Newsletter 50

Februar 2014

Diese Ausgabe enthält folgende Themen: 

  • Kolumne: Die Boldern-Tagungen vor 40 Jahren
  • Steuerbefreiung für Ihre Beiträge an schwulengeschichte.ch
  • Besucherstatistik: Fünf-Jahres-Vergleich

      

Die Boldern-Tagungen vor 40 Jahren: Erstes gemeinsames Going Public

Marga Bührig

Marga Bührig, 1915-2002

Marga Bührig, 1915-2002, mit Teilnehmern an einer Boldern-Tagung zum Thema Homosexualität. Erschienen im hey, 10/1981.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0157
Marga Bührig, 1915-2002, mit Teilnehmern an einer Boldern-Tagung zum Thema Homosexualität

eos. Ausgerechnet kirchliche Kreise boten den erst zwei Jahre alten Homosexuellen Arbeitsgruppen (ZH, BS, BE und der noch jüngeren SG) sowie der sechsjährigen Schweizerischen Organisation der Homophilen/SOH erstmals eine gemeinsame Plattform. Vertreter beider Konfessionen hatten "Probleme der Homophilie" als Thema gewählt für ein Wochenende der Begegnung im Evangelischen Tagungs- und Studienzentrum Boldern ob Männedorf (ZH). Die Einladung richtete sich an schwule und lesbische Gruppierungen und an "aufgeschlossene" Pfarrer, Diakone, Gemeindehelferinnen und -helfer, Sozialarbeiter, Ärzte, Juristen, Lehrer. Die Tagungen waren an sich schon eine Überraschung und brachten überraschende Einsichten und Erfahrungen.

Vor allem Mitglieder der HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich) bereiteten sich sorgfältig auf das Treffen vor. Sie sahen die Herausforderung und die Chance. Es war die Zeit nach den 1968er Umbrüchen, der kirchlichen Erneuerung im Vatikanischen Konzil und der noch immer andauernden sexuellen Befreiung. Die Verantwortlichen von Boldern und der katholischen Paulus-Akademie wollten die Lage nutzen, um den lange Verfemten die Hand zu reichen und die starre Fixierung auf "Sodoms Sünde" in den eigenen Reihen infrage zu stellen.

Es war ein Versuch und es brauchte Mut auf allen Seiten. Und es meldeten sich weit mehr Teilnehmer an als erwartet. Die Tagung vom 26./27. Januar 1974 wurde deswegen am 22./23. März wiederholt. Trotzdem waren die Veranstalter enttäuscht. Ihre Rechnung des Brechens alter Vorurteile ging nicht auf. Denn zwei Drittel aller Anwesenden waren Homosexuelle. Es hätte umgekehrt sein müssen. So blieben die "Betroffenen" quasi unter sich.

Für genau diese "Betroffenen" hingegen wurde die Tagung zum Erfolg. Einerseits entlarvten sie das Denken der Veranstalter, die wohlmeinend unterschieden zwischen "unverschuldeten, unkorrigierbaren" und "heilbaren, nicht fixierten" Homosexuellen. Für Schwule und Lesben war dieses Denken ein Weiterfahren in den alten Schienen der Vorurteile. Statt Sünde hiess es nun Krankheit, schön aufgelistet in schuldfreie dauernd Betroffene und Behandelbare, denen Führung zur "Wiedereingliederung" anzubieten sei. Dieser Ansatz wurde mit aller Schärfe zurückgewiesen. Andererseits merkten die Vertreter der diversen Gruppierungen, dass sie von aussen als Einheit wahrgenommen wurden und sich gemeinsam durchsetzen konnten.

Das war ein starkes Erlebnis. Eine Folge davon war das Bemühen um eine Dachorganisation aller kantonalen Arbeitsgruppen. Im Dezember desselben Jahres kam es zur Gründung der gesamtschweizerischen HACH. Auf Boldern erlebten die Teilnehmer aber auch, dass ihr Hauptanliegen für jeden einzelnen und für jede Gruppe dasselbe war: der Durchbruch zur gesellschaftlichen Gleichberechtigung. Dieses Ziel konnte nur über das gemeinsame Heraustreten aller homosexuellen Organisationen erreicht werden, und zwar als Heraustreten in die Öffentlichkeit.

Das ergab sich aus allem, was im Vorfeld und während des Verlaufs der ersten Boldern-Tagung geschah - und bei der Rückbesinnung nach der Tagungs-Wiederholung. Mit dem allmählichen Überwinden von Vorurteilen und in den Gesprächsrunden mit Boldern und Paulus-Akademie fanden sich Themen und Vorgehensweisen für weitere Tagungen. Es entstand eine Tradition, die schliesslich 29 Jahre anhielt.

Mehr dazu:

Tagungsort Boldern und alle sechs Unterkapitel
Tradition Boldern und die acht Unterkapitel für besonders Interessierte

  

Steuerbefreiung für Ihre Beiträge an schwulengeschichte.ch

wg. Der Verein schwulengeschichte.ch ist durch Verfügung des Kantonalen Steueramts Zürich neuerdings steuerbefreit (Staatssteuer, allgemeine Gemeindesteuern, direkte Bundessteuer). Daher sind grundsätzlich sämtliche Zuwendungen (im gesetzlichen Rahmen Art. 33a DBG/§ 32 lit. b StG) abzugsfähig. Auf Verlangen senden wir Ihnen gerne eine Spendenbestätigung.

Ihre Spende erreicht uns über das folgende Konto:

Verein schwulengeschichte.ch
8000 Zürich
Postcheckkonto 85-160557-0
IBAN: CH25 0900 0000 8516 0557 0

Sämtliche finanziellen Mittel aus Mitgliederbeiträgen, Spenden und Sponsorenbeiträgen werden dazu verwendet, um die Website am Leben zu erhalten (Web-Hosting) und ständig weiter zu entwickeln (inhaltliche Korrekturen und Ergänzungen, Bearbeitung und Platzierung von neuen inhaltlichen Bereichen).

Mit der Einzahlung einer Spende bezeugen Sie Ihre Solidarität mit unserem Verein. Aus einer solchen Zahlung entstehen weder Rechte noch Pflichten. Zuwendungen (Privat-, Firmen-, Geburtstagsspenden, Spenden im Trauerfall, Legate) können in unbestimmter Höhe geleistet werden und berechtigen in den meisten Kantonen zu Steuerabzügen.

  

Besucherstatistik: Fünf-Jahres-Vergleich

Besucherstatistik: Fünf-Jahres-Vergleich

.

Urheber
Herausgeber
Besitzer:
Rechte
©
Sammlungs Nr.
ID:

sbj. Der Fünf-Jahres-Vergleich der Besucherstatistik unserer Website zeigt, dass der monatliche Durchschnitt seit 2011 stabil bleibt.

Dass sich die anfängliche hohe Zahl von monatlich 4000 Hits (Juni-Dezember 2009) nicht halten konnte, war vorauszusehen. Aber dass sich die Anzahl der Besucher seit 2011 bei ca. 2600 Hits pro Monat hält und sogar leicht steigt, freut uns natürlich.

Gerne hoffen wir, dass sich die Website schwulengeschichte.ch weiterhin gleicher oder noch höherer Beliebtheit erfreuen kann.