Newsletter 201

September 2026

Diese Ausgabe enthält das folgende Thema:

  • Jakob Stutz: Neuigkeiten über den Vorkämpfer der Schwulengeschichte

     

Jakob Stutz: Neuigkeiten über den Vorkämpfer der Schwulengeschichte

hpw. Das Geburtsdatum von Jakob Stutz jährt sich zum 225. Mal und 2027 sind es 150 Jahre her, dass der Zürcher Volks­dichter gestorben ist. Just zu diesem Doppeljubiläum werfen bisher unerschlossene Quellen ein neues Licht auf sein Leben. "Ein Leben voller Widersprüche. Voller innerer Nöte, gutem Willen und einer fatalen Verführbarkeit. Was genau genommen alles Eigenschaften einer klassischen, tragischen Figur sind“, fasst der Schauspieler und Regisseur Matthias Peter seine Motivation zusammen, sich aktuell mit Jakob Stutz zu beschäftigen. „Wenn wir erreichen, dass die Leute ihn neu aus diesem Blickwinkel betrachten, können wir viel­leicht dafür sorgen, dass er nicht in Vergessenheit gerät." Peter widmet Stutz diesen Herbst und nächsten Frühling eine Theatertournee, die in der Ostschweiz startet, vor allem aber in der Stadt und im Kanton Zürich gastiert.

Jakob Stutz, geboren 1801, war also Volksdichter und er war auch Reform­päda­goge. Als solcher wirkte er in Zürich und im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Matthias Peter hebt Stutz' Theaterstück "Der Brand von Uster" hervor, das in den 1970er Jahren immer mal wieder auf­ge­führt worden sei, auch im Neumarkt-Theater in Zürich. "Mit den übrigen 'Gemäl­den aus dem Volksleben' holt man heute eher niemanden mehr ab", meint er.

2001 zum 200. Geburtstag von Stutz gab es in Pfäffikon eine Ausstellung und es wurde der Jakob-Stutz-Weg mit Stationen aus dem Leben des Zürcher Oberländers eingeweiht, ein Wander- und Bikerweg in der Gegend rund um Sternenberg. Doch wie könnte man sein Gedächtnis bei den Menschen, auch den jungen Menschen erhalten, fragte man sich in der Gegend immer wieder. "Ich glaube, wenn wir ehr­li­cher­weise die Brüche dieser Biografie an­schauen, dass wir dann wieder eine jun­ge Generation abholen", so Matthias Peter.

Bis vor Kurzem sparten die Gemeinden und Vereine die "dunklen Seiten" Jakob Stutz' aus. Auf unserer Website steht: "Jakob Stutz war ein lebenslang gequälter Mensch, weil er mit seiner Ver­an­la­gung nie Frieden schliessen konnte, so sehr er sich auch danach sehnte" und aus seinem Hauptwerk "Siebenmal sieben Jahre aus meinem Leben" wird zitiert:

"Warum? - Warum, um Gottes Willen, kann ich nicht gehen die Wege, wo andere? - Warum muss ich von allen, allen meinen Jugendgefährten eine so son­der­bare Ausnahme machen?"

Nicht-Identifikation mit dem Geschlecht

Seine Homosexualität brachte Jakob Stutz mehrmals in Schwierigkeiten. Wegen "Unzucht" wurde er in Zürich 1836 unehrenhaft entlassen. In Trogen bekam er 1841 wegen "widernatürlicher Unzucht" und Urkundenfälschung 10 Wochen Gefängnis auferlegt. 1855 kam es in Pfäffikon zu einer Verurteilung wegen "Erregung öffentlichen Är­ger­nisses durch unzüchtige Handlungen". Im Gefängnis in Trogen entstanden Tage­bü­cher, die jetzt neu durch den Historiker Rolf Thalmann transkribiert wurden und zur Auswertung vorliegen. Stärker noch als in seiner Auto­bio­grafie beschreibt Stutz hier seine Zerrissenheit. Als zutiefst gläubiger Christ hadert er mit seinen Neigungen und seinen Vergehen.

