Verfügung zu stellen, um diese Politik aktiv umzusetzen.
  2. Netzwerke, die sich während dieser Konferenz entwickelten, aufrecht zu erhalten und weitere Netzwerke […] aufzubauen […].
  3. Die Netzwerke so zu nutzen, dass internationale Gewerkschaftsbünde […] ihr Engagement für schwule, lesbische, bisexuelle und transsexuelle Fragen verstärken.
  4. Die Netzwerke zu nutzen, um internationale Institutionen wie IAO, UNO, WHO zu ermutigen, ihr Engagement in schwulen (usw.) Fragen zu verstärken.
  5. Die Netzwerke zu nutzen, um die organisierte Homophobie, den organisierten Heterosexismus und die organisierte Transphobie aufzudecken und zu bekämpfen.»

Berichte zur Konferenz von Amsterdam

Im September 1998 orientierte die SMUVZeitung (Wochenblatt des Schweizerischen Metall- und Uhrenarbeiterverbandes, heute Teil der UNIA) ausführlich über die Konferenz: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[6]

«Tabu-Thema für Gewerkschaften?

[…] In der Schweiz zeigten die Gewerkschaften bis heute wenig bis überhaupt kein Interesse, die Anliegen von Schwulen und Lesben zu unterstützen. Dies soll sich ändern. Es ist geplant, eine gewerkschaftsübergreifende Arbeitsgruppe ‹Homosexualität und Arbeit› zu gründen. […]»

In einem Kasten wurde diese Arbeitsgruppe vorgestellt:

«Als Delegierte des VPOD haben Regula Keller und Peider Filli an der Konferenz […] in Amsterdam teilgenommen. […] Aus ihrem Aufruf:

Die Konferenz […] hat deutlich gezeigt, dass die Schweizer Gewerkschaften in Bezug auf das Thema ‹Lesben und Schwule in der Arbeitswelt› noch schlafen. In England, Holland, Kanada, aber auch im benachbarten Deutschland, zum Beispiel bei unserer Schwesterorganisation Gewerkschaft Öffentliche Dienste ÖTV, ist die Verteidigung gleicher Rechte für Lesben und Schwule eine als wichtig anerkannte Aufgabe.

Wir möchten die Schweizer Gewerkschaften überzeugen, dass die freie sexuelle Ausrichtung zu den Menschenrechten gehört und deshalb zu einem wichtigen gewerkschaftlichen Thema wird. […]»

Das aK vom Oktober-November brachte fast denselben Artikel von Rita Zimmermann, Pressedienst des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[7]

« ‹Toleranz heisst nicht Akzeptanz›, sagte Harry Groen, Amsterdamer Stadtrat, als er die über 200 GewerkschafterInnen aus 40 Ländern begrüsste, ‹obschon in den Niederlanden gesetzlich verboten, ist auch hier Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund der sexuellen Orientierung häufig. […]›

Dies beweist auch die Studie ‹Sexual Preference and Work›, die die holländische Gewerkschaft ABVAKBO (Öffentliche Dienste) an der Konferenz präsentierte. Die wichtigsten Erkenntnisse: Lesben und Schwule erfahren gegenüber Heterosexuellen ihre Arbeitswelt unterschiedlich, sei es in Bezug auf das Verhältnis mit ArbeitskollegInnen und Vorgesetzten oder bezüglich Zufriedenheit mit dem Job. Wer häufiger diskriminiert wird, hat öfter gesundheitliche Probleme, […].

‹Diese Konferenz war für viele von uns ein lang gehegter Traum›, sagte Kürsad Kharamanoglu, Mitglied des Organisationskomitees. Die Idee dazu entstand 1994 an der Weltkonferenz der ILGA. Durch Stipendien von Gewerkschaften und NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) wurde möglichst vielen lesbischen und schwulen GewerkschafterInnen aus Entwicklungsländern die Teilnahme ermöglicht.

[…] Die Gewerkschaften haben für die Wahrung der Rechte von Schwulen und Lesben noch einiges zu leisten, sei es mit entsprechenden Regelungen in Gesamtarbeitsverträgen (zum Beispiel bei der Gleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Paaren), sei es bei der Unterstützung politischer Anliegen oder in Form von Kursen, in denen Angst und Vorurteile abgebaut werden müssen.

Die Berührungsängste mit dem Thema sitzen tief – auch in den Schweizer Gewerkschaften. […]

In ihrer Studie ‹Toleriertes Unrecht› schreiben Nadja Herz und Bernhard Gerber zur Situation in der Schweiz: ‹In der Arbeitswelt erleben die meisten Lesben und Schwulen Diskriminierungen in irgend einer Form›. Die Diskriminierungen reichen von Lesben- bzw. Schwulenwitzen, ‹Getuschel› hinter dem Rücken bis hin zu physischer Gewaltanwendung und sexueller Belästigung. Rechtlich fehlen uns bekanntlich die gleichen Rechte und eine griffige Antidiskriminierungsbestimmung.»

