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Einige Strukturen und Angebote von Network

Der Weg zur Gleichstellung

 

Das Vereinsorgan Network-News

NETWORK NEWS - Für schwule Führungskräfte, Pour les cadres gays
NETWORK NEWS - Für schwule Führungskräfte, Pour les cadres gays, Zeitschrift des Vereins NETWORK

Nr. 1 erschien, nach zwei Vornummern 0 und 00, im August 1997. Bis 2006 gab es zehn bis elf Ausgaben pro Jahr, 2007 wurde die Anzahl auf sechs beschränkt. Im Oktober 2008 kam Nr. 100 heraus.

Die Zeitschrift berichtete immer über gesamtschweizerische Aktivitäten und über Anlässe in den Regionalgruppen, stellte einzelne Mitglieder vor und orientierte über wichtige Veränderungen in ihrem Leben, brachte schwulenspezifische Nachrichten/Neuigkeiten aus der Schweiz und aller Welt, war ein Forum für Präsentationen von Firmen (etwa mit Diversity-Struktur), mitgliedereigenen Unternehmen und Angeboten einzelner Mitglieder an alle anderen «Business-NETWORKing». Sie bot zudem Raum für literarische, kulturelle, schwulengeschichtliche Berichte, Beiträge oder Betrachtungen und wies auf Ereignisse im Spektrum schwuler Interessen hin (Publikationen, Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen, Filme, Theater- und Musik-Aufführungen sowie CSD/Pride und ähnliche Veranstaltungen im In- und Ausland).

Nr. 1, gab bekannt, wie potentielle Neumitglieder (Interessenten) durch andere Mitglieder (Göttis, Paten), einzuführen seien: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[1]

«Die ‹Göttis› sollen dem Interessenten den Einstieg erleichtern, ihn mit Network und seinen Mitgliedern bekannt machen und als Ansprechpartner bei Fragen und Anliegen zur Verfügung stehen. Gegenseitige Kontakte bei Network-Anlässen oder im privaten Rahmen sollen einerseits dem Interessenten Network näher bringen, andererseits dem Paten ermöglichen, sich ein Bild über seinen ‹Göttibueb› zu verschaffen. Denn letztlich muss der Pate mit seiner Unterschrift die Unterstützung einer Aufnahme bekräftigen, und dieses ‹Einstehen› für jemand darf nicht allzu leicht genommen werden.»

Dieselbe Nr.1 lud u.a. zu einem Konzertbesuch an den Musikfestwochen in Luzern ein und zu einer «Mondnacht-Wanderung» im Berner Oberland (Schynige Platte – Faulhorn – Grindelwald). Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[2] Sie wies auch auf ein Wochenende auf dem Monte Verità ob Ascona hin, das nun mit entsprechendem Begleitprogramm im März 1998 stattfinden werde. Die damals bestehenden drei Regionalgruppen zeigten ihren regelmässigen Apéros um 18.30 an: Bern jeden Dienstag im privaten «Espace» am Bollwerk 21, nahe beim Hauptbahnhof, Luzern ebenfalls jeden Dienstag in der «Cheminée Bar» im Hotel Baslertor und Zürich jeden Mittwoch im «Cranberry», der einschlägigen Bar an der Metzgergasse im Niederdorf.

Das Impressum nannte u.a. die Redaktionsgruppe:

«Peer Rosenkranz (Leitung), Beat Bachmann, Remo Peter, Markus Berger, Thomas Voelkin (Gestaltung und Terminkalender), Rolf Welti».

Bis Nr. 16 blieb es so. Mit Nr. 17 vom Januar 1999 übernahm Walter Hirt die Leitung und auch Markus Reck trat neu zur Gruppe, während von den bisherigen Remo Peter, Thomas Voelkin und Rolf Welti weitermachten. Ab Nr. 28 vom Januar 2000 führte (bis heute) Thomas Voelkin als Leiter das Team. Etwas später im selben Jahr kamen Max Wiener und Ernst Ostertag hinzu. In Nr. 98 vom Juni 2008 führte das Impressum ausser dem Leiter Thomas Voelkin folgende Personen an: Martin Blanke (Internet/Intranet), Daniel Bruttin (Aids, Gesundheit), Uwe Ditzen (Buchbesprechungen), Charles Héritier (Französische Texte), Ernst Ostertag (Schwulengeschichte) und Remo Peter (Illustrationen).

