Newsletter 118

Oktober 2019

Diese Ausgabe enthält die folgenden Themen:

  • Widerstand gegen Diffamierung, erstmals am 29. Oktober 1969
  • 30 Jahre z+h - LGBTIQ+ Students an der Universität Zürich
  • Talk im Kaufleuten: Verzaubert - Queere Lebensgeschichten

Widerstand gegen Diffamierung, erstmals am 29. Oktober 1969

eos. Genug ist genug! Alle wissen das: Es ist der Anfang zu den Stonewall-Aufständen. Und man weiss auch, dass sich in der Schweiz neun Jahre später Schwule und Lesben zum Widerstand vereinten und den ersten CSD feierten, indem sie öffentlich Unterschriften zur Abschaffung der Schwulenregister sammelten. Mutig war das und nötig. Was aber nur wenige wissen, ist ein Ereignis von offenem Widerstand bei uns, das nur vier Monate nach Stonewall stattfand. Eine kleine Gruppe von Schwulen wagte es, sich an einer öffentlichen Versammlung zu outen und gegen den Versuch erneuter Diffamierung zu argumentieren. Am Schluss waren sie erfolgreich. Das war ebenso mutig und ebenso nötig.

Wie kam es dazu? Im Herbst 1969 geschah ein weiterer Mord im Zürcher Schwulenmilieu. Anfänglich wiederholte sich, was Anfang 1958 nach zwei solchen Morden begann: eine Medienhetze, die jene bekannte Welle von Repressionen gegen alle Homosexuellen auslöste mit Razzien und Diffamierungen von unschuldigen Mitbürgern, mit Abwürgen der schwulen Subkultur und dem Ende des KREIS.

Gewissen Zeitungen und Redaktoren, auch gewissen Journalisten war dieser neue Mord im Schwulenmilieu eine Art Glücksfall. Sie hatten sich ans billige Schüren von Sensationen und das ebenso billige Steigern der Umsätze gewöhnt. Doch jetzt, nach Jahren der Repression begann ein Umdenken. Manche schämten sich. Man lebte ja nicht mehr im Mittelalter. Die betreffenden Zeitungen erhielten plötzlich nicht mehr nur die gewohnten zustimmenden Leserbriefe, sondern auch Kritik. Und die kritischen Stimmen mehrten sich.

Ähnlich wie jene Zeitungen dachte auch eine als Mitte-Partei geltende politische Gruppierung, der Landesring der Unabhängigen, heute würde man ihn populistisch nennen. Diese Partei hoffte nach dem Mord auf Erfolg, wenn sie verstärkten Jugendschutz und aktive Bekämpfung der "Homosexuellen-Seuche" fordern würde. Auf den 29. Oktober 1969 war eine öffentliche Veranstaltung des Landesrings in einem Zunfthaus angesagt. "Zürich - Weltzentrum der Homosexuellen" hiess es fett gedruckt auf der Einladung, man erwarte "energisches gesetzmässiges Handeln". Es sollte eine Petition lanciert werden. Doch es kam anders.

Ein Kantonsrat des Landesrings eröffnete die Versammlung mit hetzerischen Worten, danach sprach ein "Vertreter der Elternschaft" und schilderte die Gefahren für Jugendliche, wenn sie in die Fänge von Homosexuellen geraten. Hier müsse das Gesetz verschärft und rigoros durchgesetzt werden, war seine Forderung. Mit dem Stadtarzt und dem Kriminalkommissar der Sittenpolizei kamen wesentlich sachlichere Referenten zu Wort und machten den Unterschied deutlich, der zwischen einer klaren Mehrheit von problemlosen Homosexuellen zur kleinen Minderheit von Strichgängern in Parks und Toiletten bestehe, die vermehrt zu überwachen seien.

Doch während der lebhaften und ausführlichen Diskussion mit dem Publikum traten auch Schwule auf. Sie gaben sich zu erkennen und erklärten, wie wichtig eine unverkrampfte, offenere Gesellschaft wäre. Auf viele der geäusserten Fragen und Ängste gaben sie Antworten und lösten damit Vorurteile auf. Ihre Sichtbarkeit als "ganz normale" homosexuelle Mitmenschen und die Sachlichkeit ihrer Voten änderte die Stimmung im Saal. Am Schluss verschwand die Petition in den Unterlagen der Veranstalter.

Alle Details dazu auf Diffamierungs-Widerstand und in den folgenden vier Webpages

30 Jahre z+h - LGBTIQ+ Students an der Universität Zürich

hpw. Vor gut 31 Jahren nahm ich einen ersten Anlauf, ein Schwulenreferat an der Universität Zürich zu initiieren. Der Erfolg des ersten Aufrufs war bescheiden. Die Anwesenden überzeugten sich gegenseitig, dass so etwas nicht nötig sei - aber eigentlich hatten wir einfach nur Angst. Zurecht, wie sich herausstellte. Als ein Jahr später zart + heftig dann doch gegründet wurde, waren die Reaktionen der Universitätsleitung harsch. zart + heftig wurde nicht als studentischer Verein anerkannt und wir durften keine universitären Räume benutzen. Die Zeiten haben sich geändert.

Zum 30-jährigen Jubiläum ist bis zum 10. Oktober an der ETH Hönggerberg eine Ausstellung zu sehen. An der Universität im Zentrum findet am 10. Oktober eine Podiumsdiskussion mit Pink Cross statt.

Talk im Kaufleuten: Verzaubert - Queere Lebensgeschichten

Bild aus der Telearena "Homosexualität", 1978

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hpw. War die Telearena des Schweizer Fernsehens zum Thema "Homosexualität" 1978 ein Meilenstein der LGBT-Emanzipation? Oder war sie ein gescheitertes Experiment? Am Dienstag, 29. Oktober diskutieren im Kaufleuten Zürich der Moderator der Sendung Hans-Ulrich Indermaur, die beiden Hauptdarsteller des Fernsehspiels Peter Holliger und Ruedi Haas und die Diskussionsteilnehmerin Heidi Javanti Oberli unter der Leitung des Pink-Apple-Festivalleiters Andreas Bühlmann über die Sendung und ihre Folgen. Special Guest: Anna Rosenwasser, Geschäftsführerin LOS - Lesbenorganisation Schweiz

Ein weiterer Talk in dieser Reihe findet am Montag, 13. Januar 2020 statt.