PinkRail News, Aktivitäten im ersten Jahr

Das Info-Blatt PinkRail News startete 1998 als Werk des Sekretärs, Thomas Eichenberger. Jede Ausgabe wurde anfänglich auch in die Homepage von Pink Cross gesetzt, dann regelmässig in die eigene von PinkRail. Im ersten Jahr erschienen fünf Nummern, 1999 noch vier und 2000 drei. Dabei blieb es bis zur letzten gedruckten Ausgabe, Nr.1 vom Januar 2007. Ab Nr.2/07 bis heute wurden die PinkRail News ausschliesslich elektronisch erstellt, einsehbar auf der Homepage, was archivarisch einem Blackout gleichkommt, weil auf Dauer nur schriftlich Festgehaltenes vom Leben einer Gruppierung wie PinkRail Zeugnis ablegen kann.

Ende 1998 erschienen Umfrage-Bogen zu den Aktivitäten der Fachgruppe, gerichtet an alle Mitglieder. Der Rücklauf per 15. Februar 1999 betrug 23% und das Ergebnis bewies deutlich die Popularität der PinkRail News mit 89%. Auf Platz zwei folgten die politischen Arbeiten, dann «diverse Anlässe» und zuletzt die monatlichen Stamm-Abende, welche trotzdem zur Tradition wurden und an alternierenden Orten bis heute stattfinden. Wichtigster Punkt der Umfrage war jedoch, gemäss Antrag an der Gründungsversammlung, ob PinkRail eine Fachgruppe von Pink Cross bleiben oder eigenständiger Verein werden solle. Das Ergebnis: 62% votierten für die Fachgruppe, während 33% eine Vereinsform vorzogen. Heute gilt PinkRail offiziell als «Fachgruppe von LOS und Pink Cross».

Am 18. Juli 1998 trat PinkRail erstmals öffentlich auf, am CSD in Zürich. Keinesfalls wollte man jedoch in der Masse einfach unauffällig verschwinden, nein, man entschloss sich für eine strikt zu befolgende Tenu-Vorschrift: Alle hatten in Jeans oder Shorts, weissem T-Shirt und darüber mit der leuchtend orangefarbenen SBB-Warnweste zu erscheinen. Zudem sollte jede/jeder die Schrillpfeife bei sich haben. Dieses Outfit wurde sofort zum typischen, sicht- und hörbaren Kennzeichen der PinkRailer bei allen weiteren Demo-Anlässen bis heute.

PinkRail am Christopher Street Day Zürich
PinkRail am Christopher Street Day Zürich (CSD)

PinkRail News 4/98 vom September orientierte über «Gesellschaftspolitik»: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[8]

«Unser FVP-Anliegen ist leider immer noch pendent. […] Bisher haben wir nicht mal eine Eingangsbestätigung erhalten. Aber, wir bleiben dran!

[…] Die Gemeinschaft FIP hat an ihrer Vollversammlung eine kleine Gruppe von Bahnen damit beauftragt, die Frage der Ermässigungen für schwullesbische Paare zu prüfen. Auch hier gilt: Wir bleiben dran!

Pensionskassen sind unsere nächsten Ziele: PHK/SBB und ASCOOP (für die Privatbahnen) haben wir ersucht, Renten für Konkubinatspaare (auch schwullesbische) einzuführen. […]

Auf verschiedenen Wegen versuchen wir, in das Bundespersonalgesetz die Chancengleichheit der Lebensformen (gemäss Ausdrucksform des Bundesverfassungsentwurfs) aufnehmen zu lassen. […] Über den SEV (Schweizerischer Eisenbahn- und Verkehrspersonalverband) haben wir zumindest den Schutz der Lebensformen beantragt.

Und schliesslich haben wir alle Personalverbände angeschrieben und um Unterredungen zur Knüpfung engerer Kontakte zwischen PinkRail und Arbeitgeberverbänden ersucht. Mit der GdI (Gesellschaft der Ingenieure bei den SBB) hat bereits ein Gespräch stattgefunden.

Ihr seht also, es tut sich bei PinkRail einiges. […] Aber Veränderungen lassen sich nicht einfach so erzwingen, sondern müssen erkämpft werden. Und die Papiermühlen des Bundes mahlen halt langsam…»

Dieselbe Ausgabe der News berichtete auch über die «Zusammenarbeit zwischen PinkRail und Pink Cross»:

«Am 25. August 1998 haben der Pink Cross Präsident und der Vizepräsident erstmals an einer PinkRail Teamsitzung teilgenommen. […] Pink Cross ist unser Verein, dessen Statuten und Mitgliederversammlung uns den rechtlichen Rahmen geben. Damit sind wir abgesichert und können effizient arbeiten.

Diese Form hat sich […] bewährt. Wir können von der Erfahrung, der guten Erreichbarkeit und Infrastruktur (professionelles Sekretariat) und vor allem vom guten Namen von Pink Cross sehr profitieren. Pink Cross ist für Dritte, wie z.B. unsere Arbeitgeber, eine anerkannte Instanz. Das hat uns von Anfang an ermöglicht, viel selbstbewusster aufzutreten als ein kleiner unbekannter Verein. Die ersten Erfolge ‹beweisen› es: Bei den SBB und unseren Gewerkschaften sind wir als Gesprächspartner akzeptiert. Wir können in deren Zeitungen die Daten unserer Anlässe gratis publizieren.

[…] Als Fachgruppe sind wir für unseren Verein Pink Cross auch Neuland. Wir sind nämlich die erste Fachgruppe, die sich ausserhalb des Vereins gegründet und dann unter das Dach von Pink Cross gestellt hat. Mit bald 90 Mitgliedern auch die grösste. Für Pink Cross ist es wichtig, dass möglichst viele unserer Mitglieder auch dem Verein beitreten. Sonst sind die Synergien sehr einseitig: PinkRail profitiert im grossen Stil und Pink Cross zahlt nur.

