1985-2004

AK: Rückblick auf 20 Jahre

Ein Zeitzeuge berichtet

Daniel P. Wiedmer

Daniel P. Wiedmer

Daniel P. Wiedmer: 20 Jahre aktiv bei 'anderschume', 'anderschume Kontiki' und 'aK'. Artikel von Martin Ender, Herausgeber und Verleger der Zeitung 'Cruiser', Juli/August 2004, S. 4.

Urheber
Fotograf: unbekannt
Herausgeber
Besitzer: Sammlung Daniel P. Wiedmer, Frauenfeld
Rechte
© unbekannt
Sammlungs Nr.
ID: 0186
Daniel P. Wiedmer: 20 Jahre aktiv bei 'anderschume', 'anderschume Kontiki' und 'aK'

"20 Jahre aK-Macher" setzte Martin Ender, Herausgeber und Verleger des Cruiser, als Titel über seinen Bericht zum Ende des bisherigen aK (früher AK anderschume/Kontiki). Darin liess er den sich aus dem aK-Team "etwas zurückziehenden" Daniel Wiedmer erzählen (Sommer 2004):1

"Ich bin nach der RS (Rekrutenschule) von Bern weggezogen und nach Zürich gekommen [...]. Damals gab's von der HAB Bern die HAB-Info, ein Heftli, das mehr als nur Agenda sein wollte. In jedem Heft gab es 'Selbsterfahrungsgeschichten'. Man konnte Texte einsenden. Da kamen Themen zur Sprache zum Coming-out, zu schwul im Alter, zu schwul im Militär oder was auch immer.

Nach vier Jahren sind langsam die Ideen ausgegangen. Die Gruppe, die diese Hefte gemacht hatte, wollte aufhören. Ich war schon in Zürich, und mir kam die Idee, nicht nur etwas für die HAB, sondern für die ganze Schweiz zu machen. Ich habe das Projekt der gesamtschweizerischen HACH vorgestellt und es fertig gebracht, dass [schliesslich] alle Homosexuellen Arbeitsgruppen zusammengearbeitet haben. Sie sicherten die Finanzierung, indem sie eine vereinbarte Anzahl von Heften zu einem fixen Betrag abkauften.

So entstand das Anderschume. Das Konzept der HAB mit den Selbsterfahrungsgeschichten wurde weitergeführt. Ich lernte Roger Staub kennen, der die Aids-Hilfe Schweiz mitgründete. Wir waren ein gutes Team. Unter anderem war Egon Fässler dabei, der später zum Schweizer Fernsehen ging. Auch Dani Eggli ("Salz & Pfeffer"-Sendereihe) und später Hans Ineichen (Radio, Nachrichtensendungen) gehörten dazu. Wir hatten hochkarätige Leute, ohne es damals zu wissen.

[...] Zum richtigen Zeitpunkt gab das Kontiki auf. Mir war klar, wir sind ein Heft der Gruppen. Mit einer Zusammenarbeit oder Übernahme des Kontiki würden wir viel mehr Leute erreichen. Uns war ja wichtig, Schwule auch ausserhalb der Gruppen aufzuklären, ihnen beim Coming Out zu helfen.

Wir haben intern diskutiert und wussten genau, dass die Gruppen bei einer Ausweitung von Anderschume nicht mitziehen würden. Die waren damals sehr abgeschottet und wollten mit der "Szene" nichts zu tun haben. Also konfrontierten wir die Gruppen einfach mit dem neuen AK Anderschume/Kontiki. Darauf wurden wir von gewissen 'Schwulengrüpplern' drei Jahre lang nicht mehr angeschaut.

Wir [...] haben das Konzept vom Kontiki übernommen, dann fliessend ein eigenes Konzept entwickelt und zwar immer mehr in Richtung, wie man das aK heute kennt. Irgendwann wurde das aK farbig, erst nur das Titelbild, dann auch ein paar Innenseiten.

Als Hans Ineichen die Chefredaktion machte, haben wir das Heft sechsmal statt nur viermal im Jahr produziert. Das hatte auch mit dem Cruiser zu tun, der damals stark zulegte. Mit Hans Ineichen hatten wir erstmals eine richtig professionell geführte Redaktion. Ihm folgte René Hornung, der die Redaktion rund zehn Jahre führte. Ich hatte immer den 'Hinterbau' gemacht. Geschaut fürs Geld, dass die Organisation läuft [...]."

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Ernst Ostertag, April 2007

Quellenverweise
1

Cruiser, Juli/August 2004, Seite 4