"Ihm ist sehr wohl bewusst, dass sein pädagogisches Wirken grosse Gefahren für ihn birgt,“ sagt Matthias Peter: "Er schreibt in diesen Tagebüchern: 'Ich wusste recht wohl, wo mich der Schuh drückt'." Stutz stammte aus armen Verhältnissen. Seine Eltern starben früh. Trotzdem kam er als Vollwaise in den Genuss einer Förderung durch die Pfarrer der Gemeinden Hittnau, Wila und Sternenberg. So konnte er seiner Herkunft zum Trotz das Lehrerexamen machen. "Als er wünscht, seine Stelle an der Blin­den­anstalt Zürich zu verlassen, drängten ihn seine Förderer, im Lehrerberuf zu bleiben. 'Da kannst du Gutes wirken', sagten sie, ohne seine inneren Nöte zu kennen", erzählt Peter. Sein Theater­stück "Warum nur - warum?" trägt deshalb den Untertitel "Nächt­liches Gespräch über Verdienste und Vergehen". Allerdings schie­nen solche Übergriffe in der Zeit recht häufig vorzukommen, wie Peter erfuhr: "Der Leiter des Museums Herisau, das aktuell eine Ausstellung über das Schulsystem im Kanton Appenzell Ausser­rhoden im 19. Jahrhundert zeigt, sagte zum mir: 'Brauchst du noch mehr Material, ich bin bei meinen Recherchen auf drei ähn­liche Fälle gestossen.'"

Die Tagebücher bringen viel Neues ans Licht. Sein Hadern mit seiner Ver­an­la­gung war schon bekannt. Es entstehen aber neue Perspektiven auf seine intellektuelle Beurteilung dieser Ver­an­la­gung. Im "Tagebuch eines Einsamen" schreibt Jakob Stutz:

"Gehe ich in meine Kinderjahre zurück, weiß ich gar wol wie ich mich oft in ein Mädchen verkleidete u durchaus kein Knabe sein wollte, hatte Puppen u blieb immer nur in Gesellschaft der Mädchen u in Ermangelung deren am liebsten bei meiner Mutter, oder bei alten Weibern.
Hosen zu tragen war mir lange eine Qual. Wenn ich erst daran dachte, daß ich einst noch Soldat werden müße, dann wußte ich meines Leids gar kein Ende."
 

Schwule Identität - auch positiv erfahren?

An einer anderen Stelle seiner Tagebücher schreibt Jakob Stutz:

"Aber das ist mir unbegreiflich wie du eine Weiber­seele in einen männlichen Körper setzest u er dadurch von den schönsten Freuden dieses Lebens ausgeschlossen sein muß. Ach, was schreibe, was rede ich? _ Nein so mit Gott zu grollen ist doch nicht recht. Verzeihe mir! es sind eben Kerkergedanken."

Jakob Stutz schrieb also schon 1841 von der "Weiberseele in einem männlichen Körper". Die Prägung dieser Idee wurde bisher dem deutschen Juristen Karl Heinrich Ulrichs zugeschrieben, von dem auch der Begriff "Urninge" für Homo­sexuelle stammt. Rolf Thalmann dazu:

"Das Neue ist für mich, dass der Begriff von der weiblichen Seele im männlichen Körper, der durch Ulrichs berühmt geworden ist, gar nicht von diesem 'erfunden' wurde, sondern schon von Stutz gebraucht wurde und auch er ihn nur übernommen hat."

Mehr darüber wird man in seinem Buch "Helvetias andere Söhne. Gleichgeschlechtliches Leben im 19. und 20. Jahrhundert" erfah­ren, das im Frühjahr 2027 erscheinen wird. Rolf Thalmann fährt weiter: 

"Die Frage, ob sich bei Jakob Stutz mit Hilfe des Tage­buches so etwas wie eine 'homosexuelle Iden­ti­tät' (natürlich ohne diesen Begriff) feststellen lässt, ist nicht einfach zu beantworten, aber es gibt doch einige Hinweise in dieser Richtung. Stutz beklagt, er gehöre 'leider auch unter diese unglück­liche Klasse von Men­schen, die gewiß die unglück­lichsten auf Erden sind', und er fühlt, dass er 'leider kein Mensch sei wie Andere es sind', allerdings sei er 'in dieser Art, leider nicht der Einzige'. Zweimal bezeichnet sich als eine Art 'geistige(r) Missgeburt'. Er wollte, Gott liesse 'gar keine solche widrigen Men­schen auf die  Erde kommen', und dankt ihm, 'daß es nicht viel solch unglückliche Geschöpfe geben muß'.