Nun, für den Anfang brauchen wir PinkRailerInnen noch kein schlechtes Gewissen zu haben, denn bereits ein Drittel machen bei Pink Cross mit. Bis Ende Jahr soll dies aber noch wesentlich besser werden. Das PinkRail-Team erwartet so um die 95%! […]»

In den PinkRail News vom November stellten sich die Freiwilligen des achtköpfigen PinkRail-Leiterteams vor (dem Vorstand eines Vereins entsprechend): Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[9]

Thomas Gyger, 38
Kassier, Pink Cross, Medien

Daniel Hurter, 34
Sekretariat

Max Krieg, 52
Politik

Andreas Kuoni, 28
Homepage, Sekretariat

Erwin Iten, 33
Archiv, Sekretariat

Claude Begert, 25
Flyers, PinkRail im SEV-Jugendblatt Megafon

Stefan Michel, 28
Privatbahnen, Gruppen- und Einzelbetreuung

Thomas Eichenberger, 33
PinkRail News

«Im Dezember werden wir alle Bahnhöfe bei den SBB und den grössten Privatbahnen mit einem Begleitschreiben und einer entsprechenden Anzahl PinkRail Infobroschüren beliefern. Ziel ist es, dass alle Mitarbeiter im öffentlichen Verkehr PinkRail kennen.» Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[10]

Aus einem Werbebrief, den Thomas Gyger im November 1998 zum ersten Jahrestag versandte:

«[…] Nach nur einem Jahr können wir feststellen: […]. Zwar erwartet man uns nicht überall mit offenen Armen, aber wir werden als Gruppe ernst genommen […]:

Die SBB anerkennen uns als Ansprechpartner […]. Wir werden bei der Neuverhandlung von Fahrvergünstigungen angehört werden.

In der SBB-Zeitung und den meisten Gewerkschaftszeitungen sind wir mit unserer Agenda sichtbar vertreten. Dies haben wir z.T. nur mit viel Überzeugungsarbeit und Nachdruck erreicht.

Wir sind auch innerhalb der Schwulenbewegung sichtbar geworden: als Bähnler, Trämler und Busfahrer an der Gay Pride in Lausanne und am CSD in Zürich. […]

Wir sind auf zahlende PinkRail Mitglieder angewiesen! Nur so können wir unsere ehrgeizigen Ziele erreichen. […] Dein Beitrag ist […] eine gute Investition in unsere gemeinsame Zukunft! […]»

«PinkRail gewinnt den ersten Stonewall Award»

Diesen Titel stellte Thomas Eichenberger auf die Frontseite der PinkRail News Nr. 5/98 und fuhr im Editorial fort:

«Ganz überraschend wurde uns […] am 3. Oktober 1998 […] der erste Stonewall Award der Schweiz für unsere Arbeit verliehen. […] Wir sind sehr stolz […] und möchten uns […] bei Euch allen bedanken. Ohne Eure Unterstützung und Euer Mitmachen wäre aus der Idee PinkRail nicht das geworden, was es heute ist.»

Die Öffnet internen Link im aktuellen FensterStiftung Stonewall gab am 3. Oktober eine Medienkonferenz unter dem Titel «Stonewall Award with Migros 1998» und brachte in der Pressemappe dazu folgende Hinweise: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[11]

«In diesem Jahr wird der ‹Stonewall Award› an die Gruppe ‹PinkRail› vergeben. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, schwulen Anliegen innerhalb der SBB eine Stimme zu verleihen.

Mit dem Preis zeichnet die Stiftung Stonewall ‹PinkRail› für ihren Mut aus, in einem konservativen Umfeld offen schwul aufzutreten und das Anliegen ihrer Mitglieder zu vertreten. […]»

Die Laudatio hielt Stiftungsrat Thomas Peter: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[12]

«Wir zeichnen PinkRail […] aus zwei Gründen aus: Der erste Grund ist am einfachsten mit einer kurzen Geschichte erzählt. Seit bald vier Jahren bin ich – wie so viele andere – Zugpendler zwischen Basel und Zürich. Vor längerer Zeit bin ich dabei zufällig mit einem Kondukteur der SBB ins Gespräch gekommen. Selbstverständlich: er hat gemerkt, dass ich schwul bin und umgekehrt. Er erzählte mir, dass an seinem Arbeitsplatz innerhalb der SBB niemand wisse, dass er schwul sei. Das sei kein Thema – ein Tabu.

Ich erzählte ihm von Markus, einem Kollegen meines Freundes. Markus arbeitet seit Jahren für die SBB als Spediteur. Von Anfang an hatte Markus ein Abenteuer mit Frauen nach dem anderen – zumindest vor seinen Arbeitskollegen. Und jeden Abend fährt er nach Hause zu seinem Freund.

Als ich zum ersten Mal von der Existenz von PinkRail gehört habe, hat mir der Mut der Initianten grossen Eindruck gemacht. Der Mut, in einem wenig progressiven Betrieb in einer wenig fortschrittlichen Branche hinzustehen und zu sagen: Hallo, ich bin schwul und ich setzte mich dafür ein, dass ich die gleichen Rechte bekomme, wie meine heterosexuellen Kollegen. […]

Dafür, dass die PinkRailer den Mut gehabt haben, in die Öffentlichkeit zu gehen und sich für ihre und unsere Sache einzusetzen, bekommen sie […] den ‹Stonewall Award›.

