1978

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Petitionsbogen

Petitionsbogen Abschaffung Zürcher Homo-Register. Quelle: Schwulenarchiv Schweiz, sas, Zürich.

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Sammlungs Nr.
ID: 2080
Petitionsbogen Abschaffung Zürcher Homo-Register

Für die Zürcher Abonnenten des hey, Organ der SOH (Schweizerische Organisation der Homophilen), lag im September ein Petitionsbogen bei. Jürg Wehrli hatte einen Aufruf geschrieben und die SOH doppelte nach:1

Was an der Telearena zu kurz kam:

Was die politischen Parteien bis jetzt fürchteten:

Abschaffung und Vernichtung des Homo-Registers!

weil:

  • Das Schwulen-Register dient der Gesinnungsschnüffelei, genau wie das Cincera-Register2
  • Selbst die Polizei bezweifelt den Wert des Registers für ihre Fahndungen
  • Das Register dient als Drohung, die "Wohlverhalten" bestimmter Bürger bewirken soll
  • Auch dieses Register stellt einen Eingriff des Staates in die Privatsphäre seiner Bürger dar

Die homosexuellen Arbeitsgruppen und Organisationen lancieren eine Petition zur Abschaffung und Vernichtung des Homosexuellen-Registers

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Eine grosse Entrüstung in der Presse war die Folge. Es war absolut nicht klar, wer aufgrund von diesen Einträgen im Alltag bei einer Stellensuche, Wohnungssuche oder Beförderung beim Staat oder im Militär benachteiligt wurde. Das Gleiche galt für das Schwulen-Register. Gesichert ist hingegen: Auf Grund von Eintragungen im Schwulen-Register wurden Anträge zum Erlangen des Schweizer Bürgerrechts oder - bei Schweizern - desjenigen einer anderen Schweizer Gemeinde abgewiesen.

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Ernst Ostertag, Mai 2007

Quellenverweise
1

hey, Nr. 9/1978, Seite 8

Anmerkungen
2

Das Cincera-Register, ein privates Geheimregister von Ernst Cincera (1928-2004), Zürcher Kantons- und später Nationalrat, FDP. Dieser hatte von 1972 bis 1974 mit Hilfe von Informanten ein Register über rund 3500 Personen der politischen Linken angelegt und Interessenten aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Militärkreisen zur Verfügung gestellt, damit diese "gefährliche" Elemente erkennen und aussortieren konnten. Cinceras Geheimarchiv wurde 1976 durch eine Gruppe linksgerichteter Aktivisten aufgedeckt und in einem "Demokratischen Manifest" publik gemacht.