Newsletter 27

März 2012

Diese Ausgabe enthält folgende Themen: 

  • Kolumne: Emil Oprecht
  • Neue Vorstandszusammensetzung
  • Hacker-Angriff

    

Emil Oprecht (1895-1952)

Emil Oprecht

Emil Oprecht, 1895-1952

Dr. Emil Oprecht, 1895-1952. Ab 1938 erster Verwaltungratspräsident der Neuen Schauspiel AG und Inhaber des Verlages Oprecht. Foto: NZZ, 10.10.1952, Nachruf auf E. Oprecht. Quelle: Graphische Sammlung.

Urheber
Urheber: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Zentralbibliothek, Zürich (ZB)
Rechte
© ZB
Sammlungs Nr.
ID: 0040
Dr. Emil Oprecht, 1895-1952

eos. Er war der Bruder des bekannten SP-Nationalrats Hans Oprecht (Nationalrat 1925-1963). Und wie dieser war auch er den Gewerkschaften verbunden und erkannte sehr früh die drohende Gefahr der deutschen Nazi-Barbarei und ihrer Mitläufer in der Schweiz, die man "Fröntler" nannte (vgl. Nationale Front).

In seiner Buchhandlung an der unteren Rämistrasse beim Bellevue setzte er am 10. Mai 1933 ein deutliches Zeichen: Viele der damals von den Nazis in Berlin öffentlich verbrannten Bücher stapelte er im Schaufenster zu einem Scheiterhaufen.

1925 hatte er einen Verlag gegründet. Nun brachte er die Bücher jener Autoren heraus, die von den Nazis geächtet wurden und deren Werke sie auf dem Berliner Opernplatz verbrannt hatten. Oprechts Wohnung am Hirschengraben 20 wurde bald zu einem der wichtigsten Treffpunkte für exilierte Künstler und Intellektuelle. Pikanterweise lag sie in unmittelbarer Nähe des reichsdeutschen Konsulats.

Doch der Hitler-Staat rächte sich. Er belegte Oprechts gesamtes Verlagsprogramm mit dem Index, was jeden Verkauf verunmöglichte, und er setzte ein Kopfgeld von 100'000 Mark auf den unbotmässigen Verleger.

1938 kam das Zürcher Schauspielhaus in die Krise, weil sein Direktor, eine Jude, in die USA emigrierte. Nazi-Sympathisanten wollten die Bühne übernehmen. Zusammen mit einigen Politikern gründete Emil Oprecht nun die Neue Schauspiel AG und wurde deren kaufmännischer Direktor und Verwaltungsratspräsident. Er holte Oskar Wälterlin als künstlerischen Leiter ans Theater. Damit begann die berühmte Zeit der grossen und einzig nichtzensurierten Aufführungen in deutscher Sprache (vgl. Newsletter 21 vom September 2011).

Oprecht war verheiratet. Seine Frau Emmy spielte eine gewichtige Rolle in Verlag und Buchhandlung sozusagen als Innenministerin des Unternehmens. Sie pflegte vielfältige Beziehungen zu Autoren und Exilanten, darunter auch mit der Schauspielerin Therese Giehse, zu welcher laut gewissen Quellen eine intime Freundschaft bestand.

Ihren Gatten Emil andererseits verband eine Liebesbeziehung mit dem um 22 Jahre jüngeren Bertie (Albert) Wolf.

Bertie war Architekt und Couturier. Nebst diesen Tätigkeiten trat er als Tänzer, Sänger und Travestie-Künstler im KREIS und an den grossen KREIS-Bällen auf.

Nach dem frühen Hinschied Emils - er jährt sich 2012 zum 60. Mal - lebte Bertie weiter mit Emmy Oprecht zusammen und kümmerte sich um alles, was sie zum täglichen Dasein brauchte. Viele, auch nahe Freunde hielten Bertie für den Sohn der Oprechts.

