1997

Gründung des Festivals in Frauenfeld

Am 2. September 1997 trafen sich schliesslich fünf Männer in der "Eisenbeiz" im alternativen Kulturzentrum Eisenwerk in Frauenfeld. Dazu gehörten Tom Müller sowie ein weiterer Journalist, Marc Haltiner. Dabei waren auch Roland Loosli, der in Frauenfeld wohnte und in Zürich arbeitete, und Heinz Reinhart, der am Museum in Frauenfeld tätig war und in Weinfelden wohnte. Ich kam in Begleitung von Klaus Bittner, der sich als Freiwilliger bei der Aids-Hilfe Thurgau-Schaffhausen engagierte.

Wir wollten Homosexualität im Thurgau sichtbar machen und dazu die Idee eines Filmfestivals umsetzen.  Unsere Absicht war auch, vom Ghettodasein in den Schwulenvereinen weg zu kommen und einen offenen Treffpunkt für alle interessierten Menschen zu schaffen.

Protokoll der ersten Sitzung 1997

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Protokoll der ersten Sitzung. Die erste Sitzung zur Gründung des 1. Thurgauer Schwul-lesbischen Filmfestivals fand am 2. September 1997 statt. Quelle: Pink-Apple-Archiv.

Urheber
Daniel Bruttin
Herausgeber
Besitzer: Daniel Bruttin
Rechte
© Daniel Bruttin
Sammlungs Nr.
ID:
Protokoll der ersten Sitzung

Das Protokoll der ersten Sitzung dokumentiert die von Beginn weg bestehende Absicht, das Festival mit Frauen zusammen zu organisieren:

"Es sind keine Lesben an dieser Sitzung. Wir fänden es gut, wenn sie im Programm vertreten sind, wollen aber nicht als Männer Frauenfilme auslesen. […] Marc, Klaus und Daniel werden Frauen anfragen, ob sie sich beteiligen wollen."1

Auch wenn die Suche nach Frauen schwierig war, weil sie sich engagieren und öffentlich als Lesben outen mussten, zeigt ein Ausschnitt der Thurgauer Zeitung vom 29. April 1998 neben vier Männern auch eine Frau, Doris Schneider, die dem Komitee beigetreten war. Am Festival selbst war dann auch noch Susanne Dschulnigg mit dabei.

Neben der Frauenfrage realisierten wir an dieser Sitzung auch, dass die schöne Festival-Absicht nicht so leicht umzusetzen ist. Es stellten sich praktische Fragen wie etwa diese: Wie organisiert man so etwas?

Keiner von uns wusste etwas vom Filmgeschäft. Tom Müller hatte Kontakte zum Cinema Luna in Frauenfeld und fragte die Betreiber:innen an, ob wir das Kino nutzen könnten. Sie boten uns mal für acht Wochen den Montagabend an, an dem das Kino sowieso geschlossen war. Nach zähen Verhandlungen erkämpften wir uns schliesslich zusätzlich drei Freitag-Termine, damit Events durchgeführt werden konnten.

Daniel Bruttin, April 2022

Quellenverweise
1

1. Thurgauer Schwul-lesbisches Filmfestival 1998 Protokoll der ersten Sitzung vom 2. September 1997, Pink Apple Archiv