Sie sind hier: Inhalt » 8. Hin zur Gleichstellung » Selbstbewusste Vereine » Network » Jüngste Geschichte

Zur jüngsten Geschichte von Network

Der Weg zur Gleichstellung

2008

Von total 293 Mitgliedern nahmen 108 an dieser 12. Generalversammlung teil. Sie fand in der Villa St. Charles Hall, Meggen bei Luzern statt. Die GV bestätigte den bisherigen Vorstand und wählte Oliver Fritz zum neuen Präsidenten, wobei Thomas Peter als Alt-Präsident im Vorstand verblieb.

Die Vernetzung und das starke Engagement von Network kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass der Verein Mitglied internationaler Verbände und Vereinigungen ist und einzelne Vereinsmitglieder wichtige Posten in solchen und auch nationalen Gremien bekleiden.

Der Networker Angelo Caltagirone amtet als Präsident der European Gay and Lesbian Manager Association (EGMA). Zudem ist er Vice Chairman der International Gay and Lesbian Chamber of Commerce (IGLCC) mit Sitz in Montreal. Oliver Fritz vertritt Network in der International Lesbian and Gay Association (ILGA), Pierre-André Rosselet wirkt als Co-Präsident von Pink Cross, Thomas Peter ist Kontaktperson zur Vereinigung von Eltern und Freundinnen/Freunden von Lesben und Schwulen (fels) und Daniel Bruttin, Mitbegründer des Pink Apple Filmfestivals, ist Geschäftsführer der Aids-Hilfe Schweiz (AHS). Am ganz anderen Ende der Vereinsangebote und Network-Tätigkeiten findet sich das nicht minder wichtige und seit Jahren bestehende, vom Arzt Axel Crone geleitete Care Team, welches nebst Vortragsreihen in den Regionalgruppen zum Bereich Gesundheit (z.B. Burn-out, Aids-Prävention, Depression) auch einzelnen Mitgliedern auf Anfrage Hilfe und Beratung anbietet.

Über die IGLCC und ihren First Annual Congress vom 25. bis 27. April 2008 in Montreal informierte Angelo Caltagirone an der Generalversammlung in Meggen bei Luzern, zitiert nach den Network News vom April 2008 Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[1]: "zurzeit sei viel in Bewegung, man dürfe erwarten, dies habe positive Auswirkungen in unserem Sinne auf die europäischen Institutionen, insbesondere auf eine Nichtdiskriminierungsklausel."

In den Network News vom Juni 2008 Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[2] wurde in zwei Artikeln (je d und frz) konkreter auf die Internationale schwul-lesbische Handelskammer IGLCC eingegangen. Verfasser waren Angelo Caltagirone zusammen mit Marion Gross von Wybernet (Lesbische Business-Frauen Schweiz) und Manfred Wondrak von der österreichischen Schwesterorganisation zu Network, den Austrian Gay Professionals (agpro): 

"Die IGLCC wurde 2006 gegründet (…). Sie ist das weltweit grösste LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual & Transgender) Business-Netzwerk mit derzeit 17 Mitgliedsorganisationen aus 14 Ländern. Sie bietet darüber hinaus auch spezielle Mitgliedschaften für Unternehmen, die Zugang zum globalen LGBT-Markt erhalten möchten.

Über 150 Teilnehmer aus verschiedenen Ländern trafen sich, um über LGBT-Fragen zu tagen. Im Rahmen des Kongresses wurde auch die Generalversammlung der IGLCC gehalten.

'Schon mehr als 55 Millionen LGBT KonsumentInnen mit einer Kaufkraft von 2100 Milliarden USD repräsentiert die IGLCC (…). Das entspricht etwa dem gesamten Bruttosozialprodukt von Grossbritannien', berichtete stolz Pascal Lépine, Generalsekretär der IGCC, bei der Eröffnung des Kongresses. Die beeindruckenden Zahlen stammen aus einer von der IGLCC beauftragten Studie über die 'Pink Power' ihrer Mitgliedsländer, die beim 'First Annual Congress' (…) präsentiert wurde. 'Unser Netzwerk reicht nun von Neuseeland über Europa bis nach Nordamerika. Mittlerweile sind auch die ersten Konzerne wie IBM und ING Group der IGLCC beigetreten', ergänzte Lépine. (…)

Der Anlass hat (…) vor allem die Notwendigkeit gezeigt, international verknüpft zu sein, um die bestmögliche Resonanz zu erzielen und Projekte zu betreiben, die der ganzen LGBT-Community zu Nutze kommen. Die Aktivitäten der IGLCC und ihrer Mitglieder gehen weiter und das nächste Rendez-vous ist beim Second European Summit in London vom 19. - 21. September 2008. Wie immer wird Network dabei sein, um seine Stimme im internationalen Szenario zu erheben und seine Rolle als einer der führenden schwulen Organisationen in Europa wahrzunehmen."

Zum neuen Präsidenten, Oliver Fritz, brachten die Network-News in der Ausgabe vom Juni 2008Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[3] ein Interview, das Thomas Voelkin geführt hatte:

"(…) TV: Letztes Jahr wurden wir vom Bischof von St. Gallen empfangen, dazu war die St. Galler Regierungspräsidentin Karin Keller-Suter bei uns an der GV. Im Jahr davor empfing uns Claude Janiak im Bundeshaus, das war, als Mitglied von Network, zwar eher Interna, aber immerhin, er war der höchste Schweizer in jenem Jahr. Ich weiss von keinem Verein, der mehr offizielle Aufmerksamkeit bekommt. Wie arriviert sind wir?

