Newsletter 115

Juli 2019

Diese Ausgabe enthält die folgenden Themen:

  • "Voller Dornen", der Weg zum CSD 1981
  • Neuerungen auf schwulengeschichte.ch

"Voller Dornen", der Weg zum CSD 1981

Gay 81, Lausanne

Gay 81, Lausanne

CSD Lausanne, 1981, Collage von Momentaufnahmen. Gay 81, Rückseite des hey 9/1981. Quelle: hey,das SOH-Magazin, 9/1981.

Urheber
Foto: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz
Rechte
© Schwulenarchiv Schweiz
Sammlungs Nr.
ID: 3041
CSD Lausanne, 1981, Collage von Momentaufnahmen

eos. Nun sind sie Erinnerung oder eben angelaufen, die 50 Jahre Stonewall Prides vom 14./15. Juni in Zürich und vom 6. Juli in Genf mit Teilnehmerzahlen in Rekordhöhe. Seitens der Stadtbehörden gab es dieses Jahr von Anfang an breite Unterstützung. In Zürich wurde erstmals der Sechseläutenplatz und die Stadthausanlage zur Verfügung gestellt, beide über die Quaibrücke miteinander verbunden, die dafür in Gaybrücke umbenannt wurde; in Genf ist es der Platz am See vor dem Palais Wilson und der Parc des Bastions beim Reformationsdenkmal mit der langen Umzugsmeile vom Quai bis zum Park. All das scheint völlig normal zu sein. Doch gehen wir knapp vierzig Jahre zurück, da erschienen Besucherzahlen von 1000 extrem hoch und die Wege zur Bewilligung waren alles andere als einfach. Ein Rückblick lohnt sich. Er zeigt, wie viel Mut und Ausdauer die wenigen Aktivisten jener Zeit brauchten.

1979 kam es in Bern zum ersten "Nationalen Schwulen-Befreiungstag, 10 Jahre Christopher Street Day". Es ging hauptsächlich um die Abschaffung des Homoregisters der Berner Polizei, aber auch um einen Demo-Umzug zur Sichtbarkeit der Homosexuellen. Man musste auffallen und Sympathie gewinnen. Darum hiess der Slogan "Bärn het Schwuli gärn". Auch Freunde aus der Romandie nahmen teil. Man zählte total um 300 Personen. Das war ein Erfolg. Im Jahr darauf galt es aus dem CSD eine Tradition zu machen. 1980 war in Basel eine Gartenbau-Ausstellung unter dem Namen "Grün 80" geplant. Die schwulen Organisatoren übernahmen das und nannten den zweiten nationalen Befreiungstag "Gay 80". Er wurde zum grossen und gefeierten Erfolg mit einem Meer von rosa Ballons, auch deshalb, weil die Polizeibehörde drei Tage zuvor die Aufhebung der Homoregister bekannt gab und weil viele Lesben gut sichtbar am Demo-Umzug teilnahmen. Im Ausstellungskatalog "Männergeschichten" (1988) steht dazu, es habe kaum je zuvor einen derart "ausgelassenen, in allen Farben schillernden" Zug durch Basel gegeben, und die Tagespresse schrieb, "gegen zweitausend Personen forderten die Gleichstellung". Das mag sich auf die gesamte Besucherzahl beziehen. Andere Quellen nennen 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Umzug, was immerhin eine Verdoppelung der Teilnehmerzahl des Demozuges vom Vorjahr bedeutet.

Zwei Mal war der CSD nun erfolgreich durchgeführt worden. Mit einem dritten nationalen Schwulen- und Lesbentag sollte die Tradition gefestigt werden. Eine progressive Gruppe aus Lausanne meldete sich. Sie wollte für Offenheit demonstrieren und der traditionsgebundenen Waadt einen Blick auf schwule Mitbürger ermöglichen: Nous aussi, nous sommes vos compatriotes! Unterstützung fand die Gruppe sofort von Gleichgesinnten östlich des Röstigrabens. Die lokalen Behörden führten das Anliegen jedoch zunächst in dornenvolle Sackgassen der Bewilligungspraxis. Dann offerierten sie Umwege und Nebenstrassen und fanden für jedes vorgeschlagene Datum einen Grund zur Ablehnung. Es war entmutigend, aber die Aktivisten blieben hartnäckig. Fast in letzter Minute gelang schliesslich der Kompromiss auf eine annehmbare Route und den 4. Juli, gerade noch knapp vor den Sommerferien. Diese Geschichte ist heute amüsant zu lesen. Sie zeigt auch, was Väter und Vorväter der Schwulenbefreiung leisteten. Der Lausanner CSD von 1981 wurde schliesslich zum frohen Festtag mit 1000 Umzug-Teilnehmenden aus der ganzen Schweiz, denn das Hickhack hatte letztendlich als gute Propaganda gewirkt und viel Solidarität geschaffen. Am Rande gab's auch Zaungäste mit bösen Sprüchen, Gaffer hinter Vorhängen und eine Rock-Band, die heftig provozierte.

