Prolog

 

 

Bernhard Vogelsanger in cooler Pose

Bernhard Vogelsanger

Bernhard Vogelsanger in cooler Pose. Bernhard Vogelsanger besass nie einen Auto- oder Motorrad-Fahrausweis. Vermutlich 1970er Jahre. Quelle: Verein Bernhard Vogelsanger.

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Foto: unbekannt
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Sammlungs Nr.
ID: 2095
Bernhard Vogelsanger in cooler Pose
Bernhard Vogelsangers Garderobe

Mützen und Jacken

Garderobe. Bernhard Vogelsanger liebte es, sich auch im Alltag zu verkleiden, sammelte Mützen, Gürtel, Jacken – auch ein paar Fetisch-Utensilien. Quelle: Verein Bernhard Vogelsanger.

Urheber
Foto: unbekannt
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Sammlungs Nr.
ID: 2096
Garderobe
Gilet und Leopardenhose

Ausstellung im Musée Visionnaire

Gilet und Leopardenhose. Das Zürcher Museum stellte im Frühjahr 2019 zahlreiche Bühnenbilder von Bernhard aus, aber auch ein paar seiner Klamotten. Verein Bernhard Vogelsanger.

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Verein Bernhard Vogelsanger
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Besitzer: Verein Bernhard Vogelsanger
Rechte
© Verein Bernhard Vogelsanger
Sammlungs Nr.
ID: 2096a
Gilet und Leopardenhose
Bernhard Vogelsanger am Flohmarkt

Bernhard Vogelsanger

am Flohmarkt. Bernhard Vogelsanger, hier noch ohne Toupet, trug nach seiner Pensionierung fast ausschliesslich Kleider aus zweiter Hand. 1980Er-Jahre. Quelle: Verein Bernhard Vogelsanger.

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Sammlungs Nr.
ID: 2097
am Flohmarkt

In Schwamendingen, wo er wohnte, und überall dort, wo er in Zürich auftauchte, kannte man ihn vom Sehen, lange bevor Ihn Nikolaus Wyss im August 1988 in einer Titelgeschichte des Magazins porträtierte. Der gelernte Dekorateur Bernhard Vogelsanger (1920-1995) war eine auffällige Erscheinung. Mit seiner Hakennase, seinem schwarzen Toupet und seinem schwarz gefärbten Seehundschnauz hatte er etwas zigeunerhaft Verwegenes an sich. Und etwas Theatralisches, was seine Klamotten, seine Gestik und seine leicht salbungsvolle Sprechweise noch unterstrichen. Der kleine Mann mit dem Bauchansatz liebte es, im Alltag in verschiedene Rollen zu schlüpfen, wenn er im Migros einkaufen ging oder den Kanzlei-Flohmarkt nach Kleidern oder Requisiten absuchte. Manchmal gab er sich als Rocker, manchmal als Punk, manchmal als Ledermann, manchmal gab er sich femininer in einem Leopardenmuster-Kostüm. Ohne dass ihm dies bewusst war, zelebrierte er mit seinem Erscheinungsbild ein permanentes Coming-out, lange bevor dieser Begriff zum allgemeinen Wortschatz gehörte.

Über seine Vergangenheit sprach Bernhard kaum. Der Schreibende war während Bernhards letzten sechs Jahren mit ihm befreundet. Einige Menschen gingen ihm aus dem Weg. Er erschien ihnen zu sonderbar oder auffällig - dazu gehörten auch Schwule, die sich mit ihm in der Öffentlichkeit nicht kompromittieren wollten. Verstehen konnte er das nicht. Für ihn war die Art seines Auftretens völlig normal. Schliesslich war er weder aufmüpfig noch in irgendeiner Weise radikal, im Grunde war er ein braver, rechtschaffener Bürger. Dass er als schwuler Mann identifiziert werden konnte, kümmerte ihn nicht. Mit seiner sexuellen Orientierung war er ohnehin im Reinen: keine Selbstverständlichkeit für einen Mann seiner Generation.

An seinen Arbeitsstellen wurde er akzeptiert und geschätzt, wie ehemalige Arbeitskolleg*innen berichten. Einerseits überzeugte er als Dekorateur mit seinem Gestaltungstalent, andererseits soll er einfach ein angenehmer Kollege gewesen sein. So hatte er als Schwuler kaum Probleme und konnte durchgehend bis zu seiner Pensionierung arbeiten.

Nur ein kleiner Kreis von Insidern wusste, welch einzigartiges und künstlerisch hochstehendes Gesamtkunstwerk Bernhard im privaten Rahmen schuf. Im kleinen Kinderzimmer seiner Schwamendinger Genossenschafts-Dreizimmerwohnung betrieb er das wohl kleinste Musiktheater der Welt: Bernhards Teatro.

Wie es dazu kam und wie das alles vonstattenging, beschreibt Nikolaus Wyss in seinem Magazin-Artikel auf liebevolle und unterhaltsame Weise. Der Publizist lebte in den 1970er-Jahren in Schwamendingen und hatte, bevor er den Artikel schrieb, bei Bernhard mehrere Aufführungen besucht. Als Mitbegründer der einstigen Zeitschrift "Der Alltag" interessierte sich Wyss besonders für Phänomene des Alltags und für Aussergewöhnliches, das sich hinter Menschen und Mauern versteckt.

Wir danken Nikolaus Wyss, dass er schwulengeschichte.ch sein Porträt von Bernhard Vogelsanger kostenlos zur Verfügung stellt. Ebenso danken wir dem Fotografen Emanuel Ammon für die Fotos aus dem Jahr 1988.

Christian Wapp, März 2020