Die gleichgeschlechtlichen Neigungen, die Stutz ab­wech­selnd als Trieb, Leidenschaft oder Uebel be­zei­ch­net, hat nach seiner Meinung Gott den Menschen bei der Geburt eingepflanzt: 'Wie man sich die natür­lichen Triebe auch nicht selbst gegeben hat, so ver­hält es sich mit den wider­natür­lichen.' Stutz meint, Gott habe ihm 'eine andere Seele gegeben als den übrigen Menschen', er habe 'einen solchen Trieb, gleichsam mit auf die Welt gebracht'. Und schliess­lich: es sei ihm unbegreiflich, wie Gott 'eine Weiber­seele in einen männlichen Körper' gesetzt habe."

Jedenfalls sieht Jakob Stutz, seine Ver­an­la­gung als etwas, das ihm in die Wiege gelegt worden ist. Matthias Peter geht einen Schritt weiter und bezieht sich dabei auf den Aufsatz von Ferdinand Karsch-Haack "Der zürcherische Volks­dichter Jakob Stutz" (in: Der Eigene, Berlin, 1924): 

"Gemäss Karsch-Haack hat er nach seiner Verurteilung in Trogen 1841 eine Streit­schrift heraus­ge­geben, in der er den Land­gerichts­präsidenten angeklagt und sich gegen die 'Vergewaltigung seiner Geschlechtsnatur' gewehrt hat. Diese Schrift ist jedoch unterdrückt worden und verschollen. Und Heinrich Senn, einer seiner Dichterschüler aus der Sternenberger Zeit, erinnert sich 1856 in seinem Tagebuch, dass Stutz im Freundeskreis durchaus für seine Veranlagung eingestanden ist. 'Interessant ist aber, dass Stutz seine Neigung erst dann als eine unglückliche bezeichnet, nachdem er die Strafe dafür büssen muss; vorher stellte er sie in die gleichen Rechte u. als so geordnet dar, als die Neigung beider Geschlech­ter zueinander.'"

Primärquellen hierzu fehlen allerdings bis heute. Auf schwulengeschichte.ch steht zu seiner Sternenberger Zeit allerdings:

"Die 15 Jahre in der 'Jakobszelle' waren wohl nebst der frühen Kinderzeit die einigermassen glück­lichsten im Leben des Jakob Stutz. Sie endeten 1856 abrupt mit Verhaftung, Gefängnis, Prozess, Ver­ur­tei­lung, Busse und drei Jahren Kantonsverweisung." 

Eine Verbindung zu Heinrich Hössli

Matthias Peter wirft im Programmheft zu den Jubiläumsveranstaltungen die Frage auf,

"ob Stutz das Werk Hösslis gekannt hat und möglicherweise durch dessen Lektüre als Vier­zig­jähriger zu dieser für ihn un­ge­wohn­ten Haltung [die positive Einstellung zur gleich­geschlecht­lichen Veranlagung] ermutigt wor­den ist. Eine Berührung mit dem Werk des andern wäre denkbar, weil beide 1838 im gleichen St.Galler Verlag Scheitlin und Zollikofer publiziert haben.[...] Bis dato gibt es jedoch keine Hinweise auf eine konkrete Verbindung zwischen den beiden. In Hösslis Nach­lass findet sich einzig ein Zettel, auf dem er 1856 kommentarlos von Stutz‘ Verurteilung in Pfäffikon Notiz genommen hat." 

Der Historiker Rolf Thalmann teilt mit, auch er spekuliere, dass Jakob Stutz Heinrich Hössli oder zumindest dessen Texte gekannt haben könnte. Dies würde der bisherigen Darstellung auf unserer Website widersprechen. Rolf Thalmann schreibt, es gebe noch so viele Texte von Stutz, die nicht transkribiert worden seien. Viel­leicht wären darin weitere Hinweise zu finden.

