Newsletter 49

Januar 2014

Diese Ausgabe enthält folgendes Thema: 

  • Kolumne: Adolf Brand (1874-1945)

      

Adolf Brand

Adolf Brand

Adolf Brand, 1874-1945.

Urheber
Foto: Foto-Studio Jaro von Tucholka, Berlin
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0015a
Adolf Brand, 1874-1945

Adolf Brand (1874-1945)

eos. Zum 140. Jahr seiner Geburt soll diesem Pionier der Schwulen-Emanzipation gedacht werden. 1896, als 22jähriger, gründete er die erste homoerotische Zeitschrift überhaupt. Er gab ihr den Namen Der Eigene und war auch ihr Herausgeber. Diese Publikation wurde später zum Vorbild für die schweizerische Zeitschrift Der Kreis - Le Cercle - The Circle.

Brand lebte in Berlin. Da er sowohl schriftstellerisch wie als Fotograf und Verleger tätig war und Zugang zu Künstlerkreisen hatte, war Der Eigene von Anfang an ein Heft homoerotisch geprägter Kunst und Kultur und keine Zeitung. Rasch wurde diese Publikation bekannt und weit herum geschätzt; die einzelnen Jahrgänge gab es auch gebunden zu kaufen. Jede Nummer enthielt viele Illustrationen, teilweise auch ganzseitige Kunstdruck-Bilder. Über 38 Jahre (bis 1932) erschien Der Eigene mehr oder weniger regelmässig. 1903 schuf Adolf Brand aus dem Kreis der Abonnenten eine Organisation, die "Gemeinschaft der Eigenen".

Als Karl Meier, der junge Schauspieler aus dem Kanton Thurgau und spätere Leiter des KREIS ins damals noch sehr grosse Preussen ging, um sich an kleineren Theaterhäusern engagieren zu lassen (ab 1927/1928, denn: "nur an kleinen Häusern lernst du das Metier gründlich und nur in Deutschland die Sprache"), da fiel ihm Brands Zeitschrift in die Hände. Er nahm Verbindung auf und bald entstand eine Vater-Sohn ähnliche Freundschaft mit dem 23 Jahre Älteren. Unter Anregung dieses Freundes schrieb Karl Meier auch einige Texte für Der Eigene.

Brand war eine autoritäre Persönlichkeit, die sich dem nationalen Deutschtum verbunden fühlte und starke Sympathien hatte für die eben aufkommenden, der "freien Natur" verbundenen Jugend-, Sport- und Wander-Bewegungen. Viele seiner Fotografien zeigen nackte Jungs aus diesem Umfeld, zu dem teilweise auch die Gemeinschaft der Eigenen gehörte. Und solche Bilder setzte der Fotograf Brand regelmässig in seine Zeitschrift.

Er konnte aber auch ein zu allem entschlossener Kämpfer sein. Als erster Mensch outete Brand andere, die er für schwule Duckmäuser oder Verklemmte hinter homophober Maske hielt. Er schreckte dabei selbst vor Hochgestellten nicht zurück. Beweisen konnte er nichts und so kam es zum Gerichtsurteil: 18 Monate Gefängnis wegen Verleumdung.

Schon früh durchschaute Brand die Gefahr, die von den anfänglich kleinen nationalsozialistischen Agitationszirkeln und Schlägertrupps ausging. Er beobachtete genau ihren Aufstieg und stellte 1932 das Erscheinen seiner Monatsschrift Der Eigene ein. Im selben Jahr befahl er auch "seinem Schweizer", Karl Meier, zurückzukehren und alles mitzunehmen, was bald für immer verloren gehen werde. "Nimm diese Flamme mit, entzünde sie neu im freien Land und vielleicht kannst du sie einmal wieder in ein freies Deutschland zurücktragen." Die Flamme wurde zum Signet des KREIS und dessen Zeitschrift. Der Kreis - Le Cercle mass sich am grossen Vorbild Der Eigene.

Adolf Brand schützte sich klug. Er veröffentlichte den weltweit ersten Bild-Band von nackten Männern und Jünglingen unter dem Titel "Die deutsche Rasse". Dieser Name ging bei der Zensur durch. Alle Aufnahmen stammten von ihm. Die Nazis schonten zwar den Menschen Brand, konfiszierten aber seine sämtlichen Materialien, das Foto-Archiv und alle Restbestände. Damit war er bankrott. Das Ende des Terrors und des Krieges erlebte Brand tragischerweise nicht. Im Februar 1945 traf eine Fliegerbombe sein Haus. Karl Meier / Rolf schrieb einen Nachruf ins Kreis-Heft vom November 1946. Erst so spät hatte er die Nachricht vom Tod seines Freundes erhalten.

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