1986

Informationsschrift

... des BAG

Die Aids-Informationsbroschüre war ein Heft in Umfang und Format ähnlich wie die überall bekannten Erläuterungen zu wichtigen eidgenössischen Abstimmungsvorlagen. Und sie kam wie diese in der jeweiligen Landessprache in jeden Briefkasten sämtlicher Regionen des Landes.

Nur hatte diese Broschüre andere Verfasser und Herausgeber, nämlich das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) zusammen mit der Aids-Hilfe Schweiz (AHS) und den hinter der AHS stehenden Schwulenorganisationen. Zweck war die möglichst klare und sachliche Information über Aids. Damit sollte aller Unsicherheit und Unruhe begegnet und Sensationsberichten und Gerüchten der Boden entzogen werden. Vor allem wurde vermittelt, dass man sich schützen kann - und wie das zu tun ist.

Auf der ersten Seite standen folgende Sätze:

"Das Bundesamt für Gesundheitswesen wendet sich heute mit dieser Informationsschrift an Sie. Darin steht, was Aids ist, wie es übertragen wird, wie man sich anstecken und wie man sich vor einer Ansteckung schützen kann. Es bietet Ihnen damit eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse, welche Wissenschaft und Forschung bis heute über Aids erarbeitet haben.

[...] Die allermeisten Situationen des täglichen Lebens sind mit keinerlei Ansteckungsgefahr verbunden. Nur ein ganz kleiner Teil unserer Bevölkerung ist bereits an Aids erkrankt.

Das Aids-Virus bedroht auch in Zukunft nur jene Menschen, die sich bekannten Risiken aussetzen. Trotzdem muss alles getan werden, damit sich die Infektion nicht weiter ausbreitet. Offene und sachliche Information betrifft jedermann. Nur so werden sich alle, die sich oder andere gefährden könnten, richtig verhalten. Wir wissen heute genau, durch welche Verhaltensweisen eine Anstreckung mit dem Aids-Virus erfolgt und mit welchen persönlichen Massnahmen man sich wirkungsvoll [...] schützen kann.

Es gibt keine bestimmten Krankheitszeichen, welche eindeutig als Signale einer Aids-Infektion gelten können. Die sichere Diagnose ist ausschliesslich dem Arzt vorbehalten."

Auf der Umschlag-Rückseite hiess es:

"Die Lektüre dieser Schrift soll Ihre Kenntnisse über die Krankheit Aids vertiefen, damit Sie persönlich verantwortungsvoll handeln können. Mit dem Bestellschein auf der letzten Seite können Sie weitere Informationen anfordern.

Prof. Dr. med. Beat Roos, Direktor des Bundesamtes für Gesundheitswesen."

Eine Umfrage unmittelbar nach dem Versand und eine zweite nach drei Monaten sollte über die Beachtung der Broschüre Klarheit verschaffen. Dazu berichtete das von der STOP AIDS Kampagne der AHS (Aids-Hilfe Schweiz) gemeinsam mit dem BAG 1993 veröffentlichte Buch "Die STOP AIDS Story 1987-1992":1

"Das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) erteilte dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Lausanne den Auftrag, Akzeptanz und Interesse der Bevölkerung an dieser Information zu evaluieren. Die repräsentative Befragung zeigte ermutigende Resultate:

75% hatten die Broschüre gesehen und zumindest angeschaut.

56% erklärten, die Broschüre gelesen zu haben.

Unter den Lesern liess sich eine deutliche Wissensverbesserung betreffend Aids feststellen."

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Ernst Ostertag, März 2008

Quellenverweise
1

Kurth W. Kocher, Die STOP AIDS Story 1987-1992, Seite 11, BAG 1993