1993/1994

Ziele

… und gemachte Erfahrungen

Rolf Trechsel

Rolf Trechsel

Rolf Trechsel beim Büroeingang von Pink Cross. Er leitete das erste professionelle Schwulensekretariat der Schweiz 1994-2000. 2004-2006 war er Präsident. Foto um 1995.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Sammlung Rolf Trechsel, Zürich
Rechte
© Rolf Trechsel, Zürich
Sammlungs Nr.
ID: 0247b
Rolf Trechsel beim Büroeingang von Pink Cross

Rolf Trechsel als Sekretär von Pink Cross im Interview mit Hansjürg Wiedmer vom numero des Berner Ursus Club:

" 'numero': [...] Was möchtest Du generell mit Deinem Einsatz erreichen?

Rolf: Im kommenden Jahr [...] wird im Vordergrund stehen:

  1. Der Kampf um die gesetzliche Anerkennung von lesbischen und schwulen Lebensgemeinschaften [...]. Pink Cross wird die Petition voll unterstützen.
  2. Ein Vorstoss in Sachen SBB (Bundesbahnen) - ebenfalls zusammen mit Lesben [...]: Sie sollen das verbilligte 'Generalabo plus' auch für gleichgeschlechtliche (und nicht nur für heterosexuelle) Konkubinate abgeben.
  3. Der Ausbau von Pink Cross [...]: Wir müssen wesentlich mehr Einzelmitglieder gewinnen, sonst ist das Sekretariat - auch mit den heutigen Stellenprozenten - gefährdet.

[...] 'numero': [...] Welche Erlebnisse, Erfahrungen oder Begegnungen waren für Dich wegweisend?

Rolf: [...] Mein Weg führte über die [...] HAB (Homosexuelle Arbeitsgruppen Bern), das war vor rund 15 Jahren. Später wurde ich in den Homosexuellen Arbeitsgruppen Schweiz (HACH) aktiv, litt aber unter dem damals doch eher dogmatischen Kurs der Organisation. Einige Leute aus den Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ) - ich wohnte damals in Zürich - haben dann 1987 die Arbeitsgruppe Bundespolitik gegründet und im Auftrag der HACH, aber mit einer gewissen Autonomie, die Strafgesetzrevision des Parlaments verfolgt. Dass wir allein mit einer nicht überaus aufwendigen Lobby-Arbeit das Parlament 1990 dazu brachten, im Rahmen der Revision [...] das vorgesehene Verbot von gleichgeschlechtlichem Sex im Militär aufzuheben, war für mich ein Schlüsselerlebnis: Seitdem steht für mich fest, dass auch Schwule in Bern gleichsam 'offiziell' vertreten sein müssen und dass das wirklich etwas bringt.

[...] 'numero': Welches ist Deine Meinung zur Diskussion um die 'schwule Ehe', bzw. die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften?

Rolf: Ich bin hier Pragmatiker: ob das Ding 'Ehe' heisst oder nicht, interessiert mich nicht heftig. [...] Es darf aber nicht eine 'kleine' Ehe mit minderen Rechten für Schwule und Lesben geben und eine 'grosse' Ehe, welche weiterhin Mann und Frau vorbehalten ist. Von dem her halte ich es persönlich am realistischsten, analog zu Dänemark, die Rechte und Pflichten der heutigen Ehe zu übernehmen. Aber das ist lediglich meine persönliche Meinung.

'numero': [...] Wie sieht deine Beziehung zum Ursus Club aus [...]?

Rolf: Ich gehe sehr gerne in den Club. [...] Ich finde es sehr wichtig, dass sich hier verschiedenste 'Szenen' der Schwulen treffen. In diesem Sinne hat der Ursus Club sicher dazu beigetragen, dass Pink Cross überhaupt möglich wurde. Besonders gefreut hat mich natürlich, dass der Ursus Club Mitglied von Pink Cross wurde, obwohl das finanziell einiges für den Club bedeutet. [...]"

Nach oben

Ernst Ostertag, Mai 2008 und Oktober 2011