Mehr dazu in den folgenden drei Unterkapiteln: Bertie Wolf, Emil Oprecht und Emmy Oprecht-Fehlmann

  

Neue Vorstandszusammensetzung

mt. Vorletzten Monat, am 18. Januar 2012, fand die ordentliche Generalversammlung unseres Vereins schwulengeschichte.ch statt. Dabei wurden auch der Vorstand und insbesondere das Präsidium neu bestellt. Rolf Trechsel ist als Präsident zurückgetreten. Der aktuelle Vorstand besteht derzeit aus Ernst Ostertag (Präsident), Röbi Rapp (Kassier), Stephan Inderbitzin (Webwork) und Marcel Tappeiner (Projektleitung). Zudem wurden unsere beiden Revisoren Franz Freuler und René Forster in ihrem Amt bestätigt.

Allerdings wird die aktuelle Vorstandsbesetzung nicht von allzu langer Dauer sein. Die laufenden Revisionsarbeiten sollen noch im ersten Halbjahr 2012 abgeschlossen werden. Eine Leibildkommission erarbeitet derzeit Grundlagen für die zukünftige Ausrichtung des Projekts schwulengeschichte.ch. Sobald diese Arbeiten abgeschlossen sind, soll das Leitbild an einer ausserordentlichen Generalversammlung in Kraft gesetzt werden. Zudem ist es unsere Absicht, dann auch den Vorstand personell zu verstärken und so die weitere Entwicklung der Website und des Vereins anzugehen.

Neue Statuten

Ebenfalls an der letzten Generalversammlung wurde eine überarbeitete Version der Vereinsstatuten verabschiedet. Insbesondere bei den institutionellen Mitgliedern wurden einige strukturelle Vereinfachungen vorgenommen. Für die bisherigen Mitglieder ändert sich dabei nichts Entscheidendes. Interessierte können die aktuelle Version der Statuten hier downloaden.

  

Hacker-Angriff

si. Vermutlich bereits anfangs 2012 wurden die Web-Installationen von graycom (u.a. Webworker von schwulengeschichte.ch) gehackt. Entdeckt wurde Angriff allerdings erst anfangs Februar, weil plötzlich unerklärliche Fehlermeldungen beim Absenden von Formularen auftauchten. Der angerichtete Schaden betraf viele ausführbare Dateien, denen ein Schadcode angehängt wurde.

Dank aktiver Unterstützung des "Abuse Teams" des Webhosters und des Core-Teams von TYPO3 konnte das angerichtete Chaos innert nützlicher Frist eliminiert werden, sodass die Website schhwulengeschichte.ch nur 3.5 Tage offline war.

Es lässt sich leider nicht genau feststellen, wer der oder die Hacker waren. Die Angriffe können aber auf zwei IP-Adressen zurückgeführt werden: eine in Italien (fastwebnet.it) und eine in den USA (Indiana Department of Education, Education Networks of America).

Ein solcher Frontalangriff öffnet natürlich Tür und Tor für viele Spekulationen bis hin zu Verschwörungstheorien, wie der folgende humoristische Kommentar eines Kunden und Abonnenten dieses Newsletters zeigt:

"Ich bin sicher, dass der Angriff von einigen übereifrigen Mitarbeitern des Heiligen Stuhls durchgeführt wurde. Sie meinten wohl, damit ihre eigene Homosexualität in den Griff zu kriegen, was aber bis jetzt kläglich gescheitert ist. Ich werde den Heiligen Geist bitten, diesen Schwulenhassersumpf endlich trocken zu legen. Angeblich sollen sich darin auch einige arbeitslos gewordene Mitarbeiter des ehemaligen italienischen Premierministers suhlen. Die Mafia war es aber bestimmt nicht, denn der ist es scheissegal, in welcher ihrer Ärsche das Geld gestopft wird."

Allerdings ist eher zu vermuten, dass es Hacker-Kiddies waren, die ihre Skills auch an den Web-Installationen von graycom ausprobierten.