Kontakte zur deutschen Partnerorganisation vk, Völklinger Kreis - Die Generalversammlung
Der Weg zur Gleichstellung
1998
Von Anfang an gab es enge Verbindungen zwischen den beiden Schwesterorganisationen, dem schweizerischen Network und dem deutschen Vöklinger Kreis (vk). Man pflegte aber nicht nur schriftlichen Gedankenaustausch, sondern Mitglieder besuchten einander einzeln oder in Gruppen. Auch ganze Programme wurden gestaltet und gemeinsam durchgeführt. Ein langes Wochenende kündete beispielsweise Network News für die Zeit vom 8. bis 10. Mai 1998 an:
[1]
"(…) vk zu Besuch in Zürich. Während wir im vergangenen Jahr der Regionalgruppe Frankfurt ein zauberhaftes Wochenende bescheren durften, haben wir uns für dieses Jahr Grösseres vorgenommen: der gesamte Süddeutsche Raum (Regionalgruppen Stuttgart, Bodensee, Freiburg und München) werden von uns angesprochen (…).
Sicher ist heute schon:
- Wir brauchen wieder viele charmante Gastgeber aus Zürich und Umgebung für ebensolche Gäste. (…)
- Am Freitagabend gibt es einen Begrüssungscocktail bei Jan Willem zu Hause.
- Am Samstag werden wieder zwei Programme zur Auswahl stehen.
- Zum Abschied wird ein Brunch am Sonntag offeriert. (…)
Für Kommission vk-Besuch, Vincenzo Paolino"
Vom 18. bis 20. September 1998 war Network zu einem Gegenbesuch wiederum in Frankfurt eingeladen. Später dehnten sich solche offizielle Besuche (nebst den privaten) teilweise zu gemeinsamen Wandertagen oder Skiwochen aus. Nicht zuletzt entstanden dabei fruchtbare geschäftliche Verbindungen.
Die dritte Generalversammlung und die Gründung des "Fonds Max", 1998
Laut Bericht von Peer Rosenkranz in den Network News
[2] trafen sich am Samstag, 7. März 1998 neunzig Networker und Interessenten im Berner Rathaus zum Äusseren Stand. Anwesend waren auch je zwei Gäste von Genius (NL) und aus dem vk (D), darunter vk-Präsident Franjo Körner.
"Eine längere Diskussion ging um das Thema 'Sonderfonds Max' - die Bereitstellung von Mitteln für die politische Arbeit mit Öffentlichkeitseffekt, z.B. Lobbying, Medienpräsenz u.v.m. (…) Nun haben wir also den 'Fonds Max', der uns ermöglicht, rasch zu handeln, wenn Taten gefragt sind. An der Geldquelle soll's nicht liegen. (…) 20'000 Franken sind schon mal vom Vereinsvermögen fest vorgesehen (…). Da wir keine Erhöhung des Mitgliederbeitrages beschliessen, bleibt noch genügend Raum für Spenden (…).
Auch die Internet-Kommission bekam ihre Mittel zugesprochen, um die Webseite mit einem Passwort-Kontrollsystem ausbauen zu können. (…) Eine Idee von der Retraite in Brunnen.
Unter den Ideen aus Brunnen befand sich auch der zukünftige Managerpreis von Network, was die GV befürwortete. In Zukunft gibt es (…) den Preis für gayfreundliches Unternehmertum in der Schweiz. (…)"
In seiner Begrüssungsrede erwähnte der Präsident, Jan Willem van Lynden, u.a. die gute Zusammenarbeit von Network mit Pink Cross und LOS, die auch in der Anfrage zum Ausdruck komme, ob der Networker François Baur für den Pink Cross-Vorstand kandidieren wolle (von 2000-2004 war er Präsident von Pink Cross) . Wörtlich sagte Jan Willem, zitiert aus den Network News:
[3]
"Es ist wichtig, die Verbindung zwischen Network und Pink Cross zu pflegen und es macht Sinn, dass gerade der Vorsitzende der politischen Kommission von Network im Vorstand von Pink Cross mitwirkt. Denn er ist bestens informiert über die Anliegen unserer Politiker und kann diese bei Pink Cross einbringen. (…)"
An anderer Stelle bemerkte er nicht ohne berechtigten Stolz:
"Zweieinhalb Jahre Network, drei Regionen und zehn Kommissionen, in denen sich fast die Hälfte der Mitglieder und Interessenten aktiv beteiligen."
Am Schluss der Rede kam er auf das 1997/98 durch Network ausgelöste Presseecho und die Stiftung Stonewall zu sprechen:
"Beachtung fand Network auch in den Medien. L'Hebdo, Die Weltwoche und vor kurzem Facts berichteten über schwule Themen. Es war bis jetzt ausserordentlich schwierig, Networker zu finden, die sich zur Verfügung stellen, um offen mit Journalisten zu sprechen. Ich verstehe es. Ich weiss, wie mir mulmig war, als Name und Foto von mir vor etwa sechs Jahren in der Bilanz erschienen. Dieter Achtnich und Thomas Peter stellten sich für Interviews zur Verfügung. Ich danke euch dafür und gratuliere zu den Artikeln, die daraus resultierten. Hoffentlich habt ihr möglichst vielen für die Zukunft ihre Angst genommen.