Oliver Fritz: (…) Wir sind heute wirklich ein wichtiger Faktor in der Schweizer Gesellschaft. (…)

TV: Wir haben es geschafft, die Schwulenpolitik, die früher eher bei den linken Alternativen angesiedelt war, als ein bürgerliches Anliegen zu etablieren. (…)

Oliver Fritz: (…) Thomas Peter hat als Präsident von Network in den letzten Jahren viele Gelegenheiten genutzt, in den Medien mit sehr gescheiten Statements und brillanten Reden unser Anliegen - die Akzeptanz unserer Lebensform - als etwas darzustellen, das eigentlich selbstverständlich ist. Es ist vor allem sein Verdienst, dass die Öffentlichkeit uns als Ansprechpartner sieht.

Wir haben heute einen ordentlichen Zugang zu den Behörden und Repräsentanten des Staates. Doch wir dürfen nicht erwarten, dass das selbstverständlich ist. (…) Lobbyarbeit fordert jedes Mal einen vollen Einsatz. Man kann nicht einfach einen Status erarbeiten und dann meinen, alles gehe in Zukunft fast von alleine. (…) Alle schwullesbischen Organisationen haben ihre Aufgaben und sie haben spezifische Zielgruppen. (…) Wir ergänzen uns (…). Wir teilen uns die Aufgaben - und davon gibt es genug für alle!"

Gast an der Generalversammlung in Meggen war die Luzerner Ständerätin Helen Leumann-Würsch (FDP). Sie hielt eine bemerkenswerte Willkomm-Rede und führte dabei u.a. aus, zitiert nach den Network News vom April 2008 [_]:

"(…) Als Vorbereitung für meine Ansprache habe ich Ihre Webseite studiert. Ich nehme es vorweg. Es ist beeindruckend, was Sie in den (…) Jahren seit Ihrem Bestehen alles erarbeitet haben.

(…) Die Politik in unserem Land ist zurzeit von harten Auseinandersetzungen in einem vergifteten Klima geprägt. Vielfach hören die politischen Partner einander gar nicht mehr zu.

Im harten Schlagabtausch werden Positionen bezogen und stur verteidigt. Das beschäftigt und ärgert mich. Man ist nicht mehr bereit, aufeinander zuzugehen und Lösungen zu suchen. (…) Einander zuhören und aufeinander zugehen sind für die Politik in unserem Land lange Zeit bestimmende Werte gewesen. Heute laufen wir Gefahr, diese Werte leichtfertig über Bord zu werfen.

Die Schweiz ist eine Willensnation. Alles würde dafür sprechen, dass das Zusammenleben von Menschen mit vier Sprachen, verschiedenen Religionen und unterschiedlichen Kulturen nicht funktionieren kann. Aber das Gegenteil ist der Fall.

(…) Die Geschichte der Schweiz ist eine Geschichte der Integration, der gegenseitigen Rücksichtnahme und des Ausgleichs. Auch wenn das Klima rauer geworden ist, müssen wir diese politische Kultur bewahren.

(…) Wir wissen aus der Geschichte, wohin es führen kann, wenn Menschengruppen aufgrund ihrer Andersartigkeit an den Rand gedrängt und isoliert werden. Wir müssen in Politik und Gesellschaft gegen Ausgrenzungen aller Art kämpfen.

Das heisst nicht, dass wir zu allem Ja und Amen sagen müssen. Es rächt sich aus Erfahrung, wenn Probleme totgeschwiegen, verdrängt und unter den Teppich gewischt werden.

(…) Als Kaderorganisation setzen Sie sich für Grundrechte ein und fordern deren volle Akzeptanz. Im Speziellen engagieren Sie sich für die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung schwuler und lesbischer Lebensformen. Ihr Einsatz umfasst aber gemäss Ihrem Leitbild alle Bereiche der Gesellschaft: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Soziales.

Sie haben in den letzten Jahren das gelebt, was mir wichtig ist. Sie haben sich zusammengeschlossen, um für Ihre Sache zu kämpfen. Sie pflegten dabei einen offenen Stil. Sie gehen auf Ihre Partner zu. Sie erklären und überzeugen.

(…) An verschiedenen Stellen auf Ihrer Webseite habe ich aber auch gelesen, dass es Ihnen bewusst ist, dass es nun nicht Zeit ist, sich zurückzulehnen. Politik ist permanente Auseinandersetzung. Erste Erfolge dürfen nicht satt machen und lähmen. (…)

Sie schreiben dort auch, dass die politische Arbeit ein bestimmender Pfeiler von Network ist. Sie erarbeiten Thesen und Stellungnahmen zur aktuellen Politik. Und Sie schlagen Brücken zu Parteien und Organisationen. Für diesen Einsatz danke ich Ihnen. Die Schweiz braucht Ihr Engagement als Führungskräfte, damit wir gemeinsam vorwärts kommen.

(…) Ich habe mich darüber gefreut, heute bei Ihnen zu sein und Ihnen kurz darzulegen, wie ich Politik verstehe und was mich bewegt. Wer sich kennt, versteht sich besser. Und gegenseitiges Verständnis wird auch in Zukunft wichtig sein - für uns alle. (…)"

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Juni 2008