Newsletter 122

Februar 2020

Diese Ausgabe enthält folgende Themen:

  • Fred Spillmann, der berühmteste Schweizer Couturier (1915-1986)
  • Ernst Ostertag: 90. Geburtstag mit einer klaren Botschaft

  

Fred Spillmann, der berühmteste Schweizer Couturier (1915-1986)

Fred Spillmann 1971

Spillmann Porträt

Fred Spillmann 1971.

Urheber
Foto: Kurt Wyss
Herausgeber
Besitzer: Kurt Wyss
Rechte
© Kurt Wyss
Sammlungs Nr.
ID: 2083
Fred Spillmann 1971

eos. Er war ein Genie als Couturier und Künstler, ein Star weit über die Grenzen hinaus. Und zwei Dinge gehörten dazu als Markenzeichen: Sein Mundwerk verschonte niemand, es war das eines typischen Baslers, witzig und bissig, aber nie richtig verletzend. Seine Schwulität kannte jede und jeder, er lebte sie intensiv und hemmungslos offen.

Fred Spillmanns Leben galt der Mode und all ihren Accessoires. Die "FS"-Kreationen waren zeitlos; mit ihnen kleidete er die Reichen und Schönen und wenn das eine oder das andere an ihnen oder beides verging, landeten die Roben im Museum, wo sie noch heute bestaunt werden können. Dieses Leben brannte wie eine farbenbunte funkelnde Rakete am Nachthimmel und spiegelte sich im Rhein, an dem Fred wohnte, mitten in der Stadt und im Herzen ihrer Bewohner. Es war da, es war nicht fassbar. Darum gibt es keine schön geordnete Biografie von der Wiege bis zum Sarg, sondern Bilder. Bilder, die alle, die ihn kannten, die Zeitgenossen und Zeugen jener Jahrzehnte in sich tragen. Alle diese Bilder mögen sich gleichen, doch keines ist identisch. Ganz so, wie Fred eben lebte. Ein Paradiesvogel und zugleich ein ganz gewaltiger stiller Schaffer.

Von ihm - und typisch für ihn - stammt das Wort "Schwulsein ist eine Gabe". Eine Gabe wie das absolute Gehör. Sie ist da, du kannst damit tun, was du willst. Du kannst ein Mozart werden oder ein Klavierstimmer. Niemand kann diese Gabe erwerben oder anerzogen bekommen. Aber sie bestimmt dein Leben. Wie stark sie das tut, kannst du wählen, aber verlieren oder verleugnen kannst du sie nie und niemand kann sie dir wegnehmen oder gar austreiben. Das ist ein gewaltiges Statement. Spillmann stellt sein Schwulsein auf dieselbe Stufe wie sein Genie für Mode. Und das ist der Grund, warum wir Fred Spillmanns berühmten Satz von der Gabe des Schwulseins, diese Einsicht in seine innerste Natur zum Motto über die ganze Website Schwulengeschichte.ch nahmen, Röbi Rapp und ich.

Wenn ich jetzt persönlich werde, will ich gestehen, dass ein Kapitel über den grossen Couturier bereits damals im Plan stand, als ich 2003 mit dem Niederschreiben der Website begann. Allerdings fand sich nirgendwo ein sinnvolles Plätzchen, bis Josef Burri 2014 mit der Rubrik "Biografien" begann. Heute erfülle ich mir diesen Wunsch zum 90. Geburtstag auch deshalb, weil es sich um ein Stück Basler Geschichte handelt. Denn meine Familie stammt von dort, worauf ich noch heute stolz bin. Sie kamen als Wirtschaftsflüchtlinge aus dem süddeutschen Raum - ursprünglich Nördlingen - und erwarben 1731 das Bürgerrecht der Stadt Basel.

Für die Biografie brauchte es auch Illustrationen. Schon beim Text war mir Rolf Thalmann vom Verein Schwulenarchiv Schweiz unentbehrlich. Er holte die Bewilligungen der beiden ausführlich zitierten Autoren ein (Balthasar Staehelin und Hanspeter Hammel, der mit "-minu" zeichnet) und fand auch den Kontakt zu Daniel Suter und der Kuratorin Margret Ribbert, beide vom Historischen Museum Basel, wo der künstlerische Nachlass von Fred Spillmann gesammelt und aufbewahrt wird. Sie stellten vier Bilder gratis zur Verfügung. Die übrigen Bilder hat Kurt Wyss fotografiert. Ausgesucht und zusammengestellt wurden sie durch dessen Sohn, der das Archiv seines Vaters verwaltet. Er traf die Auswahl gemäss meinen Wünschen im Beisein von Rolf Thalmann. Allen Genannten danke ich hier sehr herzlich.

Ernst Ostertag: 90. Geburtstag mit einer klaren Botschaft

Stadtpräsidentin Corine Mauch gratuliert Ernst Ostertag / © Foto: Raphael Hadad

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hpw. Zusammen mit 13 weiteren LGBTQ-Vereinen durfte schwulengeschichte.ch am 25. Januar Ernst Ostertags 90. Geburtstag feiern. In geeignetem Stil und in passender Umgebung: Im Neumarkt-Theater, da wo früher die rauschenden KREIS-Bälle über die Bühne gingen.

Wir vom Verein schwulengeschichte.ch sind Ernst zu unendlichem Dank verpflichtet. Ohne seinen und Röbis unermesslichen Einsatz könnten wir den riesigen Schatz an Informationen über unsere eigene Geschichte auf schwulengeschichte.ch nicht zur Verfügung stellen. Wir freuen uns ausserordentlich, dass wir mit Ernst zusammenarbeiten dürfen, vor allem aber auch, dass Ernst diesen hohen Geburtstag in so exzellenter körperlicher und geistiger Verfassung feiern konnte.

Ernst wäre jedoch nicht Ernst, wenn er seinen Geburtstag nicht in den Dienst der Sache gestellt hätte: Wir wollen hier seine zwei Anliegen zu seinem 90. Geburtstag nochmals wiederholen:

Geht am 9. Februar abstimmen und sagt Ja zum Schutz vor Hass!

Für die einfache briefliche Stimmabgabe ist es schon zu spät. Das Couvert mit den ausgefüllten Abstimmungsunterlagen kann aber noch bei der Gemeinde abgegeben werden - und sonst sind die Urnen in den Abstimmungslokalen am Sonntag, 9. Februar 2020 bis 12 Uhr geöffnet (Hauptbahnhof Zürich bis 10 Uhr).

Unterstützt die LGBT-Projekte!

Ernst Ostertag möchte, dass anstelle von Geburtstagsgeschenken eines seiner drei ausgewählten LGBT-Projekte unterstützt wird, zum Beispiel der Verein schwulengeschichte.ch - mit einer Spende oder durch eine Mitgliedschaft.

Mitglied werden oder spenden

Weitere Informationen - auch zu den beiden anderen von Ernst ausgewählten LGBTQ-Projekten Komitee Ja zum Schutz vor Hass! und Verein Network, Fonds Max - im Programmheft zu Ernsts 90. Geburtstag