Themenlunch – Themenapéro

Schon bald nach der Gründungsversammlung nahm man Kontakt auf mit der deutschen Schwesterorganisation vk (Völklinger Kreis). Franjo Körner, ihr Präsident, war im Januar 1996 geschäftlich in Zürich und man konnte ein gemeinsames Mittagessen organisieren. Er berichtete dabei von der Entstehung und Entwicklung des vk und sprach über Ziele und Organisation eines Vereins für schwule Führungskräfte.

Aus dieser Begegnung entstand spontan die Idee der Themenlunches: Spezielle Persönlichkeiten kennen lernen und über aktuelle Themen informieren. Das sollte Zweck dieser Veranstaltungen sein, die sich an Mitglieder und Interessenten richteten.

In Zürich traf man sich nun ab April 1996 regelmässig über Mittag im Bahnhofbuffet «Au Premier» zum Themenlunch.

Zweiter Gast war Nationalrat Elmar Ledergerber (SP), damals auch Mitglied des Direktoriums der Zürcher Kantonalbank, bis Mai 2009 Zürcher Stadtpräsident. Bis zum 26. November 1998 gab es 25 solche Treffen mit Künstlern und Fachleuten aus der Medizin, Politik, Justiz, dem Sport und den Medien. Am 21. Januar 2002 entstand mit dem ersten Club Dinner eine neue Tradition.

In Bern kam es zu Themenapéros über «Menschenrechte – Ziel oder Opfer der Aussenpolitik?» und «Das Coming-out der Wörter, schwule Literatur heute» mit Christoph Geiser.

Ab 2004 etablierten sich in einzelnen Regionen gewisse Apéros mit Zusatzprogramm. In Zürich heissen sie bis heute «Apéro plus». Dabei wurde der reguläre Apéro um ein gemeinsames Nachtessen oder eine Kurzveranstaltung verlängert: Vorstellung von Neumitgliedern, Vortrag/Interview mit einem Gast, wichtige vereinsinterne Berichterstattung. Auch konnte ein besonderes, meist kulturelles Programm den Apéro ganz ersetzen, etwa ein Ausstellungsbesuch mit anschliessendem Essen oder eine gemeinsame Exkursion.

Die Club Dinners

Erstes Club Dinner, 21. Januar 2002 mit David Streiff, Direktor des Bundesamtes für Kultur (BAK)
Erstes Club Dinner des Vereins NETWORK am 21. Januar 2002

Die Tradition «Themenapero in Bern» bzw. «Themenlunch in Zürich» in irgendeiner Weise wieder neu zu beleben, war manchen Mitgliedern, vor allem den langjährigen, ein immer wieder diskutiertes Anliegen. Dank Initiative und den guten Verbindungen von Beat Schlagenhauf gelang es, eine ähnliche Tradition für Networker aller Regionen an einem wunderbaren Ort auf neue, exklusive Weise zu etablieren. Per 21. Januar 2002 wurde unter dem Namen «Club Dinner» zur ersten dieser festlichen Veranstaltungen geladen. Zwischen Vorspeise und Hauptgang, war in der Folge das Referat eines bekannten und zu «uns» gehörenden Gastes angesagt. Diesmal war es David Streiff, Direktor des Bundesamtes für Kultur (BAK), der aus seinen vielfältigen Tätigkeiten zunächst als Leiter des Filmfestivals von Locarno bis 1994, dann des BAK erzählte.

Bereits am ersten Abend versprach der Name «Club Dinner» zum Inbegriff eines Top-Anlasses zu werden, an dem auch genügend Zeit und Raum für Begegnungen und persönliche Gespräche zur Verfügung stand. Bald erschienen so viele Networker an die Club Dinners, dass sie drei verfügbare Räume füllten.

Am zweiten Anlass vom 8. April 2002 sprach Professor Udo Rauchfleisch zum Thema «Gleichgeschlechtliche Partnerschaften – neue Modelle für die Gesellschaft».

Ab dem nächsten Treffen erzählte nicht mehr der Gast allein von sich und seinen Tätigkeiten oder wählte ein Vortragsthema, es führte nun ein professioneller Moderator eine Art Interview-Gespräch mit ihm, wobei auch Persönliches aus seinem Leben und Coming out mit einbezogen wurden. Diese Tradition eröffnete am 10. Juni 2002 der heutige Networker Kurt Aeschbacher als Gast-Moderator mit Tyler Brûlé zum Thema «Tyler's World» (in englischer Sprache).

