2018

QueerOfficers bietet neue Weiterbildungsmodule an

Bildungsmodule für die Armee wurden vom Verein bereits in den ersten Jahren angeboten und auch von Exponenten des Vereins durchgeführt. Nachdem diese Tätigkeit zwischendurch etwas eingeschlafen war, wurde sie 2018 wieder aufgenommen. Der Vorstand fand, dass man nicht nur Forderungen an die Armee stellen könne, sondern auch etwas anbieten sollte.

Es wurden verschiedene Ausbildungsmodule erarbeitet, die nun zum Einsatz kommen. Mehrere Mitglieder von QueerOfficers sind in der Lage, diese Module zu vermitteln. Damit kann auf spontane Nachfragen gut regiert werden.

In der Regel finden die Module pro Lehrgang einmal statt. Es gibt zum Beispiel ein eher niederschwelliges Informations- und Diskussionsmodul. Dieses wird bei Offiziersanwärtern verwendet oder auch, wenn Rekrutenschulen um einen Input für ihre Führungskräfte anfragen. Gerne ist die Durchführung ausserhalb von Gebäuden in der Natur, damit die Teilnehmenden aus ihrem Alltag heraustreten können. In einem ersten Teil wird informiert, was etwa die Buchstaben von LGBTIQ+ bedeuten, was sexuelle Orientierung ist und es gibt die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Im zweiten Teil des Moduls werden gewisse Themen von Queerness angesprochen. Dazu gehören zum Beispiel Informationen über Rechte in der Schweiz und in anderen Ländern. Diese Infos richten sich nach den Fragen der Teilnehmenden, Dominik Winter meint dazu:

"Wir versuchen die Teilnehmenden damit zu konfrontieren, dass Führung ganz viel mit Diversität zu tun hat, die, wenn sie als positives Element wahrgenommen wird, bei der Führungsarbeit unterstützend sein kann. Damit man dies tun kann, muss man aus der eigenen Welt heraustreten und die Welten wahrnehmen, in denen andere Personen leben. Es ist uns wichtig, diese Offenheit für anderes zu fördern, damit wertende Elemente eher in den Hintergrund treten. Aber wenn die Frage auftaucht, kann es durchaus auch mal darum gehen, wie denn schwule Männer überhaupt Sex haben…."

Das andere Modul ist eher theorielastig. Es wird zuerst mit einem Powerpoint über die diversen Aspekte von Queerness informiert und anschliessend zeigen es auf, was das im Dienstalltag bedeuten kann. Wo liegen Stolpersteine, warum können Menschen im Dienst eventuell Probleme bekommen? Dieses Modul richtet sich eher an die Armeeseelsorge, die mit solchen Problemen konfrontiert wird. Auf die Frage, ob denn Seelsorger als professionelle Personen nicht bereits über genügend Grundwissen verfügen, meint Dominik Winter ganz klar:

"Nein, wenn Seelsorger aus Freikirchen kommen oder in einem sehr stark konservativ geprägten, katholischen Umfeld arbeiten, dann fehlt ihnen oft Wissen und Erfahrung zum Thema oder die Bereitschaft, Queerness zu akzeptieren. Natürlich gibt es eine grosse Bandbreite von sehr offenen, toleranten Personen bis zu solchen, die nach zwei Stunden Dauer des Moduls meinen: Das widerspricht meiner Auffassung von Religion. In diesen Fällen geben wir die Diskussion gerne in die Klasse, denn wir sind ja nicht unbedingt die Profis, wenn es darum geht, zu bestimmen, was christlich ist und was nicht, sie aber schon.

Wir geben nach einiger Zeit aber auch immer zu bedenken, dass Seelsorge eine professionelle Aufgabe ist, und dass an einem bestimmten Punkt die persönliche Überzeugung irrelevant ist und in den Hintergrund treten muss."

Dominik Winter betont, dass es seit dem Erlass des Diversity-Befehls im Jahr 2008 Aufgabe der Armee ist, ein Ausbildungsprogramm anzubieten. Ein solches existiert auch im Jahr 2026 noch nicht. Diesen Mangel merken die QueerOfficers bei jedem Gespräch mit dem Chef der Armee an. Auch wenn QueerOfficers bereit sind, Input-Veranstaltungen durchzuführen, soll dies nicht die Aufgabe der Armee ersetzen.

Aber sie wollen nicht nur kritisieren, sondern bieten Unterstützung bei der Ausarbeitung von Inhalten an. Trotzdem sei es wichtig, dass die Armee ein eigenes Programm erarbeite. Dominik gibt zu bedenken:

"Die Armee ist viel zu gross und es finden auf vielen Ebenen eine Menge an Ausbildungen statt. Wir als kleiner Verein können dies nicht alles abdecken. Es mag vielleicht gehen, dass Pink Cop solche Module bei der Polizei flächendeckend anbietet, dort gibt es viel weniger Ausbildungsstätten. In der Armee ist das aber für einen kleinen Verein nicht leistbar."

Innerhalb des Vereins finden durchaus Diskussionen statt, ob man gegenüber der Armee nicht fordernder auftreten sollte oder gar an die Medien gelangen müsste, damit mehr passiert bei der Ausbildung. Der Vorstand ist aber der Meinung, dass Konfrontation nicht zielführend ist. Wenn, wie etwa 2024 Berichte in den Medien zur Diversity Studie erscheinen, melden sich QueerOfficers Switzerland zu Wort, begrüssen diese Studie und betonen, wie wichtig solche Aktivitäten sind. Aber sie vermeiden dabei, die Armee zu kritisieren. Der Vorstand verfolgt den Weg, Kooperation zu suchen und so an Veränderungen zu arbeiten. 

Daniel Bruttin, September 2026

Weiterführende Links extern

Medienpräsenz der QueerOfficers Switzerland