[…] Nach Meinung der Stiftung Stonewall soll PinkRail ein Beispiel dafür sein, wie Engagement für Gleichberechtigung und Akzeptanz auch und gerade innerhalb der Wirtschaft und am Arbeitsplatz geleistet werden kann. PinkRail kann ein Vorbild und eine Ermutigung für Schwule in anderen Betrieben und Branchen sein. Mich würde es freuen, bald von einer Pink Post, einem Pink Office, einer Pink Bank zu hören. […]»

Aus einer Mail, die Thomas Gyger am 24. September 1998 an seine zur Entgegennahme des Stonewall Awards ausgewählten Kollegen im PinkRail-Team und an Mark Bächer, damals Pink Cross-Präsident, zur Orientierung sandte:

«Das Telefon klingelt pausenlos und der Mail-Briefkasten füllt sich sofort nach jeder Leerung: bei PinkRail ist was los!

[…] Ein paar Infos zum 3. Oktober:

Der Stiftungsrat von Stonewall besteht aus 7 Mitgliedern: Claude Janiak, Urs Reimann, Robert Zimmermann, Frank Weinmann, David Streiff, Thomas Peter und Nicolas Wenger.

Der mit CHF 10'000.– dotierte Preis wird laut B.A. (anonymisiert, Projektleiter des Migros-Kultursponsorings) ‹für aussergewöhnliche Leistungen vergeben, die zur Emanzipation der Schwulen beitragen›. Offenbar wollte die Migros die ‹Mr. Gay-Wahlen› nicht direkt sponsern, sondern über diesen Preis (CHF 5'000.–). Weitere Infos dazu im Brückenbauer Nr. 39 vom 22.9.98. […]

Wir 5 PinkRailer (Max Krieg, Thomas Eichenberger, Andreas Kuoni, Daniel Hurter und Thomas Gyger), die auch auf der Bühne den Award entgegennehmen werden, treffen sich […] im Xtra Limmathaus, Zürich. Besprechung im Team, Vorstellung des Stiftungsrats und Ablauf des Programms.

20.00 Pressekonferenz (viel Information)

23.30 Preisübergabe […] und ein paar Dankesfloskeln von uns (wer? usw.)

Der Preis besteht aus einem Backstein, von einem Künstler gestaltet.

Stonewall wünscht, dass wir in Uniform auftreten. […] Da die meisten sowieso keine Uniform mehr haben, organisiere ich 5 neue SBB-Warnwesten. Stefan Michel bringe bitte selber eine neue Warnweste der BLS mit!

[…] Die Warnwesten waren massgeblich ‹schuld›, dass wir am CSD aufgefallen (O-Ton Stonewall: ‹visuell rübergekommen›) sind und jetzt immerhin CHF 10'000 abholen dürfen!

Stonewall stellt eine Pressemappe zusammen. Ich liefere den Text (abgeleitet von unserer Broschüre).

Jeder soll sich bitte überlegen, ob er auch den Journalisten Red und Antwort stehen will. Wenn ja, was er zu sagen hat. So aus dem hohlen Bauch könnte es noch schwierig sein…

Stonewall und Pink Cross wollen, dass diese Veranstaltung sehr werbewirksam und professionell über die Bühne geht.

[…] Alles klar! […] Ich bin ja so aufgeregt…»

PinkRail in der SBB-Zeitung

Karin Britsch stellte in der SBB Zeitung PinkRail dar als neue Gruppierung von Mitarbeitern und Angestellten der Branche Verkehrsunternehmen, als Kolleginnen/Kollegen im Betrieb SBB und als aktive Gruppe mit klaren Zielen und Forderungen: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[13]

«[…] Im März fand in Olten ein personalpolitisches Gespräch mit Walter Hofstetter, Leiter Kommunikation und Arbeitsrecht bei der SBB-Personalabteilung statt, an dem die PinkRail Forderungen formuliert wurden.

Als derzeitiges Hauptziel will die Organisation die Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) und im Bundespersonalgesetz (BPG) verankern. Sie wünscht Regelungen für die Sozialversicherung, etwa die Auszahlung des Alterskapitals der Pensionskasse – eine Lösung, die auch heterosexuellen Konkubinatspaaren zugute kommen könnte. Auch der Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ist für PinkRail ein Thema.

Ein weiteres Stichwort sind Fahrvergünstigungen (FVP) für gleichgeschlechtliche Lebenspartner – ein Postulat mit Zündstoff, das sich sowohl an die SBB wie auch an den Verband öffentlicher Verkehr (VöV) richtet. Für PinkRail ist diese Forderung nicht die wichtigste, aber symbolträchtigste. ‹Werden homosexuelle Paare gleich behandelt, hat das Signalwirkung›, ist Andreas Kuoni von der Division Personenverkehr in Bern überzeugt. Die Angst des Arbeitgebers, der FVP-Status werde ausgenützt, scheint der Gruppe unbegründet. Für den Anspruch auf Fahrvergünstigung müssten feste Kriterien erfüllt sein, etwa eine gemeinsame Wohnung. Mit der Information des Arbeitgebers würde die Homosexualität des Gesuchstellers öffentlich: ‹Dieses Coming out bedeutet für viele eine Hemmschwelle›, gibt Kuoni zu bedenken.

