König der Selbstdarstellung

Fred Spillmann 1981

Spillmann Porträt

Fred Spillmann 1981.

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Foto: Kurt Wyss
Herausgeber
Besitzer: Kurt Wyss
Rechte
© Kurt Wyss
Sammlungs Nr.
ID: 2088
Fred Spillmann 1981

Balthasar Staehelin zitierte in seinem Spillmann-Bild auch "-minu" ohne zu erwähnen, dass es sich bei dem weit herum bekannten Kolumnisten der Basler Zeitung um Hanspeter Hammel handelt. Hanspeter Hammel verfasste zur Ausstellung "Haute Couture in Basel – Fred Spillmann (1915-1986)" einen biografischen Beitrag über den Couturier, den er mit Anekdoten und seiner direkten Sprache derart würzte, dass der Leser fast Fred selber erzählen hört. Die Ausstellung im Historischen Museum Basel dauerte vom 26. September 2003 bis zum 29. Februar 2004.

Dieser Bericht erschien reich illustriert in der NZZ am Sonntag vom 21. September 2003 (ab S. 87). Er soll hier ausführlich zitiert werden. Die Zeitung setzte - sicher in Übereinkunft mit -minu - den Titel: "König der Selbstdarstellung" und den Untertitel "Fred Spillmann war Couturier der Reichen und Paradiesvogel der Basler Gesellschaft. Schwul sein, erklärte er, sei eine Gabe - und die ganze Stadt mochte ihn."

Sobriquet, Zeichnung eines Kleides 1959

Zeichnung

Sobriquet, Zeichnung eines Kleides 1959. Quelle: Historisches Museum Basel

Urheber
Foto: P. Portner
Herausgeber
Besitzer: Historisches Museum Basel.
Rechte
© Historisches Museum Basel
Sammlungs Nr.
ID: 2089
Sobriquet, Zeichnung eines Kleides 1959

-minu begann seinen Bericht folgendermassen:

"Bis zu seinem dritten Geburtstag war Fred Spillmann ein Mädchen. Die Mutter steckte den Buben in wallende Röckchen und war stolz auf die blonden, seidenen Haare des Kindes. Später erklärte Spillmann einmal: 'Sie drehte mir das Haar jeden Tag auf Seidenpapier über einem Setzholz zu Locken auf. Das schmerzte unglaublich. Mit dreissig Jahren sind mir sämtliche Haare ausgefallen. Traurige Geschichte – aber muss sich keiner wundern!'


Es hat sich auch keiner gewundert. Fred Spillmanns Geschichten und Anekdoten hätte nie jemand hinterfragt. Keiner wusste, ob sie wahr oder ganz einfach erfunden waren. Spillmann selber hätte es auch nicht gewusst – er korrigierte Geschichten, die nicht nach seinem Gefallen passiert sind, mit dem Vorwurf an das Schicksal: 'Da hat der liebe Gott einen Fehler gemacht!'.


Am dritten Geburtstag also funkelte der strenge Vater das Eheweib an: 'Jetzt hört dieses Affentheater auf – das wird ein Bub!' Dem vermeintlichen Mädchen wurden beim Friseur die Locken geschoren. Das Röckchen wurde mit einem Höschen vertauscht. Später präzisierte Spillmann: 'Mein Vater hat mich von der haarigsten Tortur meines Lebens befreit. Er hat mich zum Knaben gemacht. Als Konditorenmeister wusste er sehr genau, wie man Torten umdekorieren kann.' "

Ernst Ostertag, Januar 2020

Quellenverweis

Auszug aus: -minu: König der Selbstdarstellung, in: NZZ am Sonntag, 21.09.2003, S. 87.