Selbstbefriedigung taugt nicht als Konversionstherapie

Jakob Stutz bleibt zwischen seiner intellektuellen Sicht auf seine angeborene "Weiberseele" und seinem tiefen christlichen Glau­ben hin- und hergerissen. Matthias Peter erzählt: 

"Er ist ein Mamititi, also er ist stark mit dieser Mutter verbunden. Ihm fehlt Vaterenergie, vor ihm hatten die Kinder Angst. Also diese enge Beziehung zu der Mutter, die ihn beten lehrt und ihm vom Himmel erzählt. Daraus entstand bei Stutz von Kind auf eine lebenslange Sehnsucht: Ich möchte sterben. Ich möchte in den Himmel."

In seinem Tagebuch schreibt Stutz:

"Um bei dieser Abschweifung wieder auf meine frühern Jahre zurück zu kommen, lebte ich immer eingezogen u still, war selten fröhlich, wie andere Kinder, denn frühe schon waren Tod u Ewigkeit meine steten Gedanken. Ich hatte mir einen Kirchhof angelegt, eine Kapelle gebaut u spielte dann oft mit den Kindern feierliche Leichenbegräbnisse. Meiner Mutter war ich besonders lieb; ihre Gemüths­stimmung mochte vielleicht auch auf die meinige Einfluß gehabt haben. So viel ich mich erinnere, sah ich sie fast jeden Tag weinen, was eben ihr sorgen- u mühevolles Leben mit sich brachte."

Die tiefe Religiosität steht immer wieder im Widerstreit zu seinen realen Erfahrungen. "Unkeusche" Gespräche in seiner Umgebung beschäftigen und verwirren ihn. So stehen in den Gefängnis­tage­büchern die folgenden Einträge: 

"Aber mein Gott! was hörte ich so oft in den Häusern des Dorfes? _ wüste, unkeusche Geschwätze, die meine äußerst starke Phantasie mit tausend ver­wor­renen u wüsten Bildern beschäftigten u mir oft im Traume viele Unruhe machten."

"Später 18 Jahre alt hörte ich dann dem Gespräche einiger Jünglinge zu, wie sie einander erzählten auf welche Weise man auch ohne ein Mädchen zu haben, seine Lust befriedigen könne. Aber das war für mich eine schwere Versuchung. O, daß ich euch nie gehört hätte!! _ Von jenem unglück­lichen Augen­blick hängt mein jetziges, großes Elend ab. Wol betete ich Tag u Nacht, wol kämpfte ich mit allen Waffen des Glaubens das nicht zu thun, was jene Jünglinge thaten. Aber ich mußte der Versuchung unterliegen u der erste Schritt zur Onanie ward vollbracht."

Stutz fragt sich in seinen Tagebüchern auch:

"Warum aber auch schon ver­hei­ra­tete Männer sich solcher Ver­irrungen schuldig gemacht
haben, wäre vielleicht nicht schwer auszu mitteln. _ Ich glaube der Grund hievon dürfte bei der lieben Ehehälfte zu finden sein." 

Was er genau mit "Verirrungen" meint, ist nicht klar. Geht es ausschliesslich um Selbstbefriedigung oder auch gleich­geschlechtliche Sexualität?  Vor Onanie wurde noch bis vor gar nicht so langer Zeit gewarnt. Wer sie praktiziere, werde die Sehkraft verlieren, verblöden oder eben schwul werden. Jakob Stutz äussert sich auch dazu:

"Von Abnahme des Gedächtnisses erinnere ich mich nur im ersten u zweiten Jahre der Betreibung, daß es mich auf einige Augenblicke plötzlich verließ. Von da an verspürte ich Nichts mehr, im Gegentheil, es verstärkte sich..." 

Einzig Wetterfühligkeit kenne er, aber diese habe er auch bei verheirateten Männern beobachtet. Und so kommt er zu einem ganz besonderen Schluss:

"Die ärztliche Kunst hat schon eine so hohe Stufe erreicht, so Vieles, Vieles schon zum Heile der leidenden Menschheit gewirkt. Hat sie denn bei all ihren Bestrebungen noch kein Mittel erfunden, wie ein solches Übel zu heilen wäre? _ Oder ist für dieß [seine Homosexualität], wie für den Tod, kein Kraut gewachsen? _ _ Ein solches Übel ist gewiß nicht alle Mal Folge der Onanie, in diesem Fall wäre es leichter zu heilen. Ich aber brachte einen solchen Trieb, gleichsam mit auf die Welt. Man sollte aber glauben, da der natürliche Geschlechtstrieb durch Onanie unnatürlich werden kann, es hätte bei mir gerade ein umgekehrter Fall statt finden sollen."

