Rasante Entwicklung der Filmtechnik

René Hubert mit Kostüm für "Father Takes A Wife"

René Hubert mit Kostüm für "Father Takes A Wife"

Arbeiten für den Film "Father Takes A Wife" von Jack Hively, 1941 . Für den Comeback-Film der Swanson entwarf René Hubert 18 Kostüme, Hollywood 1941. Nachlass René Hubert.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Nachlass René Hubert
Rechte
© Associated Press
Sammlungs Nr.
ID: 2117
Arbeiten für den Film "Father Takes A Wife" von Jack Hively, 1941
Gloria Swanson

Gloria Swanson

Glamour Shot von Gloria Swanson in "Father Takes A Wife" von Jack Hively, 1941. Kostüm: René Hubert. Auf russisch getrimmt: Gloria Swanson in einem üppigen Blaufuchs, Hollywood 1941. Nachlass René Hubert.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Nachlass René Hubert
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 2118
Glamour Shot von Gloria Swanson in "Father Takes A Wife" von Jack Hively, 1941. Kostüm: René Hubert

Um Karriere zu machen, hätte René Hubert zu keiner besseren Zeit nach Hollywood übersiedeln können. Im Laufe der 1920er-Jahre beginnt ein Filmstudio nach dem andern, Kostümabteilungen aufzubauen. Noch in den 1910er-Jahren, als vor allem Slapstick-Komödien gefragt waren, sollten die Kostüme höchstens den Anforderungen von turbulenten Szenen gewachsen sein. So überliessen die Studios die Wahl der Kostüme den Darstellern. Meist trugen sie vor den Kameras ihre privaten Kleider - oder sie deckten sich vorab bei Kostümverleihern oder Theatern ein.

Diese behelfsmässige Beschaffung von Garderoben genügt den Qualitätsansprüchen der Filmschaffenden bald nicht mehr. Sie fordern, dass Farben, Formen, Muster und Kontraste präzis auf die bildtechnischen Möglichkeiten der Kameras und des Filmmaterials auszurichten sind. Wer als Kostümbildner im Film reüssierten will, muss sich mit den filmtechnischen Rahmenbedingungen auseinandersetzen und fähig sein, damit auf kreative Weise umzugehen. Stilsicherheit, Kenntnisse der Modegeschichte und Gespür für Trends gehören dabei zu den Grundvoraussetzungen.

Wegen der rasanten Weiterentwicklung der Filmtechnik ab den 1920er- und 1930er-Jahren stehen die Designer ständig vor neuen Problemen und haben darauf eine Antwort zu finden. Eine der fundamentalsten Veränderungen bewirkte die Umstellung vom Stummfilm zum Tonfilm Ende der zwanziger Jahre. Auf bisher oft verwendete Materialien mussten die Kostümbildner ab sofort verzichten, weil einzelne Stoffe oder Juwelen rascheln und beim Bewegen die Stimmen der Schauspieler übertönen1. Die sich fortwährend verbessernde Farbfilmtechnik, mit der ab Mitte der 1930er-Jahren experimentiert wird, verlangt von den Designern wiederum laufend neue optische Anpassungen.

In den Anfängen des Farbfilms ist das Farbfilmmaterial noch ein knappes Gut. Oft müssen Filmproduktionen kurz vor oder während Dreharbeiten von Farbe auf Schwarzweissfilm umstellen, weil Farbfilmmaterial nicht zu beschaffen ist. Das hat zur Folge, dass sämtliche Kleider neu geschneidert werden müssen, um den neuen Begebenheiten gerecht zu werden. Hätte René Hubert nicht all diese Hürden gemeistert, wäre er im Filmgeschäft kaum weitergekommen. 

Christian Wapp, September 2020

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Auf unterhaltsame, aberwitzige und liebevolle Weise erzählt das Filmmusical "Singing in the Rain" (1950), mit welchen Widrigkeiten die Filmleute am Anfang des Tonfilms zu kämpfen hatten. Der Film von Stanley Donen und Gene Kelly mit Gene Kelly, Debbie Reynolds, Donald O’Connor, Jean Hagen und Cyd Charisse gilt als Meisterwerk der Filmgeschichte. Die Musik stammt von Nacio Herb Brown und Al Goodhart, die Kostüme von Walter Plunkett. Das Drehbuch schrieb das legendäre Autorenpaar Betty Comden und Adolph Green.