Newsletter 16

April 2011

Diese Ausgabe enthält folgendes Thema:

  • Kolumne: Alfred Brauchli

   

Alfred (Fredi) Brauchli

Alfred Brauchli 2002

Fredi Brauchli / Fredy und Röbi Rapp (links)

Alfred Brauchli / Fredi und Röbi Rapp (links). 21. Juli 2002 im Zimmer von Fredi im Altersheim, Zürich

Urheber
Fotograf: Ernst Ostertag
Herausgeber
Besitzer: Sammlung E. Ostertag/R. Rapp, Zürich
Rechte
© E. Ostertag und R. Rapp, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 0332
Alfred Brauchli / Fredi und Röbi Rapp (links)

eos. Am 24. April vor einem Jahr ist er gestorben, kurz nach seinem 94. Geburtstag.

Angefangen hatte dieses Leben in ärmlichem Umfeld; die Sekundarschule blieb unerfüllter Traum, weil das Geld für gebrauchte Schulbücher fehlte. Damals stellte der Kanton Thurgau Schulmaterialien nur für die Primarstufe gratis zur Verfügung. Der Junge, begabt und kräftig, verdiente sich sein Geld selber, kaum hatte er das dazu vorgeschriebene Alter. Er wurde Pfleger, zunächst im Spital, später in der Psychiatrie. Als Seniorenliebender zog es ihn zur Altenpflege. Nie wollte er an exponierter Stelle stehen. Doch es kam anders.

Mit 25 (1941) lernte er den damals berühmten Schauspieler Karl Meier / Rolf kennen. An seiner Seite wurde Fredi zu einer wichtigen Person im KREIS.

Im November 1942 ging er mit der dritten Ärzte- und Pflegermission des Schweizerischen Roten Kreuzes an die Ostfront, wo er die Zeit der deutschen Niederlage von Stalingrad und die endlosen Rückzüge bis ins Polnische Krakau erlebte.

1946 arbeitete Fredi in einer psychiatrischen Privatklinik. Sein Patient war der berühmte Tänzer Waclaw Nijinsky, mit dem Sergej Diaghilew Werke wie Petruschka, Feuervogel, Le sacre du printemps, L'après-midi d'un faune in Paris zur Uraufführung gebracht hatte. Nijinskys Frau bat Fredi, mit nach London zu kommen, wo er den kranken, umnachteten Mann bis fast zum Tod (1950) pflegte.

Ab 1955 arbeitete Fredi im Krankenheim, später Pflegezentrum Käferberg, Zürich. Dort wurde er Stationschef. Als Karl Meier / Rolf nach 1970 pflegebedürftig wurde und schliesslich hospitalisiert werden musste, nahm er ihn in seine Station und betreute ihn bis zum Tod (1974).

Mehr über die Erfahrungen dieses stillen schwulen Menschen, der fast das ganze 20. Jahrhundert mit seinen Schrecken, der Ausgrenzung und Ausnützung, den Bemühungen um Akzeptanz und dem schliesslichen Durchbruch hautnah miterlebte (er war dabei, als die Ausstellung zum KREIS im Landesmuseum, Mai 2000, eröffnet wurde, er besuchte uns am Fest der ersten Schwulenhochzeit, Zürcher Stadthaus, 1. Juli 2003) - mehr zu Fredi Brauchli