Einsatz fürs Partnerschaftsgesetz - Neue Kräfte
Der Weg zur Gleichstellung
1999
Mit der Wahl von Ruth Metzler (AI, CVP) in den Bundesrat als neue Chefin des Justizdepartements kam Dynamik ins bisher schubladisierte Dossier Partnerschaftsgesetz. Jetzt galt es zu handeln. Mehrmals waren Politikerinnen und Politiker Gäste bei Network-Themenlunchs und hatten sich dabei aufgeschlossen gezeigt. In den Network News Nr. 17/1999
[1] schrieb François Baur: "Die FDP hält Wort: Johannes Matyassy (Generalsekretär der FDP) löst sein Versprechen gegenüber Network ein" und fuhr u.a. fort:
"Nachdem wir uns mittlerweile an grosse Versprechungen gewöhnt haben und nicht unbedingt damit rechen, dass diese auch eingehalten werden (siehe die Hinhaltetaktik des Bundesamtes für Justiz unter dem bisherigen Bundesrat Arnold Koller (AI, CVP) und die Passivität der Regina Aeppli nach ihrer missglückten Wahl zur Zürcher SP-Ständerätin) hat uns die rasche Umsetzung durch den Generalsekretär der FDP positiv überrascht. Nun hat der FDP-Pressedienst in seiner Dezember-Ausgabe den Vortrag von Matyassy bei Network abgedruckt (…) ohne den Text mit Blick auf den etwas anderen Adressatenkreis abzuschwächen (…). Im übrigen bezieht er mit seiner Aussage am Schluss des Textes, seiner Ansicht nach sei auch ein gleichgeschlechtliches Paar in der Lage, einem Kind Geborgenheit, (…) Sicherheit, Ausbildung und Erziehung zu gewährleisten, klar Position für das Adoptionsrecht (…). Dazu kommt nun, dass auch Ständerätin Vreni Spoerry (ZH, FDP) ihr Versprechen (…) eingehalten hat. Am 8. Dezember wollte sie vom Bundesrat im Rahmen einer einfachen Anfrage wissen, bis wann mit der Fertigstellung des (…) Berichts (zur Petition "Gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare" und zur Frage eines Partnerschaftsgesetzes) gerechnet werden darf. (…)
Dieser Einsatz (…) legt den Schluss nahe, dass sich die FDP nach den Grünen und der SP als erste bürgerliche Partei ernsthaft für eine Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Paare als Teil unserer Gesellschaft einsetzt."
Dazu kam in derselben Ausgabe der Network News die Meldung, ebenfalls von François Baur:
[2]
"(…) Wie bereits in der letzten Ausgabe gemeldet, hat der liberale Genfer Nationalrat Jean-Michel Gros (…) eine parlamentarische Initiative eingereicht, welche die Schaffung der notwendigen rechtlichen Grundlagen für eine registrierte Partnerschaft verlangt. (..) Damit umgeht er die schwerfällige Bundesverwaltung. (…) Denn spätestens nächsten Sommer muss das Parlament darüber entscheiden, ob ein entsprechendes Gesetz ausgearbeitet werden soll oder nicht. (…)"
Unter der neuen Führung im Justizdepartement kam die längst fällige Antwort zur Petition "Gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare" rasch zustande und das Parlament konnte sich in der Herbstsession 1999 erstmals dazu äussern.
Um die Wichtigkeit einer positiven Stellungnahme zu demonstrieren, riefen die schwule Dachorganisation Pink Cross, die Lesben-Organisation LOS, Network, die Vereinigung von Freunden, Freundinnen und Eltern von Lesben und Schwulen fels und alle lokalen/kantonalen Gruppierungen zu einer Grosskundgebung in Bern auf.
Sie fand am 18. September 1999 statt. Nach einem frohen, bunten Umzug füllten über 6000 Personen den Bundesplatz. François Baur als Chef der Network-Kommission Politik (Poko) stand mit anderen zusammen auf der Tribüne, befragte Politiker/Politikerinnen und moderierte die Aussagen von Leuten aus dem Publikum wie vor allem auch von Vertreterinnen/Vertretern lesbischer und schwuler Organisationen und von der Vereinigung fels.