Bis Frühjahr 2008 gab es 13 solche Anlässe stets am selben Ort und im selben festlichen Rahmen. Gäste im Gespräch mit Kurt Aeschbacher waren u.a.:

Heinz Spoerli und das Zürcher Ballett, mit einer Ballett-Probe im Opernhaus vor dem Dinner (16. Juni 2003)

Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin (19. September 2003)

Alfred Biolek (25. Oktober 2004)

Claude Nobs, Initiator und Leiter des Jazz-Festivals von Montreux (13. Juni 2005)

Claude Janiak, damals Nationalratspräsident (15. Mai 2006)

Rosa von Praunheim nach der mittäglichen Sondervorführung seines jüngsten Films «Meine Mütter» in einem der Arthouse Kinos von This Brunner (7. Mai 2008)

Klaus Wowereit bei Network
Klaus Wowereit, der regierende Bürgermeister von Berlin zu Besuch bei Network, 19.9.2003. v.l.n.r. Jörn Kubicki, Beat Schlagenhauf, Klaus Wowereit, Max Wiener, Claude Janiak und Saverio Verrascina

Retraiten – Situations-Analyse und neue Zielsetzungen

Die ab Nr. 1 der Network News regelmässig angekündigte zweite Retraite (die erste fand kurz nach der Gründung statt) konnte am Wochenende vom 8./9. November 1997 mit 38 Teilnehmern durchgeführt werden. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[3] Die Retraiten dienten und dienen stets der gesellschaftlich/politischen und vereinsinternen Situations-Analyse, dem Erkennen neu anzustrebender Ziele, dem Finden von dazu adäquaten Strategien und der Schaffung jener Aktivgruppen, welche die gewonnenen Erkenntnisse in einem bestimmten Zeitrahmen umsetzen. Dies unter Leitung von während der Retraite bestimmten Verantwortlichen, welche laufend den Vorstand orientieren. Weitere Retraiten – stets im selben Hotel am selben Ort – organisierte der Verein in den Jahren 2000 Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[4] und 2005. Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[5]

Maximilian Eisen schrieb in seinem Bericht zur Retraite 1997 u.a.: Öffnet internen Link im aktuellen Fenster[6]

«Bei idealem Wetter haben wir uns Samstagmorgen um 9.00 im Hotel Waldstätterhof in Brunnen (SZ) versammelt, um die Zukunft des Networks zu erörtern und zu formulieren. Das wunderschöne Hotel mit atemberaubendem Blick auf Urnersee und Gebirge besitzt grossartige Säle und gepflegte Zimmer […]. Planer, Organisator, Moderator und auch sonst toller Typ, Dieter Achtnich, verdient grosses Lob. […]

Die Themen, die Networker Herzen bewegten, waren vielfältiger Natur. […] Es wurde viel und kontrovers diskutiert […]. Dieter sorgte dafür, dass wir (meistens) auf dem Boden der Realität blieben und kanalisierte das Brainstorming in klar definierte Strukturen mit genauer Zielsetzung und konkreten Inhalten, rief zur Bestimmung von Themen-Verantwortlichen auf und machte auf Zeitpläne aufmerksam. Die nötigen Veränderungen werden also kommen, die Wahl der für die einzelnen Themen verantwortlichen Realisatoren gibt Gewähr dafür. Es ist deshalb zu erwarten, dass im Verlaufe des ersten Halbjahres 1998 Lobbying und Öffentlichkeitsarbeit soweit entwickelt werden, dass kein wichtiges Medium, kein bekannter Politiker mehr sich um das Thema Schwulendiskriminierung drücken kann. Da wird die Gruppe Kommunikation – Öffentlichkeitsarbeit – Lobbying schon dafür sorgen. Wir hoffen auch, dass wir die Westschweizer und Tessiner Freunde einbinden können in den Kampf um eine anständige nichtdiskriminatorische Formulierung des im März 1998 im Parlament zur Debatte stehenden bekannten Öffnet internen Link im aktuellen FensterArtikels der neuen Bundesverfassung. […]

Als Zwischeneinlage gab es […] einen leicht benebelnden Besuch beim Kirsch- und Schaumwein-Hersteller Dettling in Brunnen.»

Die Leiter dieser Retraite, Dieter Achtnich und Thomas Peter, gestalteten auch die späteren Retraiten in Brunnen zu nachhaltig wirkenden, anstrengenden und zugleich unvergesslichen Anlässen.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterErnst Ostertag, Juni 2008