[…] Oft fehlt der Mut aus Angst vor Repression. Diskriminierungen liefen unterschwellig und subtil ab. Nachweisbar seien sie selten. Gerade in Führungspositionen könne Schwulsein mit Autoritätsverlust einhergehen oder sich negativ auf eine anstehende Beförderung auswirken. Für Junge ohne Kaderfunktion sei eine Öffnung einfacher. Generell scheint Toleranz aber weniger eine Frage des Alters als des Arbeitsbereiches zu sein. Die Akzeptanz sei in den Bereichen mit Kundenkontakt und in zentralen Diensten grösser als im Betrieb, urteilt Daniel Hurter vom Fahrdienst Zürich HB.

Neben dem Beruf ist die persönliche Lebenssituation ausschlaggebend. ‹In einer festen Beziehung ist es leichter, zu den eigenen Gefühlen zu stehen›, glaubt Thomas Eichenberger vom Geschäftsbereich Brünig. An ‹Trittbrettfahrern› stört sich die Gruppe aber nicht. Im Gegenteil, sie versteht Menschen, die aus Angst schweigen. ‹Wenn die Akzeptanz von Schwulen und Lesben durch unsere Gruppe gestärkt wird, öffnen sich eventuell auch Unsichere›, hofft Thomas Gyger, Betriebsdisponent in Bern und Vorstandsmitglied von Pink Cross.

PinkRail wurde 1998 mit dem ‹Stonewall Award› belohnt. […] Die SBB-Pioniere sehen im Preis eine Anerkennung für die Gründung von PinkRail und einen Ansporn, für die eigenen Interessen weiter zu kämpfen. […]»

Forderungen zur Wahrung von Grundrechten in Personalpolitik und Arbeitsverträgen

Ständig blieb PinkRail aktiv und machte über Jahre hinweg immer wieder Vorstösse, um seine Anliegen weiter und wenn möglich durchzubringen. Oft ging es harzig, oft gab es Enttäuschungen – aber man blieb hartnäckig, stets im klaren Vertrauen auf den Grundsatz, gleiche Rechte können nicht ewig verweigert werden. Einzelne Köpfe verstanden diesen Gedanken schliesslich und erkannten darin eine positive Entwicklung auch für die anderen, eben für wirklich alle. Langsam kam Bewegung auf, Veränderungen bahnten sich an. Im Folgenden sollen punktuell ein paar Details dieser Bemühungen hervorgehoben werden.

Am 25. September 1999 schrieb Max Krieg im Auftrag von «Pink Cross, Fachgruppe PinkRail» an Daniel Nordmann, Personalabteilung SBB, Bern u.a.:

«Ein lachendes und ein weinendes Auge.

Mit Genugtuung haben wir festgestellt, dass in der neuen Weisung zum Datenschutz zum ersten Mal in der Geschichte der SBB die ‹Lebensformen›, d.h. die Schwulen und Lesben in einen Text Eingang gefunden haben. Dafür möchten wir Ihnen und allen, die an der Ausarbeitung des Textes beteiligt waren, herzlich danken.

Leider haben wir nur wenige Tage später festgestellt, dass in den neuen Leitlinien für die Personalpolitik das Gleiche nicht geschehen ist. Da werden, wie in der neuen Bundesverfassung, die präzisen Gleichstellungsanliegen schön aufgezählt, aber die ‹Lebensformen›, die Schwulen und Lesben, fehlen. Wir bedauern das sehr, zumal wir Herrn Walter Hofstetter, mit dem wir ja anfangs März 1999 ein interessantes und hoffnungsvolles Gespräch hatten führen können, unsere Anliegen und unsere Vorstellungen mitgeben konnten. Schade, dass diese Gelegenheit zu einem weiteren Schritt in die richtige Richtung versäumt worden ist.

Wir bitten Sie deshalb, noch bevor wir fordern, das neue Leitbild zur Personalpolitik anzupassen. Zu Ihrer Information erhalten Sie in der Beilage eine Kopie des Berichts des Eidg. Justiz- und Polizeidepartements zur Gleichstellung der homosexuellen Partnerschaften. […]»

Dieser Bericht war unter der neuen Justizministerin Ruth Metzler im Juni 1999 erschienen, Auslöser war die Petition «Gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare» vom Januar 1995.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterPink Cross

Öffnet internen Link im aktuellen FensterPartnerschaftsgesetze

Am 28. September 1999 verabschiedete PinkRail einen Entwurf «Leitbild, Lesben und Schwule im Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB)», dies als Vorstoss für entsprechende Änderungen, welche beim SGB vorzunehmen seien:

«Einleitung

Lesben und Schwule bewegen sich nicht in einer heilen Arbeitswelt, auch heterosexuelle Kolleginnen und Kollegen nicht.

Sich gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung zu wehren, dazu bieten die Gewerkschaften allen, die es wollen, genügend Möglichkeiten. Die Gewerkschaften können viel dazu beitragen, den lesbischen und schwulen BürgerInnen und KollegInnen das Klima von Gleichberechtigung und Akzeptanz zu übermitteln, durch Worte und Taten.

