1998-2000

Rütlibund und Pornojäger

Religiöse Gruppen versus Drag Queens

Proteste gegen Pink Apple

Proteste gegen Pink Apple link7057

Fundamentale Christen und Pornojäger demonstrieren. Egon Thommen (links) der selbsternannte Pornojäger Egon Thommen aus Schaffhausen demonstriert vor der Kaserne Frauenfeld gegen das Pink Apple Filmfestival 2001. Quelle: Pink-Apple-Archiv.

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Daniel Bruttin
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Fundamentale Christen und Pornojäger demonstrieren

Das erste Festival erfüllte seinen Zweck so gut, nämlich selbstbewusst und positiv Öffentlichkeit herzustellen, dass bereits im zweiten Jahr Gegner:innen öffentlich dagegen auftraten. Im Kanton Thurgau gab es christlich evangelikale Gruppierungen, welche Homosexualität vehement ablehnten und Demonstrationen organisierten.

Vor dem Kino standen nun Frauen und Männer der Vereinigung "Der Neue Rütlibund - Schweizerische Vereinigung für christliche Moral, Menschenwürde und Familienschutz" zusammen mit den Vereinigungen "Christen für die Wahrheit" und "Jugend für Familie und Staat" an mehreren Abenden mit Transparenten, die sich gegen Homosexuelle richteten. Diese Leute versuchten, die Besucher:innen in Gespräche zu verwickeln und von den Vorstellungen abzuhalten. Nelly Fröhlich, im Thurgau als aktive Leserbriefschreiberin bekannt, äusserte sich gegenüber der Presse so:

"Wir wollen nicht, dass Homosexualität als normal angesehen wird."

Christen demonstrieren

Christen demonstrieren link7056

Tunten halten dagegen. Jeroen Scheink im Fummel vor Plakaten, die gegen das Filmfestival Pink Apple in der Frauenfelder Kaserne demonstrieren 2001. Quelle: Pink-Apple-Archiv.

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Tunten halten dagegen

Mit von der Partie war in den nächsten Jahren auch Egon Thommen aus Schaffhausen, der als selbsternannter "Pornojäger" bekannt war und wegen seiner Methoden auch schon vor Gericht stehen musste. Sogar die Eidgenössisch Demokratische Union (EDU) hatte ihn ausgeschlossen, weil er dieser streng rechten Partei zu extrem war.

Pink Apple reagierte auf die Demos offensiv-charmant: Drag Queens mischten sich unter die Demonstrierenden, flirteten mit ihnen und versuchten sie davon zu überzeugen, dass Schwule ganz normale Menschen sind, egal wie sie sich kleiden, sprechen oder benehmen.

Solche Demonstrationen fanden in den ersten drei Jahren in Frauenfeld statt, danach gaben diese Gruppen ihre öffentlichen Proteste auf. Widerstand gab es aber später immer wieder, wenn auch eher passiv oder anonym. So wurden jahrelang Werbeblachen fürs Festival, die offiziell bewilligt an gut sichtbaren Orten ausgehängt wurden, regelmässig weggerissen oder zerstört. Auch Programme und Flyer, die wir im Verkehrsbüro Frauenfeld zum Auflegen vorbeibrachten, verschwanden schon nach einem Tag. Auf Nachfrage hiess es, die Chefin habe die Anweisung zum Entfernen gegeben.

Daniel Bruttin, April 2022