1974

Programm und Tagung

Ablauf und Kritik

Marga Bührig

Marga Bührig

Marga Bührig, 1915-2002, mit Teilnehmern an einer Boldern-Tagung zum Thema Homosexualität. Erschienen im hey, 10/1981.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Schwulenarchiv Schweiz, Zürich
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0157
Marga Bührig, 1915-2002, mit Teilnehmern an einer Boldern-Tagung zum Thema Homosexualität

Hauptpunkte des Boldern-Wochenendprogramms unter dem Titel "Probleme der Homosexualität":

  • Gruppenarbeit (Erfahrungsaustausch, Was verstehen wir unter Homosexualität?)
  • Tonbildschau "Homosexuelle - Menschen wie du und ich?" (gemacht von Pfr. Paul Kohler und Pfr. Thomas Preiswerk)
  • Referat "Synode 72 und Homosexualität" (Dr. Joseph Duss-von Werdt, Ehe- und Familienwissenschaftliches Institut, Zürich)
  • Referat "Homotropie und Christentum" (Dr. Herman van de Spijker, Holland)
  • Podiumsgespräch: "Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Gehörten und Besprochenen?"

Im Rückblick sah die HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich) ihre beiden Vorbereitungstreffen anders:1

"Das Programm dieser Vorbereitung war auf der - wie sich an der Tagung zeigte - falschen Annahme aufgebaut, dass relativ wenige Homosexuelle einer Überzahl von interessierten Heterosexuellen gegenüberstehen würden. [...] Das Hauptziel [...] bestand deshalb darin, als HAZ-Mitglied im Gruppengespräch immer aus einer Position der Ruhe und Sachlichkeit heraus reagieren zu können. [...]

Unsere Ziele [...] zusammengefasst:

  • Vorurteile aufdecken
  • Vorurteile abbauen durch umfassende Information
  • Denkschemata anzweifeln
  • Im persönlichen Gespräch sich gegenseitig akzeptieren (auch den Homosexuellen als Menschen, nicht aber als Patienten).

[...] Die Tonbildschau [...] der beiden Basler Pfarrer wurde von den Teilnehmern der Vorbereitungstagung ausführlich diskutiert und kritisiert. Man kam dabei zu folgendem Ergebnis: Die Tonbildschau ist so angelegt, dass sie beim Betrachter Mitleid für eine kranke Minderheit erweckt und mit dem Schluss endet: Homosexuelle sind trotzdem Menschen (wie du und ich). [...] Der Homosexuelle ist zwar nicht mehr ein sündiger und lasterhafter Mensch (wie bis anhin in der kirchlichen Tradition), sondern er wird zum Kranken, den man als solchen tolerieren muss. [...] Die von den Verfassern der Tonbildschau geforderte Toleranz für solche als krank und psychisch deformiert dargestellte Menschen lehnen wir als geschmacklose Zumutung ab."

Zur Tagung selbst berichtete das HAZinfo u.a.:2

"Entgegen unseren Erwartungen waren etwa 80% der Teilnehmer Homosexuelle (zum Teil gaben sie sich erst im Verlauf der Tagung als solche zu erkennen). Damit war das Zielpublikum ein anderes [...].

[...] Den Gruppengesprächen wurden andere Themen zu Grunde gelegt als erwartet. [...]

Positive Erfahrungen: Der Informationsvorsprung durch die Vorbereitung gab den HAZ-Teilnehmern ein Gefühl der Sicherheit in der Diskussion und die Möglichkeit, sich in der Gruppe zu bewähren. Das Erlebnis der gemeinsamen Vorbereitung gab den Teilnehmern aus HAZ und andern HA-Gruppen ein ausgeprägtes 'Wir'-Gefühl, dessen positive Wirkung sich zum Teil auch auf andere Tagungsteilnehmer übertragen konnte."

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Ernst Ostertag, November 2006

Quellenverweise
1

HAZinfo, Nr. 9/1974, Seiten 9 und 10

2

HAZinfo, Nr. 9/1974, Seite 11