Newsletter 30

Juni 2012

Diese Ausgabe enthält folgendes Thema: 

  • Wie es vor 30 Jahren zur Gründung der HuK (Schweiz) kam

    

Wie es vor 30 Jahren zur Gründung der HuK (Schweiz) kam

Christus-Johannes-Gruppe

Christus-Johannes-Gruppe aus Sigmaringen, Konstanzer Kunstkreis 1310–1320

Christus-Johannes-Gruppe aus Sigmaringen. Konstanzer Kunstkreis 1310-1320. Erschienen im 'Kreis' 4/1952.

Urheber
Künstler: Konstanzer Kunstkreis
Herausgeber
Besitzer: Deutsches Museum Berlin
Rechte
© erloschen
Sammlungs Nr.
ID: 0373b
Christus-Johannes-Gruppe aus Sigmaringen

eos. Die Geschichte der HuK (Homosexuelle und Kirche) handelt von gleichgeschlechtlich Liebenden, die zugleich gläubige Christen sind und das auch bleiben wollen. Doch ihr Wollen stösst auf Widerstand und Ausgrenzung seitens der Kirchen und vieler Christen. Das ist die Grundsituation. Sie wird weiter ausgeführt in Vorgeschichte, wo es um die Übersicht geht. Denn die Geschichte der HuK nimmt viel Platz ein.

Warum? Weil diese religiös aktiven Menschen als zugleich praktizierende Homosexuelle jenen zentralen Standpunkt der christlichen Tradition in Frage stellen, aus dem die jahrhundertealte Ächtung hervorging und immer noch hervorgeht. Gemeint ist die Spaltung von Liebe und Sexualität in ein Fühlen und Handeln, das der "Schöpfungsordnung" entspreche und darum sanktioniert sei und in ein "ausserhalb der Ordnung" stehendes und daher sündhaftes Lieben und Tun. Das Kapitel Schöpfungsordnung versucht dieser Spaltung nachzugehen. Denn so wird die emanzipatorisch wichtige Geschichte der HuK-Bewegung mit ihrem meist schwierigen Umfeld verständlich.

Einer der beiden HuK-Gründerväter fand Inspiration in Amerika, wo er Gottesdienste einer reformierten Schwulen-Kirche besuchte und an Treffen schwuler Katholiken teilnahm. Das sollte auch in der Schweiz möglich sein, dachte er bei seiner Rückkehr 1981.
Ein Jahr später schrieb der andere Gründervater einen Leserbrief, unterzeichnet mit "ein homophiler Christ". Er war erstaunt, dass sein Aufruf im Blatt der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Bern tatsächlich abgedruckt wurde. Denn sein Anliegen war, eine neu zu schaffende homosexuelle Christengruppe solle

  • das Gespräch mit der Kirche suchen und
  • das Evangelium unter Homosexuellen verkünden ohne diese ändern zu wollen.

Es gingen über 40 Zuschriften von Interessierten ein. Eine davon hatte der Rückkehrer aus den USA verfasst. Dieser Mann übernahm nun das Zepter und lud zur Gründungsversammlung der HuK ein. Sie fand am 25. April 1982 in Bern statt. Ort war die Lukas-Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche. In der Einladung stand u.a.

"Wir wollen, dass homosexuelle Menschen, inkl. Christen, in der Ganzheit ihrer Person auch ihre Sexualität leben können und sie nicht verleugnen und verdrängen müssen."

Ein Jahr später kam es zur Gründung der HuK Zürich und nochmals ein Jahr danach formierte sich die HuK Basel.

Doch dem kleinen Christen-Grüpplein stellte sich - wie ihren Vorgängern in den Römischen Katakomben - sofort die Realität der Ausgrenzung entgegen. Als die Leute der Lukas-Kapelle von der eigentlichen Natur ihrer Mitbewohner Wind bekamen, schmissen sie sie raus. Ähnliches geschah später immer mal wieder. Das aber stärkte den Zusammenhalt, den Elan, den Mut und die ganz grosse Hoffnung.

Mehr zu dem, was damals geschah: HuK VorgeschichteErste JahreHuK Bern1. Mitgliederversammlung