(…) Letztes Jahr beschloss Pink Cross, eine eigene nationale Schwulenstiftung zu gründen, nachdem es nicht gelungen war, sich mit der Stiftung Stonewall zu einigen. Wir haben mit beiden Kontakt aufgenommen und sie wieder an den Verhandlungstisch zusammengeführt. Am 25. Februar 1998 fand die abschliessende Sitzung statt. Die Stiftung Stonewall erhält nationalen Charakter, was sich in der Zusammensetzung des Stiftungsrats manifestieren soll. Die Mittelbeschaffung wird professionalisiert. Pink Cross hat Vorschläge für neue Stiftungsratsmitglieder eingebracht. An der GV von Pink Cross wird der Vorstand vorschlagen, keine eigene Schwulenstiftung zu gründen. Stonewall ist mit dem Wunsch an uns herangetreten, einige Networker für den Stiftungsrat vorzuschlagen.
Unsere Arbeit ist politisch, unsere Aufgabe ist sozial, unser Einsatz ist ehrenamtlich. (…)"
Eine Grussbotschaft sprach auch Franjo Körner und erwähnte dabei EGMA, die European Gay Manager Association:
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"Wenn auch der politische Anspruch von EGMA im Moment nur von zwei Schultern getragen wird, nämlich von Network und dem VK - auf ein stärkeres Engagement von Genius hoffen wir noch - so bin ich sicher, dass durch die erfreulichen Entwicklungen in Frankreich und Österreich bald neue aktive Mitglieder für EGMA heranwachsen."
Im Nachmittag, nun Tradition bei allen späteren Generalversammlungen, waren kulturelle Programme und für den Abend ein festliches Diner an exklusivem Ort arrangiert worden. Auch das schuf Tradition: Verantwortlich für die gesamte Gestaltung war ein von der Regionalgruppe eingesetztes Organisationsteam. Diesmal bestand es aus dem Leiter der Berner Gruppe, Daniel Weber, seinem Lebenspartner Alex Leusink und anderen Berner Mitgliedern: Franz Baumberger, Robert Wyss, Martin Schweizer, Toni Stoss, Christian Schmid und Heinz Rub. Zum Kulturprogramm, wozu ein Besuch im Kunstmuseum Bern mit seiner Ausstellung "Die Blaue Vier" gehörte, äusserte sich Peer Rosenkranz im GV-Bericht u.a.: (veröffentlicht in den Network News)
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"Da Network tagte, wurde die Ausstellung (um eine Woche) verlängert, wovon natürlich auch die Bundeshauptstadt profitieren konnte. (…) Ein herzliches Dankeschön an Museumsdirektor und Networker Toni Stoss, der uns diesen Einblick in eine kaum bekannte Facette der Klassischen Moderne ermöglichte. Durch seine fachkundige Führung und die zweier versierter Kollegen bekamen wir einen besseren Blickwinkel auf das 'Kleeblatt' Feininger, Jawlensky, Kandinsky und Klee.
Dass man im Alter von 90 Jahren noch so manchen jungen 'Schnösel' in die Tasche stecken kann und kein Blatt vor den Mund nehmen muss, bewies uns der schwule Professor Alphons Silbermann. Um 17 Uhr konnten wir seine Lebensgeschichte und seine unkonventionelle Sicht auf die Dinge erfahren, sei es zum Thema Homosexualität oder sei es zur Gesellschaft allgemein: Die Gesellschaft sollte sich dahingehend entwickeln, dass sie nicht mehr auf die bisherige Perspektive des 'anormalen' Schwulen verweist, sondern des Schwulen 'Andere Art, normal zu sein' endlich erkennt. Wobei die Überzeugungsmühen bei eingefleischten Schwulenhassern vergeudete Energie bedeute. Die Ehe könne nie eine Institution der Schwulen sein, denn sie sei eine sakrosankte Einrichtung der heterosexuellen Gesellschaft. Jedoch ist es des Schwulen Recht, für eine juristische Gleichstellung durch eine registrierte Partnerschaft zu kämpfen. (…)"
Laut den Network-News
[6] genehmigte der Vorstand am 27. April das Reglement des "Fonds Max". Der Name geht auf Max Wiener zurück, welcher nicht nur die Idee für einen solchen Fonds lanciert hatte, sondern dessen Realisierung auch gleich mit einer grosszügigen Spende anstiess, sodass viele andere möglichst gleichziehen mussten. Hinzuzufügen ist, dass Max Wiener stets betonte, "Fonds Max" stehe für "maximal" und für nichts sonst. Dieselbe Ausgabe der Network News erwähnte, dass ein Spezialkonto eröffnet worden sei:
"Alle Networker, die an der Generalversammlung ein Spendenversprechen gemacht haben, erhalten in den nächsten Tagen mit separater Post einen Einzahlungsschein. Auch diejenigen, welche nicht an der Generalversammlung dabei waren, sind zu Spenden aufgerufen. Wir werden in den nächsten News das Postcheckkonto bekanntgeben."
Im Oktober 1998 publizierte Network News
[7] die Zusammensetzung des Vorstandes und gab bekannt, dass der Verein nun 157 Mitglieder zähle. Nebst Jan Willem van Lynden als Präsident amtete Daniel Weber als Vizepräsident und Marcello Gantenbein als Aktuar. Dazu kamen drei weitere Vorstandsmitglieder: Max Wiener, Richard Ritter und Rob Lengacher.
Aus der Fülle aller in den nächsten 10 Jahren von Network durchgeführten Aktionen sollen nur einige skizziert werden. Obschon die Mehrzahl kulturelle, gesellige, sportliche Veranstaltungen von allgemein informativer Art waren und sich an Mitglieder und Gäste richteten, weisen die ausgewählten Beispiele auf Tätigkeiten und Ereignisse politischer Art hin, weil sie für die Schwulengeschichte bedeutsamer sind.
Ausführungen im Bereich Partnerschaftsgesetze im Kanton ZH und in der Schweiz
Ernst Ostertag, Juni 2008

