1985

AHS-Publikationen

... am 2. Juli und danach

Die ausführliche Fassung der Pressedokumentation vom 2. Juli 1985 orientierte auf sieben Seiten detailliert über dieselben Punkte wie die Kurzfassung.

Dazu kam ein "Informationsblatt für testpositive Personen", worin es Hinweise gab sowohl auf diverse Beratungsstellen wie bei der Aids-Hilfe Schweiz (AHS) selber:

"Rufen Sie dort an, oder schreiben Sie uns. Wir sichern Ihnen volle Diskretion zu - Sie können uns Ihren Namen auch verschweigen. Ihre Erfahrungen mit medizinischen Stellen interessieren uns. Wir wären deshalb froh, wenn Sie uns diese mitteilen könnten. Vielen Dank."

Dann folgte eine Liste der schwulen Beratungsstellen in Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, Winterthur und Zürich mit dem Hinweis, dass dort Vertrauensärzte bekannt seien, die anonyme Durchführungen des Tests garantieren würden. Eine weitere Liste von medizinischen Kontaktstellen für anonyme Tests in Basel, Bern und Zürich kam hinzu, samt Angaben von Telefonsprechstunden in diesen drei Städten und in Genf und Lausanne.

Eine zusammenfassende generelle Lagebeurteilung gab die Eidgenössische Fachkommission für Aids-Fragen des Bundesamtes für das Gesundheitswesen (BAG) ebenfalls an der Pressekonferenz vom 2. Juli 1985 bekannt:

"[...] Neue Infektionen kann man schon heute verhindern, es braucht dazu allerdings in den meisten Fällen gewisse Einschränkungen des Verhaltens, insbesondere des Sexualverhaltens. [...]

Homosexuelle, als von der Krankheit stark betroffene Gruppe, haben sich intensiv mit diesem Problem auseinandergesetzt. Die ausgearbeiteten Empfehlungen und gemachten Erfahrungen haben auch für Heterosexuelle ihre Gültigkeit. Personen der anderen Risikogruppen, vor allem Drogensüchtige und Prostituierte, sollten [...] intensiv aufgeklärt werden. Das Bundesamt für Gesundheitswesen, die Eidgenössische Fachkommission für Aids-Fragen und die Aids-Hilfe Schweiz werden speziell die in den USA gemachten Erfahrungen bei weiteren Massnahmen gebührend berücksichtigen."

Schliesslich verschickte die AHS/ASS/AAS (Aids-Hilfe Schweiz/Aide suisse contre le SIDA/Aiuto Aids Svizzero) als dreisprachige Organisation einen undatierten Rundbrief "An Schwule Organisationen/Redaktionen/Verlage und Vertreter von Schwulen Institutionen". Verfasst war er von Beat Meyenberg1, der als Vizepräsident dem erkrankten André Ratti alle administrative Arbeit abnahm und ihn auch sonst entlastete, wo immer es ging:

"Werte Mitstreiter unserer Anliegen in Sachen Aids.

Die Aids-Hilfe Schweiz sendet Dir/Ihnen beiliegend eine Dokumentation der [...] Pressekonferenz [...]. Wir hoffen, dass Du/Sie im Zeitpunkt des Eintreffens [...] das Echo [...] schon wahrnehmen konntest/konnten. Wir werden in nächster Zeit weitere Schritte vor allem in Richtung Information unternehmen. Leider konnten wir nicht allen Empfängern das Testblatt HTLV-III ANTIKÖRPERTEST beilegen (die Druckerei arbeitet Tag und Nacht). Wer bereit wäre, dieses Informationsblatt [...] aufzulegen, wo Schwule sich treffen, soll sich entweder an die AHS oder an mich werden.

In Bern wird am Dienstag, 24. September 1985 ein Orientierungsabend im Ursus Club zum Thema: 'Soll ich den Test machen, ja oder nein?' stattfinden. Beginn ca. 20.00 Uhr. Referenten: Dr. med. J. Schmidli, Dermatologische Klinik, Inselspital Bern, ich als Vorstandsmitglied der AHS und allenfalls ein weiterer Referent aus dem psychologischen Bereich. [...]"

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Ernst Ostertag, März 2008 und September 2011

Anmerkungen
1

1948-2007