Forderungen des SGB zur Wahrung der Grundrechte:

  1. Homosexualität darf kein direkter oder indirekter Grund für Nichteinstellungen, Nicht-Beförderungen, Berufsbeschränkungen und Kündigungen sowie Berufsverbote sein.
  2. Der SGB setzt sich dafür ein, dass die Ungleichbehandlung von nicht-ehelichen und ehelichen Gemeinschaften in GAVs, Pensionskassenreglementen, Personalverordnungen usw. abgeschafft werden.
  3. Arbeitszeugnisse dürfen weder offene noch versteckte Hinweise auf Homosexualität beinhalten.
  4. Der SGB setzt sich aktiv für die Einführung von Antidiskriminierungsbestimmungen in eidgenössischen, kantonalen und Gemeinde-Gesetzen ein.

Organisation im SGB

  • Der SGB stellt Infrastruktur und Stellenprozente zur Verfügung, um Verbände beim Aufbau lesbisch-schwuler Arbeitsgruppen zu unterstützen.
  • Er setzt eine ‹SGB Regenbogen-Kommission› ein.
  • Im Bildungsangebot wird die lesbisch-schwule Arbeitswelt ein Thema.
  • Die ‹Regenbogen-Kommission› des SGB arbeitet punktuell bei nationalen Kampagnen mit Pink Cross und LOS zusammen»

Es kam zu Verhandlungen mit dem SGB. Dabei ging es schliesslich um die Schaffung einer «Fachgruppe für schwule und lesbische Anliegen» innerhalb des SGB, wie die PinkRail News Nr. 1/2001 berichtete, was aber an einer Vorstandssitzung des SGB vom 19. Dezember 2000 noch immer nicht geschehen sei. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[14] Erst an seiner Sitzung vom 10. Mai 2001 beschloss der SGB-Vorstand, eine Mitgliederkommission «Gleichstellung von Lesben und Schwulen» einzurichten. 2003 wurde Max Krieg Co-Präsident dieser Kommission.

SBB-Gesamtarbeitsvertrag (GAV) – Kampf um Anerkennung gleicher Rechte

An dessen Ausarbeitung war PinkRail, laut Vereinbarung vom 30. April 1999, gleichberechtigt mitbeteiligt wie alle anderen Personalverbände auch. Die Arbeiten fanden am 22. Dezember 1999 ihren Abschluss, worauf die Paraphierung am 29. Februar 2000 erfolgte. Dann führten die Verbände ihre Abstimmungen durch und per 29. Juni 2000 konnte der neue GAV unterzeichnet werden. Er trat mit dem 1. Januar 2001 in Kraft. Die PinkRail News Nr.2/2000 meldeten: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[15]

«Einige wesentliche Forderungen sind verwirklicht:

Im Ingress wird erklärt, dass ‹Massnahmen zu treffen sind, um die Chancengleichheit von Frauen und Männern auf allen Stufen zu fördern und Situationen von Mobbing und sexueller Belästigung zu verhindern […]›.

Die Leistungen im Todesfall durch Berufsunfall werden auch an LebenspartnerInnen ausbezahlt.

Der Nachgenuss von Leistungen im Todesfall wird auch an LebenspartnerInnen ausgezahlt.

Die 1999 in Kraft getretene ‹Richtlinie Persönlichkeits- und Datenschutz› ist […] übernommen worden.

Gemeinsame arbeitsfreie Tage werden auch LebenspartnerInnen in anderen Lebensformen gewährt.

Den Urlaub für die Schliessung einer Partnerschaft hingegen werden wir dann im nächsten Schritt erkämpfen müssen.»

Diese letzte Forderung deutete – wie viele andere Gleichstellungswünsche auch – darauf hin, dass erst ein eidgenössisches Partnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare jene Grundlage schaffen kann, die zur Erfüllung solcher Postulate nötig ist. Dazu gehörten ebenso die in den Verhandlungsresultaten zum neuen GAV erwähnten, aber (noch) nicht eingeführten Bedingungen für Gleichstellung:

«Lebenspartner, wenn sie seit mindestens fünf Jahren im gleichen Haushalt leben oder einen Partnerschaftsvertrag abgeschlossen haben.»

Bestätigt wurde dieser Tatbestand durch die per Datum des Inkrafttretens des eidgenössischen Partnerschaftsgesetzes erfolgten

«Anpassungen im GAV SBB und GAV Cargo AG sowie den Ausführungsbestimmungen an das Partnerschaftsgesetz ab 1.1.2007».

Darin wurden alle Bestimmungen ergänzt mit dem Zusatz «analog bei eingetragener Partnerschaft», womit der GAV SBB / GAV Cargo volle Gleichberechtigung gewährleistete und als Vorbild gelten konnte (allerdings nur für eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften).

Stand Ende 1999

Nach zwei Jahren konnten die PinkRail News vom November 1999 befriedigt und stolz feststellen: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[16]

«Aus einem kleinen Grüppchen hat sich seit November 1997 ein starkes, voll akzeptiertes berufliches Netzwerk lesbischwuler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den öffentlichen Verkehrsunternehmen in der Schweiz entwickelt, notabene die grösste und einflussreichste im ganzen Land.»

Auch waren Kontakte mit GARE! entstanden, der französischen Schwesterorganisation bei den SNCF, die sich ebenfalls für Fragen gleicher Rechte im Betrieb engagierte. Gegenseitige Besuche aktivierten die Verbindungen.