Die Selbstbefriedigung hat Jakob Stutz also auch nicht zur Heterosexualität konvertiert.

Veranstaltungen zum Doppeljubiläum

Wo liegt der Grund für das Interesse Matthias Peters an Jakob Stutz? Ganz weit aussen gebe es eine ver­wandt­schaftliche Verbindung zu Heinrich Senn, einem Dichterschüler von Jakob Stutz. Er habe dessen Tagebücher ausgewertet, woraus ein Buch entstanden sei, in dem der Beziehung zu Jakob Stutz etwa ein Drittel der Seiten gewidmet sei. Dann sei ein Freund, der in der Kantonsbibliothek Appenzell-Ausserrhoden arbeitete und sein Senn-Projekt kannte, auf ihn zuge­kom­men: "Da ist einer bei uns, der hat die Gefängnistagebücher von Jakob Stutz transkribiert. Da habe es spannende Sachen drin", erzählt Peter. Und so lernte er dann auch den Historiker Rolf Thalmann kennen. Dieser habe ihm die Transkripte grosszügig zur Verfügung gestellt.

"Jetzt stand mir plötz­lich ein Quellenmaterial zur Verfügung, das explizit die inneren Nöte beschreibt, die Stutz in seiner Autobiografie nur andeutet. Hier werden seine Nöte wirklich spürbar. Ich hatte plötz­lich eine Innenansicht, die mir und der Öffentlichkeit bisher gefehlt hat."

Jakob Stutz' Literatur sei wohl nicht das, womit man eine junge Generation noch begeistern könne. Aspekte seiner Biografie und seiner Persönlichkeit allerdings würden heute an den Zeitgeist anschliessen, "gerade sein Sich-Nicht-Identifizieren-Können mit dem eigenen Geschlecht", wie Matthias Peter hervorhebt. Weiter:

"Und seine wiederholte Klage, dass er niemanden gehabt habe, mit der er über seine Nöte habe reden können. Was wohl auch heute noch oft ein Coming­out prägt. Wenn man diese Aspekte reinbringt, dann wird Jakob Stutz wieder neu spannend, als Bio­grafie."

Er erzählt weiter:

"Der Regisseur, mit dem ich schon mal eine Roh­fassung des Theaterstücks durchgespielt habe, sagte: Es ist schon erstaunlich, wie viele Anzeichen in diesen Texten vorkommen, dass 'es' trotz allem gang und gäbe war. Jakob Stutz sagt auch ganz klar: 'ich bin durch einen nicht unbedeutenden Mann, dessen Namen ich verschweigen will, verführt worden.'"

In seinem Einmann-Theater wird Jakob Stutz lebendig und tritt aus seinem bekannten Bild mit dem Totenkopf und dem Lebensbuch heraus. Er betrachtet sein Leben im Gespräch mit seinen Dichterschülern. Es soll ein ehrlicher Blick zurück auf sein Leben sein, mit einem versöhnlichen Schluss.

"Ich möchte dem Publikum die Botschaft mitgeben: Stutz hat gelebt wie er gelebt hat. Man kann, was geschehen ist, nicht ändern. Wer ihn als Schriftsteller verehren will, muss auch seine 'dunklen' Seiten ansehen und annehmen. Sie sind Teil seines Schicksals. Und wenn man den Mut hat, den 'ganzen' Stutz an­zu­schauen, dann wird er für unsere Zeit wieder richtig spannend."

Im November wird das Theaterstück "Warum nur - warum? - Nächtliches Gespräch über Verdienste und Vergehen - Eine theatrale Auseinandersetzung mit einem Schicksal" in Herisau, St.Gallen und Trogen sowie drei Mal im Keller 62 in Zürich und je einmal in Winterthur und Hittnau aufgeführt. Im April und Mai 2027 stehen weitere Aufführungen im Zürcher Oberland an.