GV 1999, ein neuer Präsident, eine neue Regionalgruppe und vier Nationalratskandidaten
Am 13. März fand in Luzern die Generalversammlung statt. Thomas Voelkin berichtete darüber in den Network News
[3] u.a.:
"Im Kultur- und Kongresszentrum (…), das vor seiner Vollendung steht, durften wir im Panorama-Foyer (…) unsere Generalversammlung abhalten. (…) Der neue Vorstand wurde (…) gewählt: Daniel Weber (Bern, bisher), Max Wiener und Richard Ritter (beide Zürich, bisher), Markus Berger (St.Gallen, bisher), Frank Lüdi (Luzern, neu), Hans-Ulrich Hoefle (Zürich, neu). Als siebtes Vorstandsmitglied will der Vorstand einen noch zu suchenden Networker aus der in Gründung begriffenen Regionalgruppe Basel kooptieren. Mit grossem Beifall wurde anschliessend Markus Berger zum neuen Präsidenten (…) gewählt. (…)"
Im traditionellen "Grüezi, liebe Networker" desselben Heftes stellte sich der Präsident vor:
"(…) Schon seit ich Network kenne (…) stelle ich mir die Frage, weshalb es denn Network gibt - und braucht. Welche Gemeinsamkeit uns verbindet und ein Engagement im und für den Verein rechtfertigt. Dass wir alle Männer lieben, ist zwar an sich eine wunderbare Sache, genügt aber sicherlich nicht. Ich denke, es ist vielmehr der Umstand, dass wir alle engagierte Menschen sind, die sich auf vielerlei Weise positiv einsetzen, die gegenüber Gesellschaft und Wirtschaft nicht gleichgültig sind, und die scheinbar darüber hinaus noch Energien verfügen.
(…) Gestattet mir zum Schluss zwei konkrete Ziele zu formulieren:
Wir sollten alle an unserer Kommunikation arbeiten. Und damit meine ich nicht unverfängliches Geplauder (…), sondern sowohl das bewusste Sprechen und Informieren, als auch das gezielte Zuhören, was bedingt, dass man fragt, sich interessiert und sich bekümmert.
Wir wollen den Vorstand nicht so sehr als Führungsgremium sehen, sondern als Dienstleistungsangebot für Mitglieder und Kommissionen. Wir sehen uns als Katalysatoren, die alles, was Network ausmacht, ermöglichen wollen und können. Dabei sind wir aber auf Eure Hilfe angewiesen. Meldet uns Eure Wünsche und Vorschläge, gebt uns Feedbacks und stellt uns Aufgaben. Wir sind für Euch da. Fordert uns - wir freuen uns darauf!"
Auf Seite 14 der Network News Nr. 20/1999 kündigte sich die neue Regionalgruppe an:
"Wir sind überzeugt, es wird gelingen: die triste, karge und himmeltraurige networklose Zeit in der Region Basel gehört ab 19. April 1999 der Vergangenheit an."
Die Gründungsversammlung fand im Gobelinsaal des Hotels Drei Könige statt und möglichst viele Networker aus der ganzen Schweiz waren dazu herzlich eingeladen.
Ein Spezialapero der Poko (Politik-Kommission) am 21. April 1999 im Zürcher Apero-Lokal "Schipfe 16" galt für alle Networker (Network News Nr. 20/1999):
"Die Nationalratswahlen vom Herbst werfen ihre Schatten voraus. 4 Nationalratskandidaten aus Network stehen Red und Antwort. Sie stammen aus verschiedenen Regionen und kandidieren für drei verschiedene Parteien: Claude Janiak, SP, Baselland; Hans-Peter Portmann, CVP Zürich; Peter Püntener, FDP Zürich; Heinz Rub, FDP Bern. Im Rahmen der Veranstaltung kann unseren Kandidaten über die Vertretung schwuler Anliegen auf nationaler Ebene auf den Zahn gefühlt werden."
François Baur stellte diese Kandidaten in derselben Ausgabe vor und setzte den Titel "Nationalratswahlen - kauft nicht die Katzen im Sack!"
[4] Einer der Kandidaten, Peter Püntener, war Co-Präsident der für Mai 2000 projektierten EuroGames in Zürich, der europäischen "Olympiade" für lesbische und schwule Sportler.
Ernst Ostertag, Juni 2008