In derselben News gab das PinkRail-Team seine Zusammensetzung mit teilweise neuen Männern und anderen Tätigkeitsbereichen bekannt. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[17] Das nun dreifach besetzte Ressort Gesellschaftspolitik weist auf diesen Schwerpunkt hin: Max Krieg, Bruno Wullschleger und Erwin Iten waren dafür zuständig. Thomas Gyger blieb Kassier, Andreas Kuoni betreute weiterhin die Website, Stefan Michel die Privatbahnen und Markus Vollack amtete als Sekretär. Bis 2000 waren die PinkRail News bei Thomas Eichenberger, danach bis heute zeichnete Guglielmo Bee dafür verantwortlich.

PinkRail am Christopher Street Day Zürich
PinkRail am Christopher Street Day Zürich (CSD) vom 2. Juni 2007 in der Bahnhofstrasse

Aus den Jahren 2003 bis 2007

Zur Jubiläumsfeier «Fünf Jahre PinkRail» wurden alle Mitglieder und viele illustre Gäste ins Verkehrshaus der Schweiz, Luzern, eingeladen. Thomas Gyger schrieb im Jahresbericht 2003 u.a.:

«Zur Feier des 5-jährigen Bestehens am 22. März 2003 überbrachte der SBB-Vorsitzende Dr. Benedikt Weibel die Grüsse der Geschäftsleitung persönlich. Die Botschaft des obersten SBB-Chefs ist unmissverständlich: Lesben und Schwule gehören zur Bahn. ‹Der SBB-Führung ist es ein Anliegen, die Gleichstellung und Akzeptanz verschiedener Lebensformen und Denkweisen in die Unternehmenskultur aktiv einzubinden. Dazu bedarf es eines offenen Dialogs und den Bruch mit Vorurteilen›, erklärte er weiter. Die SBB unterstützen PinkRail für das Engagement der letzten 5 Jahre mit 3'000 Franken.

An der […] Podiumsdiskussion unter Leitung von Karin Rüfli, Leiterin des Konsumentenforums ‹Espresso› von Radio DRS, diskutierten:

Ernst Leuenberger, Präsident des Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonalverbandes SEV,

Peter Vollmer, Direktor des Verbandes öffentlicher Verkehr VöV

Hannes Wittwer, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Personal der SBB

Barbara Brosi, Vertreterin der Lesbenorganisation Schweiz LOS und

François Baur, Präsident der schweizerischen Schwulenorganisation Pink Cross.

Als absolutes Novum sprachen verantwortliche Leiter von Unternehmen und Gewerkschaften offen und vorbehaltlos an einer Podiumsdiskussion über die Gleichstellung ihrer lesbischen und schwulen Mitarbeitenden oder Gewerkschaftsmitglieder – ein historischer Moment! Sie versprachen, sich künftig sensibler und vehementer für die berechtigten Anliegen von PinkRail einzusetzen.

So erklärte der oberste SBB-Personalleiter, Hannes Wittwer: ‹Schwule und Lesben waren lange Zeit bei der Bahn ein Tabu›. Und sein Angebot: Gemeinsam neue Wege und Möglichkeiten ausloten, damit sich lesbische und schwule Mitarbeitende bei der SBB voll akzeptiert wissen.

Bereits am 2. Oktober 2003 konnten an einem Treffen beim SBB-Personalleiter in Bern ‹Nägel mit Köpfen› gemacht werden. Zur Sensibilisierung der Führungskräfte wie auch der Personaldienste werden verschiedene Unterlagen und Broschüren erarbeitet. Die SBB anerkennen PinkRail als eine ihrer ‹Freizeitorganisationen›, was u.a. bedeutet, dass wir auch künftig mit einer finanziellen Unterstützung rechen dürfen. Diese richtet sich entsprechend unserem Jahresprogramm und der Mitgliederzahl: Je mehr und aktiver wir sind, umso grösser ist der Obolus!

PinkRail engagierte sich auch 2003 in der Mitgliederkommission ‹Lesben und Schwule› des SGB, Schweizerischer Gewerkschaftsbund. Max Krieg übernahm das Co-Präsidium der Kommission. Es wurden verschiedene Gesamtarbeitsverträge auf ihre Aussagen zum Schutz der Persönlichkeit und auf Begünstigungsmöglichkeiten angeschaut. Mit dem künftigen Bundesgesetz für eine eingetragene Partnerschaft sollen lesbische und schwule Paare im Hinblick auf die berufliche Vorsorge Ehepaaren gleichgestellt werden.»

Dazu berichtete Max Krieg in den PinkRail News vom Januar 2004 u.a.: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[18]

«Ausbildungskurse: Die Kommission ist sich bewusst, dass für die aktive Gleichstellung der Lesben und Schwulen in der Arbeits- und Gewerkschaftswelt noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist. Diese kann am besten mit Ausbildung erreicht werden. Die Grundzüge solcher modulartig aufgebauten Ausbildungselemente sind in Vorbereitung.»

Zum Stand der Dinge schrieb Thomas Gyger am 13. Juni 2004 in einem E-Mail-Rundbrief u.a.:

«Bis heute zählt PinkRail rund 160 Mitglieder in der ganzen Schweiz. 10% davon sind Frauen. Wir arbeiten bei [er zählte 16 internationale, nationale, lokale und innerstädtische Betriebe auf] oder sonst einem öffentlichen Transportunternehmen. Einige machen mit, weil sie bei einem Bahnlieferanten arbeiten oder einfach Bahnfans sind.