Details zu den ersten CSDs in der Schweiz: Bern, Basel, Lausanne

50 Jahre Stonewall mit Erinnerungen von Ernst Ostertag auf SRF Glanz&Gloria

  

Neuerungen auf schwulengeschichte.ch

hpw. In den letzten 12 Monaten ist hinter der Kulisse bei schwulengeschichte.ch einiges gelaufen, einerseits wurde die Zugänglichkeit der Inhalte verbessert, andererseits der Schutz der Persönlichkeit unserer Besucherinnen und Besuchern gestärkt.

Neu sind im Bereich "Epochen" am Ende jeder Seite die Links zur vorherigen und zur folgenden Seite mit dem entsprechenden Seitentitel. So kann weitergelesen werden, ohne dass über das Menü navigiert werden muss. Oft sind die Texte ja sowieso von einer Seite auf die nächste fortlaufend. Zu 50% wird unsere Website heute über mobile Geräte besucht. Gerade in der Mobilversion bringen die neuen Links einen bedeutenden Komfortgewinn.

Unter dem Menüpunkt "Über uns" sind die Informationen zur Entstehung der Website, aber auch die Newsletter einfacher und direkter aufzufinden. Die bisherigen Ausgaben sind neu mit Titeln versehen, die auf die Inhalte hinweisen. Da unsere Newsletter ja nicht nur News enthalten, wie Veranstaltungshinweise etc., sondern vor allem Kolumnen, deren Aktualität nicht an ein Datum gebunden ist, schien es uns wichtig, dass die Inhalte so wieder zurückgefunden werden können.

Die Schlagwörter des Sachregisters sind jetzt ebenfalls wie die Namen im Personenregister mit einer automatischen Suchfunktion verbunden. Damit bieten wir eine zusätzliche Zugangsmöglichkeit zu den beinahe unendlichen Inhalten von schwulengeschichte.ch.

Weiter war uns ein Anliegen, dass die Website besucht werden kann, ohne dass die Information darüber zu diversen Datenkraken im Internet gehen und mit Persönlichkeitsprofilen verknüpft werden. Noch ist es bei weitem nicht in allen Ländern unproblematisch, mit dem Thema Homosexualität in Verbindung gebracht zu werden. Eine Verbindung, die aufgrund des Interesses an schwulengeschichte.ch durchaus möglich ist - und von Firmen wie Facebook ganz sicher auch gemacht wird. Wir möchten nicht, dass der Besuch auf unserer Website zu einem unfreiwilligen Outing führen könnte. Deshalb haben wir auf der Startseite das Social Plug-in zu Facebook entfernt. Unsere Facebook-Seite kann auf eigene Verantwortung über den Link besucht werden. Unfreiwillig gehen aber jetzt keine Daten mehr an Facebook. Dasselbe gilt für Google Analytics. Wir haben diesen Dienst durch die datenschutzfreundliche und professionelle Alternative Matomo ersetzt. Die Besucherdaten werden somit auf den Servern unseres Vertragspartners Taywa in Zürich ausgewertet, wodurch der Verein schwulengeschichte.ch zu jeder Zeit die volle Kontrolle darüber hat, was mit ihnen passiert.

Noch sind wir nicht am Ziel, weder technisch noch inhaltlich.

Mit deiner Unterstützung als (Neu-)Mitglied, Spender oder durch ehrenamtliche Mitarbeit können wir unser Projekt weiter vorantreiben. Wie ihr uns unterstützen könnt, steht auf schwulengeschichte.ch