1985

"Heutiger Wissensstand"

Publikation der AHS

Inserat der AHS, 1986

Inserat der AHS, 1986

Inserat der AHS mit Talon zur Bestellung diverser Broschüren. Quelle: ak 1/1986.

Urheber
Künstler: Daniel P. Wiedmer, Frauenfeld/Wick
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich (sas)
Rechte
© sas
Sammlungs Nr.
ID: 0221
Inserat der AHS mit Talon zur Bestellung diverser Broschüren

Nachdem im September das Leporello zum HTLV-III Antikörper-Test erschien, kam bereits im Oktober 1985 die 24-seitige Broschüre "Heutiger Wissensstand" heraus. In beiden Publikationen zeichnete die AHS (Aids-Hilfe Schweiz) als alleinige Herausgeberin.

Diese rasche Aufklärung war möglich, weil die freundnachbarliche Zusammenarbeit funktionierte:1

"Wir danken der Deutschen Aids-Hilfe e.V., dass wir grosse Teile ihrer Broschüre übernehmen durften."

Zudem leistete das "Team anderschume, Thomas Wicki, Daniel Wiedmer" prompte Layout-Arbeit.

Dass Tempo geboten war, mögen folgende Kapitel der Broschüre aufzeigen: "Aids und die Folgen" und "Was will, was tut die Aids-Hilfe Schweiz?" Daraus einige Passagen:2

"Insbesondere für die Hauptrisikogruppe der männlichen Homosexuellen ohne feste Partnerbindung sind die Aussichten dramatisch. Sie geraten unter Umständen in einen Teufelskreis von Verunsicherung, Diskriminierung und Beziehungslosigkeit.

Während den Schwulen noch die Chance der Solidarisierung mit anderen Betroffenen in Gesprächs- und Selbsterfahrungsgruppen der 'Gay Community' bleibt, stehen Fixer und andere, die in kein Kollektiv eingebunden sind, oft völlig isoliert und ohne jede Hilfe da. Zur Angst vor der lebensbedrohenden Krankheit kommt noch der Makel der gesellschaftlichen Brandmarkung.

Wenn die Zahl der Erkrankten weiter exponentiell ansteigt (bislang spricht leider nichts dagegen), wird auch die medizinische Versorgung bald an die Grenzen ihres Fassungsvermögens kommen. Wer soll aber die Kranken pflegen, wenn keine Familie im Hintergrund bereitsteht?

Aids stellt uns alle vor eine Herausforderung, die so noch nicht da war. Wenn wir sie nicht annehmen und alle Kräfte einsetzen, werden wir alle - nicht nur die bis jetzt betroffenen Randgruppen - darunter zu leiden haben.

Der Verein Aids-Hilfe Schweiz ist entstanden als Antwort auf die Dringlichkeit des Problems, wie es sich gegenwärtig stellt: noch kaum erkannt in allen Konsequenzen, noch kaum erforscht und therapeutisch noch fast 'ungreifbar', als eine Antwort auch gegen drohende Resignation; als ein Versuch - vor allem von Seiten der Betroffenen oder Bedrohten selber - so rasch wie möglich geeignete Mittel zu finden, um einer Ausbreitung der Krankheit vorzubeugen.

Der Verein will gleichzeitig Anlauf- und Sammelstelle der Solidarität sein und steht in diesem Sinne allen offen, die in irgendeiner Weise zu seinen Bestrebungen beitragen wollen.

Der Verein hat seinen Sitz in Zürich. An verschiedenen Orten in der Schweiz haben sich bereits Niederlassungen gebildet, andere sind im Entstehen begriffen. Die Aktivitäten werden laufend koordiniert [...]."

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Ernst Ostertag, März 2008

Quellenverweise
1

Heutiger Wissensstand, Seite 23, Broschüre zur Aidsaufklärung der AHS

2

Heutiger Wissensstand, Seite 17 und 18, Broschüre zur Aidsaufklärung der AHS