Der oberste SBB-Boss hat sich letztes Jahr im Verkehrshaus Luzern […] und in der SBB-Zeitung formell zu uns bekannt. Wie viele CEO in der Schweiz stehen öffentlich zu ihren lesbischen Mitarbeiterinnen und ihren schwulen Mitarbeitern? […] Nur eine Gruppe wie PinkRail kann den Lesben und Schwulen eine genügend laute Stimme geben, ist kompetenter Ansprech- und Verhandlungspartner und kann unsere Anliegen über längere Zeit wirkungsvoll vertreten. Denn auch noch 2004 gibt es verbohrte Zeitgenossen, die behaupten, bei der Bahn arbeiten keine Lesben und Schwulen!

Dank dem ‹Stonewall Award› vom Oktober 1998 […] hatten wir bis heute keine finanziellen Probleme. Dieses Geld ist aufgebraucht, doch wir sind noch lange nicht am Ziel! […] Kennst du lesbische Kolleginnen oder schwule Kollegen, welche noch nicht […] dabei sind? Sende diese E-Mail doch zur Information an diese weiter oder gib uns einen Tipp! Je mehr wir sind, desto mehr können wir in Gang bringen.

[…] Für alle Mitglieder, die beim öV (öffentlichen Verkehr) arbeiten, nicht nur jene bei den SBB, setzten wir uns ein, z.B. für die Aushandlung diskriminierungsfreier Gesamtarbeitsverträge oder für verbesserte Bedingungen für unsere Lebenspartner bei den Pensionskassen. Dies können wir nur tun, wenn wir uns auf eine entsprechend grosse Mitgliederzahl berufen können und sich einzelne betroffene Mitglieder aus der jeweiligen Firma persönlich, zusammen mit uns, für unsere gemeinsamen Forderungen einsetzen.

Informiere uns, wenn du von Diskriminierungen in deinem Umfeld hörst! Natürlich vernehmen wir auch gerne positive Meldungen, wenn z.B. eine Firma unseren Anliegen gegenüber wohlwollend begegnet. […]

Informationsaustausch funktioniert natürlich viel einfacher, wenn wir uns persönlich kennen. Im Juli ist bei PinkRail einiges los: […] am 10. Juli die Pride in Genf, am 31. Juli unsere Besichtigung der Kraftwerke Oberhasli (BE) […] oder bereits am 2. Juli der monatliche ‹Stamm› […], diesmal in Zürich. […] Setze Prioritäten und komme! […]»

Im März 2006 berichtete Stefan Michel in den PinkRail News über den GAV der BLS: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[19]

«Am 1. Januar 2006 ist der neue Gesamtarbeitsvertrag der BLS Lötschbergbahn in Kraft getreten. Der Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität und der Lebensform ist darin ausdrücklich festgeschrieben. Dies ist nicht zuletzt das Verdienst von PinkRail. Bereits am 9. November 2004 fand ein Gespräch mit der Leitung der Personalabteilung BLS […] statt. Thomas Gyger und Stefan Michel vertraten das PinkRail-Leiterteam und setzten sich für den Diskriminierungsschutz ein. […] Mit Erfolg – der von PinkRail vorgeschlagene Wortlaut wurde übernommen.»

Die 23. ILGA Weltkonferenz tagte vom 27. März bis 3. April 2006 in Genf. Am Workshop «ILGA und Gewerkschaften» machten auch einige PinkRailer mit, zusammen mit dem Präsidenten von Gare! (Frankreich), Jérôme Bourgerolles

10 Jahre PinkRail

Zum Jubiläum brachte das Pink Cross-Mitgliederblatt Pink Mail eine Gratulationsbotschaft: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[20]

«Seit 10 Jahren kämpft PinkRail für die Gleichstellung lesbischer und schwuler Angestellten in Unternehmen des öffentlichen Verkehrs. Am 24. November wird gefeiert, und zwar mit einer neuen Pioniertat […].

[…] Die pionierhafte Zusammenarbeit PinkRail und SBB findet an der Jubiläumsfeier ihre Fortsetzung. Der Rote Pfeil,* mit dem die Festgesellschaft mit VIP-Gästen der PinkRail Partner-Organisationen im Ausland übers Schweizer Schienennetz braust, ist nicht der einzige Höhepunkt: Die SBB werden anlässlich der Feier die Diversity-Charta für Vielfalt im Unternehmen unterzeichnen.**

Die Charta ist von einer Gruppe in der Westschweiz als Folge eines Seminars der Fachgruppe Arbeitswelt erarbeitet worden. Die deutsche Fassung wurde soeben fertig gestellt. Mit der Charta verpflichten sich die unterzeichnenden Unternehmen, die Vielfalt in der Belegschaft zu fördern und Diskriminierungen von Minderheiten aktiv entgegen zu treten. PinkRail hofft, dass möglichst viele öV-Unternehmen und die Gewerkschaften die Charta ebenfalls unterzeichnen.»

*   Der Rote Pfeil war an der Landesausstellung 1939 in Zürich von aussen und innen zu bewundern, sofern er nicht gerade mit prominenten Gästen unterwegs war. Die damals top-moderne Triebwagenkomposition gilt als Schmuckstück der SBB und kann für Extrafahrten gemietet werden.

** Die Unterzeichnung erfolgte aus verschiedenen Gründen erst später.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Juni 2008