1982

Berufsverbot

Ein Beispiel

Im hey 10/1982 (Zeitschrift der SOH, Schweizerische Organisation der Homophilen) berichtete René Winzeler als "Theo" über einen vom Berufsverbot bedrohten reformierten Zürcher Seelsorge-Lehrer:1

"[...] Hans van der Geest, Dr. theol. [...], schrieb im Heft 5B 1982 des Kirchenboten für den Kanton Zürich über 'biblische Aspekte der gleichgeschlechtlichen Liebe'. [...] Van der Geest führt im Auftrag des ref. Diakoniewerks Neumünster Kurse durch, die seit 1974 von rund 700 Teilnehmern absolviert wurden; seine Arbeit wird in weitesten Kreisen hoch geschätzt. [...]

Er spricht sich dafür aus, die Bibel als Weg zu Christus zu betrachten, nicht als Rezeptbuch. Der Akzent liegt auf dem inneren Gehalt von Liebesbeziehungen, unabhängig vom Geschlecht des Partners und von der Form des Liebesausdrucks. Einige zentrale Bibelstellen zum Thema Homosexualität werden in einen historischen Zusammenhang gestellt und so relativiert."

Demnach tat er, was fast 80 Jahre vor ihm bereits Caspar Wirz gemacht hatte. "Theo" schilderte die Reaktionen auf diese Betrachtungen, die teilweise einem Aufruhr glichen:

"[...] Höhepunkt des Aufschreis der im Mark getroffenen Fundamentalisten ist ein Brief von 13 Pfarrern [...]:

'[...] Wir sind erschrocken, dass ein Mann an einer so prominenten Stelle mit dem frivolen Ruf: Lassen wir uns die Freude nicht verderben. Die Liebe ist aus Gott. Furcht ist nicht in der Liebe zu Promiskuität und homosexuellen Beziehungen ermuntert. [...] Als Diener am göttlichen Wort, wozu wir von unserer Kirche eingesetzt sind, legen wir schärfsten Protest ein gegen van der Geests Umdeutung, ja Erledigung biblischer Texte zur Frage der Homosexualität.'

Selbstverständlich wissen diese Inhaber des göttlichen Wortes auch genau, wie man den Homosexuellen hilft: 'Die Homosexualität ist eindeutig als schöpfungswidrig zu bezeichnen. [...] Wir vertreten nicht die Ansicht, man müsse nur beten, dann löse sich dieses Problem schon. Auch in dieser Frage gilt: ora et labora, beten und sorgfältige, ausdauernde seelsorgerliche Betreuung in Richtung auf unseren Herrn Jesus Christus, der allein helfen kann.'

[...] Wen durfte es wundern, dass nach der ideologischen Wegbereitung durch die 13 Pfarrer das Diakoniewerk Neumünster seinem langjährigen Mitarbeiter den blauen Brief ins Haus schickte. [...] Van der Geest legte in seiner abschliessenden Entgegnung im Kirchenboten noch einmal ein klares Bekenntnis zur Bibel ab und entkräftete auch einige gar einfache Argumente seiner Gegner. [...]

'Im Moment ist für mich aktuell: Wie gehe ich mit meinen Kritikern um? Ich will es in Liebe tun, und ich merke, wie schwer das ist.' [...]"

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Ernst Ostertag, Oktober 2007

Weiterführende Links intern

Caspar Wirz

Quellenverweise
1

hey, Nr. 10/1982, Seite 26